07/10/2026
Als junger Reiter hatte ich einen Stuhlsitz: Meine Knie waren hochgezogen, meine Oberschenkel nach außen gedreht, sodass die Knie nicht flach am Sattel anliegen konnten, meine Zehen zeigten nach außen, die Rückseite meiner Unterschenkel und Absätze klammerten sich am Pferdebauch fest. Außerdem lagen meine Unterschenkel zu weit vorne, am Ellbogen des Pferdes. In dieser Haltung ist es nahezu unmöglich, den Trab auszusitzen ohne klappendes Gesäß, ohne Verspannungen und ohne sich anzuklammern. Es dauerte etliche Jahre, bis meine Schenkellage und mein Sitz gut genug waren, um in die Rückenbewegung des Pferdes einzugehen ohne sie zu stören.
Meine Hüftbeuger waren ebenfalls verspannt, wodurch mein Oberkörper immer ein wenig vor die Senkrechte geneigt war, während meine Knie immer eine Tendenz nach oben hatten. Wenn ich versuchte, meine Beine nach hinten-unten zu dehnen, neigte sich mein Oberkörper mehr nach vorne. Wenn ich versuchte geradezusitzen, wanderten meine Knie wieder nach oben.
Durch viel beobachten, nachdenken und experimentieren bemerkte ich, dass die Verspannungen in meinen Hüftbeugern, A**en und Beinen die Folge einer mangelnden Stabilität der Lendenwirbelsäule waren. Der Muskeltonus in meiner Körpermitte war zu gering, sodass die Peripherie dafür kompensierte, indem sie ihre Muskeln zu sehr anspannte, um mich im Sattel zu halten.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich unbewußt gegen die Bewegung der Hinterbeine und des Rückens verteidigte, als wenn es sich um Feinde handelte. Dadurch blieben meine Hüftbeuger in Kontraktion und verhinderten die freie Bewegung der Hinterhand und des Pferderückens, da mein Sitz es nicht zuließ. Daraufhin veränderte ich meinen Standpunkt und betrachtete die Bewegung des Pferdes als Freundin, damit ich meinen Schutzwall aufgeben und sie in meinen Körper hinein lassen konnte, anstatt sie abzublocken.
Dazu stellte ich mir vor, dass die Bewegung des Pferdes durch mich hindurch gehen sollte, wie der Wind durch die Zweige einer Trauerweide hindurch weht, ohne dass die Zweige ihn bremsen.
Als ich versuchte, die defensiven Verspannungen loszulassen, stellte ich fest, dass ich mich nicht einfach auf Kommando entspannen konnte, da es sich um eine instinktive Reaktion auf einen Mangel an Balance handelte. Ich entdeckte, dass ich meine A**e, Beine und Hüften erst entspannen konnte, nachdem ich mich an anderer Stelle stabilisiert hatte, sodass ich nicht herunterfallen würde. Wie sich herausstellte, waren es immer die Muskeln im Bereich der Lendenwirbelsäule, die ich vermehrt anspannen musste, damit meine Wirbelkörper wie Holzklötze, mit denen wir als Kinder gespielt hatten, aufeinander gestapelt blieben. Sobald meine Rumpfmuskulatur meinem Sitz genug Stabilität verlieh, konnten meine Arm- und Beinmuskeln sich entspannen.
Ich musste zudem meine Unterstützungsfläche verändern. Damals hatte ich oft das Gefühl, “auf dem Pferd” zu stecken, wie eine Wäscheklammer, anstatt “im Pferd” zu sitzen, wie die alten Meister zu sagen pflegten. Also begann ich, darüber nachzudenken, wie ich meinen Schwerpunkt senken und mit dem Sattel und dem Pferderücken verschmelzen könnte. Das führte mich zu der Entdeckung, dass ich mein Gewicht über die Rippenwölbung des Pferdes ausbreiten kann, anstatt hauptsächlich auf den Gesäßknochen zu sitzen. Da die Rippen unterhalb der Wirbelsäule und der Sattelfläche liegen, fühlt es sich so an, als ob man den Schwerpunkt absenkt.
Das wurde ein großer Game-changer für mich, da es mir gestattete, sicherer und besser ausbalanciert im Sattel zu sitzen, sodass ich meine periphere Muskulatur loslassen konnte. Mein Sitz wurde dadurch zugleich stabiler und flexibler. Meine Hüftgelenke besaßen nun die Freiheit, die Bewegung des Pferderückens durch die Verstärkung oder die Reduktion bestimmter Aspekte des Ganges mit dem Sitz zu formen.