05/10/2026
STRUKTURELLE CANINE OSTEOPATHIE | TEIL 2
Der Hund zeigt dort Schmerzen. Aber liegt dort auch die Ursache?
Ein Hund zeigt Schmerzen im Bereich der Schulter. Die Muskulatur ist angespannt, die Schulterextension eingeschränkt und vielleicht bewegt sich auch die Scapula auffällig.
Also behandeln wir die Schulter?
Vielleicht. Aber zunächst haben wir einen Befund, noch keine Erklärung.
Genau hier beginnt für mich das osteopathische Denken.
Bei einem Schulterbefund können unterschiedliche Ebenen eine Rolle spielen:
Lokal
Schultergelenk, Sehnen, Muskulatur oder Scapula können selbst Ursprung der Problematik sein.
Biomechanisch
HWS, cervicothorakaler Übergang, Rippen und Thorax können die Funktion von Scapula und Vordergliedmaße beeinflussen. Ebenso kann die Schulter Teil einer Kompensationsstrategie sein.
Neurophysiologisch und reflektorisch
Nozizeptive Informationen aus unterschiedlichen Geweben werden im Nervensystem verarbeitet und können Schutzreaktionen, Veränderungen des Muskeltonus und des Bewegungsverhaltens beeinflussen.
Viszeral
Auch innere Strukturen können nozizeptive Informationen liefern. Über viszerosomatische Mechanismen können dadurch somatische Reaktionen entstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir aus einem Schulterbefund auf ein bestimmtes Organ schließen können.
Und genau diese Unterscheidung ist wichtig.
Eine anatomisch oder neurophysiologisch plausible Verbindung ist noch kein Beweis für eine Ursache.
Die entscheidende osteopathische Frage lautet deshalb:
Erklärt der lokale muskuloskelettale Befund das Beschwerdebild des Hundes vollständig?
Wenn nicht, erweitern wir unseren Blick. Wir beziehen biomechanische Ketten ebenso ein wie neurophysiologische, reflektorische und mögliche viszerale Einflüsse.
Dabei geht es nicht darum, möglichst komplizierte Zusammenhänge zu konstruieren, sondern herauszufinden, welcher Zusammenhang für diesen Hund tatsächlich relevant ist.
Befund → Hypothese → Behandlung → Re-Test
Und genau der Re-Test zeigt uns, ob unsere Hypothese trägt.
Osteopathisch denken bedeutet für mich:
offen genug zu untersuchen, um Zusammenhänge nicht zu übersehen, und kritisch genug zu bleiben, um einen Zusammenhang nicht mit einer Ursache zu verwechseln.
🎓 Strukturelle canine Osteopathie unterrichte ich an folgenden Instituten:
📍 Cani Vet Campus | Saarbrücken
📍 Cani Vet Campus | Magstadt
📍 dogsphysio | Sabine Hárrer