29/07/2026
Double Blind ist kein neuer Hype!
Es gibt offensichtlich gerade einige Anbieter, die für sich entdecken, dass Double Blind im Mantrailing vielleicht doch ganz sinnvoll sein könnte.
Darüber freue ich mich tatsächlich.
Trotzdem müssen wir jetzt nicht so tun, als wäre damit gerade das Rad neu erfunden worden.
Als ich vor 13 Jahren mein erstes Seminar bei Jeff Schettler und Co. besucht habe, wurde uns bereits sehr klar gesagt, wie wichtig Double-Blind-Arbeit ist. Auch wir sprechen seit vielen Jahren darüber, dass die großen deutschen Hilfsorganisationen ihre Einsatzteams alle lediglich Single Blind prüfen.
Ich finde das nach wie vor hochgradig erschreckend – und wenn wir das vor Jahren angesprochen haben, wurden wir dafür nicht selten ziemlich doof angemacht.
Marketingtechnisch macht es natürlich Sinn, jetzt auf diesen Zug aufzuspringen. Double Blind klingt modern, kritisch und wissenschaftlich. Man kann sich damit wunderbar als Vorreiter positionieren.
Nur wird aus einer jahrelang ignorierten Notwendigkeit keine neue Erkenntnis, weil man sie plötzlich selbst entdeckt und öffentlichkeitswirksam für sich beansprucht.
Ich bin mir ziemlich sicher: Würden die in den aktuellen Prüfungsordnungen geforderten 24 oder 48 Stunden alten Trails konsequent double blind geprüft, kämen vermutlich kaum noch Teams am Ziel an.
Und dann hätten wir das nächste große Drama.
Dann müssten wir uns nämlich ehrlich damit beschäftigen, ob unsere Vorstellungen davon, was ein Hund angeblich leisten kann, unter kontrollierten Bedingungen überhaupt Bestand haben.
Vielleicht wäre genau das längst überfällig.
Double Blind hält uns einen Spiegel vor. Und in diesem Spiegel werden wir vermutlich häufiger sehen, dass Leistungen, die im Training oder in Single-Blind-Prüfungen überzeugend aussehen, unter kontrollierten Bedingungen nicht zuverlässig reproduzierbar sind.
Das bedeutet, dass wir unsere Anforderungen, unseren Anspruch an die Hunde und unsere Überzeugungen darüber, was ein Hund leisten können soll, grundlegend überprüfen müssen.
Und ja, das kann wehtun.
Vor allem dann, wenn an diesen Überzeugungen viele Jahre Ausbildung, viel Geld, viel Status und das eigene Selbstbild hängen.
Ein neues Prüfungssystem halte ich für dringend notwendig. Gleichzeitig ist auch eine bestandene Double-Blind-Prüfung nur ein Ausschnitt.
Einsatzreife endet nicht mit einer Prüfung. Danach muss sich zeigen, ob eine Leistung wiederholbar, belastbar und unter wechselnden Bedingungen zuverlässig abrufbar ist.
Vielleicht ist Double Blind deshalb weniger der neue große Trend, als vielmehr ein Spiegel, in den die Mantrailing-Szene schon vor vielen Jahren hätte schauen müssen.
Und möglicherweise wird uns das Bild darin nicht gefallen.