12/07/2026
Ich kann reiten…
…höre ich oft, wenn sich Menschen für meine Angebote interessieren.
Leider ist Können immer subjektiv, insbesondere, wenn es sich um eine Fähigkeit handelt, an der zwei Individuen beteiligt sind.
Essentiell für viele ist hierbei, dass Pferde vieles aushalten, einiges ignorieren und wirklich guten Willens sein müssen, damit diese Sorte “reiten können” nicht zu gefährlichen Situationen führt.
Bisher beteuerten ALLE, die ich auf meinem Weg als Reitlehrerin getroffen habe, dass sie fein reiten und großen Wert auf Harmonie legen. In der überwältigenden Mehrzahl der Fälle war das reiterliche Können nicht das, was ich als Können bezeichnen würde, also aus Sicht der Pferde betrachtet.
Ein Pferd muss sich sicher fühlen. Dazu gehört als erstes, verstanden zu werden. Wer keine Ahnung vom (Sozial-)Verhalten des Fluchttieres Pferd hat, kann keine Sicherheit bieten. Zum zweiten braucht es Balance im Innen wie im Außen. Wer Stress mit in den Stall bringt, aktiviert auch sein Pferd. Wer selber schief oder verspannt ist, kann nicht fein einwirken. Und wer sich selbst nicht spürt, kann sich von dem Gedanken verabschieden, sein Pferd zu spüren.
“True Horsemanship through Feel”, ein tolles Buch, in dem Bill Dorrance beschreibt, wie partnerschaftliches Zusammenarbeiten auf Augenhöhe mit dem Pferd funktioniert, beschreibt genau das.
Wahre Partnerschaft braucht Gefühl. Ohne zu spüren, was gerade los ist, funktioniert Beziehung nicht.
Leider wird genau das weder im Reitunterricht noch in unserem Alltag, in Schule, Uni oder Ausbildungen gelehrt. Und somit haben die wenigsten eine Vorstellung von dem, worum es mir geht.
Ich selber habe jedes Jahr aufs Neue das Gefühl, dem feinen Gespür ein gutes Stück näher zu kommen und jedes Jahr aufs Neue entdecke ich zurückschauend, wie oft ich geirrt und Fehler gemacht habe. Mein Fokus liegt seit vielen Jahren auf der Verfeinerung der Kommunikation, sowie auf der eigenen Balance im Außen wie im Innen, im Körper wie im Nervensystem.
Ich lade alle ein, sich auf die Reise zu begeben und sich jedes Jahr wieder neu überraschen zu lassen, wieviel sie gelernt haben, aber auch wie wenig sie im Jahr zuvor noch wussten.
Demut ist daher in meinen Augen eine wirklich wichtige Eigenschaft auf dem Weg zu einer echten Partnerschaft mit unseren Pferden. Denn wer meint, etwas zu können, muss nichts mehr lernen. Das stete Streben nach mehr Balance macht uns zu besseren Menschen und unsere Pferde werden es uns danken.
Ich suche immer wieder PraktikantInnen, die Lust haben, kontinuierlich und intensiv an ihren reiterlichen Fähigkeiten zu arbeiten, ob mit ihrem eigenen Pferd oder auf meinen Pferden. Da das nicht in wenigen Wochen gelingt, dauert ein Praktikum mindestens vier Monate.
Die vielen Angebote auf den “Urlaub gegen Hand”-Seiten haben großen Zulauf, wobei ich mich immer wundere, dass die eigenen Pferde “einfach so” fremden Reitern angeboten und zur Verfügung gestellt werden. Denn genau das ist etwas, was ich nicht mache. Ich unterrichte auf meinen Pferden ausschließlich im Einzelunterricht, bis ich sicher bin, dass ein gewisses Maß an Balance und Gefühl vorhanden ist.
Ich freue mich über alle, die genau das schätzen.