13/06/2026
‼️Gedanken zur aktuellen CDDY- und IVDD-Diskussion:
Wie aktuell sind die Zahlen wirklich?‼️
Teil 2 ‼️
Und für die , die immer Alles genau wissen wollen...Studien hängen unten an 😜
Im Rahmen der aktuellen Diskussion rund um CDDY, IVDD und die Zukunft der Dackelzucht wird häufig auf Zahlen und Studien aus Finnland, Norwegen und anderen Ländern verwiesen. Diese Studien haben zweifellos wichtige Erkenntnisse geliefert und wesentlich dazu beigetragen, Zusammenhänge zwischen Bandscheibenverkalkungen, genetischen Faktoren und dem Auftreten von IVDD besser zu verstehen.
Dennoch stellt sich für mich eine Frage, die in der öffentlichen Diskussion oft nur selten thematisiert wird:
Wie aktuell sind die Daten, auf denen viele dieser Aussagen beruhen?
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass zahlreiche der häufig zitierten nordischen Studien zwar wissenschaftlich wertvoll sind, ihre Datengrundlage jedoch oftmals aus Populationen stammt, die bereits vor vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten untersucht wurden. Teilweise wurden Hunde erfasst, die in den 1980er-, 1990er- oder frühen 2000er-Jahren geboren wurden.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die Ergebnisse falsch sind. Ganz im Gegenteil. Diese Studien bilden eine wichtige Grundlage unseres heutigen Wissens.
Dennoch stellt sich die berechtigte Frage, inwieweit Populationen von vor 20, 30 oder sogar 40 Jahren die heutige Situation vollständig widerspiegeln können.
Der moderne Dackel lebt in einer anderen Umgebung als seine Vorfahren. Zuchtziele haben sich verändert. Fütterung, Haltungsbedingungen, medizinische Versorgung und die Möglichkeiten genetischer Untersuchungen haben sich weiterentwickelt. Auch die Zucht selbst arbeitet heute mit Instrumenten, die vor wenigen Jahrzehnten noch nicht zur Verfügung standen.
Gerade deshalb erscheint es wichtig, bei der Interpretation von Studienergebnissen immer auch den Zeitraum der Datenerhebung zu berücksichtigen.
Hinzu kommt, dass in Diskussionen häufig von „aktuellen Zahlen“ gesprochen wird. Dabei wird oftmals nicht unterschieden, ob die Zahlen tatsächlich aus aktuellen Populationen stammen oder ob es sich um aktuelle wissenschaftliche Auswertungen älterer Datensätze handelt.
Eine Studie kann heute veröffentlicht werden und dennoch Daten enthalten, die über viele Jahre oder Jahrzehnte gesammelt wurden. Die wissenschaftliche Analyse ist dann aktuell – die zugrunde liegende Population jedoch nicht zwangsläufig.
Diese Unterscheidung ist wichtig, geht in öffentlichen Diskussionen jedoch häufig verloren.
Ebenso stellt sich die Frage, welche Daten überhaupt miteinander verglichen werden.
Werden klinische IVDD-Fälle betrachtet?
Bandscheibenverkalkungen?
Versicherungsdaten?
Tierklinikdaten?
Genetische Marker?
Screeningprogramme?
Oder tatsächliche Erkrankungsraten innerhalb bestimmter Populationen?
Diese unterschiedlichen Datensätze werden in Diskussionen oft vermischt, obwohl sie nicht dasselbe messen.
Besonders interessant erscheint mir zudem, dass viele Faktoren, die möglicherweise ebenfalls Einfluss auf die Gesundheit der Hunde haben, bislang nur begrenzt erfasst werden.
Dazu gehören unter anderem:
- Körperkondition und Übergewicht
- Muskulatur und Fitnesszustand
- Bewegungsverhalten
- Aufzuchtbedingungen
- Exterieur und funktioneller Körperbau
- Linienunterschiede
- genetische Vielfalt
- weitere bislang unbekannte genetische Faktoren
Gerade bei einer multifaktoriellen Erkrankung wie IVDD erscheint es schwierig, die gesamte Problematik auf einen einzelnen Faktor oder Marker zu reduzieren.
Aus diesem Grund halte ich eine weitere Frage für besonders spannend:
Warum gibt es Populationen, Linien oder einzelne Zuchten, die trotz genetischer Belastung über viele Generationen hinweg nur wenige oder gar keine bekannten IVDD-Fälle aufweisen?
Welche Faktoren könnten hier zusätzlich eine Rolle spielen?
Gibt es schützende genetische Einflüsse?
Spielt die Körperkondition eine größere Rolle als bislang angenommen?
Beeinflussen funktioneller Körperbau, Muskulatur oder Aufzuchtbedingungen das tatsächliche Erkrankungsrisiko?
Oder handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren?
Genau diese Fragen erscheinen mir für die zukünftige Forschung besonders interessant.
Die bisherigen Studien liefern wertvolle Hinweise und wichtige Erkenntnisse. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass wir möglicherweise noch nicht alle Einflussfaktoren vollständig verstanden haben.
Deshalb sollte die Diskussion aus meiner Sicht weder in eine pauschale Verharmlosung noch in eine pauschale Dramatisierung abgleiten.
Die Existenz eines genetischen Risikofaktors bedeutet nicht automatisch, dass wir die gesamte Erkrankung verstanden haben.
Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung nicht darin, den einen entscheidenden Faktor zu finden, sondern darin, das Zusammenspiel aller Faktoren besser zu verstehen.
Denn Gesundheit entsteht selten durch eine einzelne Ursache – und vermutlich auch selten durch eine einzelne Lösung.
Studienanhänge :
Wenn man sich die finnischen und norwegischen Arbeiten genauer anschaut, stellt man fest, dass viele der häufig zitierten Daten nicht aus den letzten Jahren stammen, sondern auf Populationen beruhen, die teilweise vor 20 bis 40 Jahren geboren wurden.
Ein paar Beispiele:
Die finnische Screening-Studie von Lappalainen et al. wurde 2015 veröffentlicht, verwendete aber Röntgendaten von 1998 bis 2015. Die genetischen Trends wurden bei Hunden untersucht, die zwischen 1997 und 2013 geboren wurden.
Das finnische Screeningprogramm selbst wurde bereits 1998 gestartet.
Eine häufig zitierte finnische Studie zu Bandscheibenverkalkungen wurde bereits 2001 veröffentlicht und untersuchte Hunde aus den Geburtsjahren 1988 bis 1996.
Die norwegischen Daten von Stigen basieren auf Dackeln, die beim Norwegischen Kennel Club in den Jahren 1986 bis 1988 registriert wurden. Diese Hunde wurden im Alter von 1 und 5 Jahren untersucht.
Das bedeutet:
> Ein Teil der wissenschaftlichen Grundlage, auf die sich die heutige Diskussion stützt, beschreibt Populationen von Dackeln, die vor 30 bis 40 Jahren gezüchtet wurden.
Das macht die Daten nicht wertlos – ganz im Gegenteil. Sie sind wissenschaftlich sehr wichtig, weil sie den Zusammenhang zwischen Verkalkungen und späteren Bandscheibenproblemen zeigen konnten.
Aber genau daraus ergibt sich eine berechtigte Frage:
> Wie gut spiegeln diese historischen Populationen den heutigen Dackel tatsächlich wider?
Der heutige Dackel unterscheidet sich in vielen Bereichen von den Populationen der 1980er- und 1990er-Jahre:
andere Zuchtziele,
andere Fütterung,
andere Haltungsbedingungen,
andere Bewegungsmuster,
andere genetische Selektion,
deutlich stärkere Nutzung von DNA-Tests.
Das bedeutet nicht, dass die alten Daten falsch sind. Es bedeutet lediglich, dass man vorsichtig sein sollte, wenn man aus historischen Populationen direkte Aussagen über die heutige Population ableitet.
Ein weiterer Punkt, den viele übersehen:
In der finnischen Heritabilitätsstudie schreiben die Autoren selbst, dass weniger als 10 % der registrierten Dackel überhaupt ein Screening-Ergebnis hatten. Die untersuchte Population war also nicht identisch mit der gesamten Dackelpopulation.
Die nordischen Studien haben wichtige Erkenntnisse geliefert und bilden eine wertvolle Grundlage für die heutige Forschung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit Daten aus Populationen der 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahre die heutige Dackelpopulation mit ihren veränderten Zuchtzielen, Haltungsbedingungen und genetischen Selektionsstrategien vollständig abbilden.
Ich denke eine legitime Ausführung.
© 2026 Diana Thomä 🐾
Dachshund Breeding & Lifestyle