Canis Specialis

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Canis Specialis Individuelle Pension für Hunde mit speziellen Bedürfnissen.

Durch über 20 Jahre Erfahrung als praktische Tierärztin mit verhaltenstherapeutischer Zusatzfortbildung können auch - und gerade- kranke oder problematische Hunde sachkundig betreut werden.

Mal wieder Populismus und schnelle, einfache " Lösungen" statt Fachkunde und Ursachenbekämpfung
11/10/2026

Mal wieder Populismus und schnelle, einfache " Lösungen" statt Fachkunde und Ursachenbekämpfung

𝗛𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿𝗸𝘂𝗻𝗱𝗲 𝘀𝘁𝗮𝘁𝘁 𝗥𝗮𝘀𝘀𝗲𝗹𝗶𝘀𝘁𝗲 – 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝗱𝗼𝗰𝗵 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗻𝗲𝘂𝗲 𝗛ü𝗿𝗱𝗲𝗻 𝗳ü𝗿 𝗛𝘂𝗻𝗱𝗲 𝗮u𝘀 𝗧𝗶𝗲𝗿𝗵𝗲𝗶𝗺𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗧𝗶𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝘂𝘁𝘇𝘃𝗲𝗿𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻?

Am 21. September 2026 wurde im NRW-Landtag über den -Antrag für einen verbindlichen Sachkundenachweis (Stichwort: Hundeführerschein) für alle Hundehalter diskutiert.

Unter den Sachverständigen: Martin Rütter.
Es ging um verantwortungsvolle Hundehaltung, Prävention und dadurch nicht zuletzt um die Entlastung der Tierheime. Auch hier auf Favebook und Instagram wurde im Vorfeld zum Mitmachen, zum Austausch die Werbetrommel gerührt und hoch und runter diskutiert. Sogar an einer offenen Videokonferenz konnte man teilnehmen.

So konnte man durchaus hoffen, dass endlich der Mensch am anderen Ende der Leine stärker in den Mittelpunkt rückt.

Ja und man durfte auch die leise Hoffnung haben, dass damit auch das LHundG NRW und dessen "Rasselisten" auf den Prüfstand käme. Es zumindest, nachdem ja ein Bundesland nach dem anderen diese Rasselisten bereits abgeschafft hat und den Fokus auf Halterkunde setzt, ebenfalls diskutiert würde.

Naja zumindest Mr. Holmes und meinereiner hatten diese wohl naive Hoffnung.

Und was passiert?

Nicht einmal drei Wochen später gilt eine verschärfte Verwaltungsvorschrift zum Landeshundegesetz.
Der Erlass stammt aus dem Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium unter Silke Gorißen, , in der -Landesregierung.

In Kraft ist die Änderung seit 7. Oktober 2026.

Sie betrifft unter anderem Hunde nach § 3 Absatz 2 LHundG NRW, also Kat.1 der sg. Listenhunde und Mischlinge unter Beteiligung der genannten Rassen.
Dort heißt es, mit einer kurzen Auslassung:
„Ein öffentliches Interesse […] soll verneint werden, wenn der gefährliche Hund in einen Haushalt übernommen würde, in dem Kinder oder andere "besonders schutzbedürftige Personen" leben.“

Der anschließende Absatz erläutert, dass das öffentliche Interesse nach Abwägung der Tierschutzbelange und Sicherheitsinteressen regelmäßig abgelehnt werden soll.

Und jetzt einmal die praktische Gegenüberstellung:

Ich könnte mir grundsätzlich drei Moskauer Wachhunde, einen Hollandse Herder, einen Cane Corso und einen Kangal anschaffen – auch mit Kindern im Haushalt.
Diese Rassen und entsprechende Mischlinge stehen allein aufgrund dieser Abstammung nicht auf den NRW-Rasselisten. Ohne individuelle Gefährlichkeitseinstufung gelten normalerweise die Anforderungen für große Hunde: Anzeige beim Ordnungsamt, „20/40“-Sachkundenachweis, Zuverlässigkeit, Haftpflichtversicherung und Mikrochip.

Eine rassebedingte Haltungserlaubnis oder ein besonderes öffentliches beziehungsweise privates Interesse brauche ich dafür nicht.

Für einen kleinen Mops–Staffordshire-Bullterrier-Mischling, der wegen seines deutlich hervortretenden Rassetyps unter § 3 Absatz 2 fällt, sieht die Sache anders aus. Klein sein hilft ihm rechtlich nicht. Genauso wenig wie dem Miniaturbullterrier der leider ein paar cm über dem Rassestandard liegt.

Ich war selbst einmal Gassigängerin für einen solchen §-3-Hund: einen Mops-Staffbull-Mischling, kaum 30 Zentimeter groß, weniger als 10 kg schwer.

Mehrere große, kräftige Hunde: die allgemeinen Anforderungen für große Hunde.

Der kleine Mischling aus dem Tierheim: erst einmal die richtige Herkunft für die falsche Schublade.
𝗡𝗮𝗰𝗵 𝗱𝗲𝗿 𝗻𝗲𝘂𝗲𝗻 𝗡𝘂𝗺𝗺𝗲𝗿 4.2 𝘀𝗼𝗹𝗹 𝗱𝗮𝘀 ö𝗳𝗳𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗜𝗻𝘁𝗲𝗿𝗲𝘀𝘀𝗲 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗛𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴 𝗿𝗲𝗴𝗲𝗹𝗺äß𝗶𝗴 𝘃𝗲𝗿𝗻𝗲𝗶𝗻𝘁 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻, 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲 „𝗯𝗲𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝘀 𝘀𝗰𝗵𝘂𝘁𝘇𝗯𝗲𝗱ü𝗿𝗳𝘁𝗶𝗴𝗲 𝗣𝗲𝗿𝘀𝗼𝗻𝗲𝗻“ 𝗶𝗺 𝗛𝗮𝘂𝘀𝗵𝗮𝗹𝘁 𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻

Dabei ermöglicht gerade das öffentliche Tierschutzinteresse normalerweise die Vermittlung aus einem Tierheim. Besondere private Interessen werden (nur theoretisch) unter strengen Voraussetzungen anerkannt.

Das ist keine ausnahmslose gesetzliche Sperre. Aber die regelmäßige Ablehnung des üblichen Vermittlungsgrundes ist für die betroffenen Hunde und Haushalte eine erhebliche Hürde.

Tierheime entlasten, indem man geeigneten Interessenten die Aufnahme erschwert. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen.

𝗝𝗲𝗱𝗲𝘀 𝘃𝗲𝗿𝗹𝗲𝘁𝘇𝘁𝗲 𝗞𝗶𝗻𝗱 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗲𝘀 𝘇𝘂𝘃𝗶𝗲𝗹, 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗷𝗲𝗱𝗲 𝗗𝗶𝘀𝗸𝘂𝘀𝘀𝗶𝗼𝗻

Ob ein Kind durch einen Schäferhund, Cane Corso, Golden Retriever, Staffordshire Bullterrier oder Amstaff verletzt wird: Für das betroffene Kind und seine Familie zählt der Schaden, nicht der Rassename.

Gerade deshalb muss wirksamer Kinderschutz bei allen Hunden ansetzen: bei ihrem Verhalten, ihrer körperlichen Kraft, der Sachkunde ihrer Halter und auch einem verantwortungsvollen Umgang mit Kindern.

Warum wird dann die gewöhnliche Tierheimvermittlung eines §-3-Hundes an Familien mit Kindern regelmäßig erschwert, während bei anderen großen, kräftigen Rassen allein das Zusammenleben mit Kindern keine vergleichbare Erlaubnishürde auslöst?

Ein Rassename ersetzt keine Beurteilung des einzelnen Hundes und erst recht keine Beurteilung des Hund-Halter Teams.

Und das ist wissenschaftlich keine neue Diskussion. Die Verhaltenswissenschaftlerin Dorit Feddersen-Petersen kritisierte bereits 2001 eine pauschale Gefährlichkeitsbewertung nach Rassen, die Umwelt, Lernen und die konkrete soziale Situation unzureichend berücksichtigt.

Besonders interessant ist der Vergleich mit dem vermeintlich selbstverständlich unproblematischen Familienhund: Stefanie Ott, Esther Schalke und weitere Forschende verglichen die Testergebnisse von 70 Golden Retrievern mit denen von 415 Hunden aus sechs reglementierten Rassen. Im verwendeten Verhaltenstest fanden sie keinen statistisch signifikanten Unterschied beim Auftreten unangemessenen Aggressionsverhaltens. Diese Ergebnisse sprechen für eine genaue Betrachtung des individuellen Verhaltens.

Auch die NRW-Statistik für 2025 verdient einen Blick: Bei Beißvorfällen mit Verletzungen am Menschen werden unter anderem 111 beim Deutschen Schäferhund, 52 beim Malinois, 31 beim Cane Corso und 16 beim Kangal ausgewiesen. Der Deutsche Schäferhund liegt unter den einzeln erfassten Rassen absolut vorn. Bezogen auf die gemeldeten Bestände ergibt sich ein anderes Bild; beispielsweise liegt der Pitbull Terrier relativ höher. Die Zahlen brauchen also Einordnung. Relevante Vorfälle sind jedenfalls keineswegs auf die Rasseliste begrenzt.

Und wer sind eigentlich diese „besonders schutzbedürftigen Personen“?

Die neue Regel erläutert den Begriff nicht näher.

Ein älterer Mensch?
Eine Person mit Behinderung? Jemand mit vorübergehendem Unterstützungsbedarf?

Welche konkreten Kriterien gelten und wer entscheidet darüber?
Wie verhindern wir, dass vergleichbare Haushalte je nach zuständiger Behörde unterschiedlich behandelt werden?

Was passiert außerdem, wenn ich den Hund bereits seit drei Jahren halte und dann ein Kind bekomme?

Die neue Nummer 4.4.1 sieht mögliche Nebenbestimmungen beziehungsweise einen Widerrufsvorbehalt vor, nach denen die Haltung bei später hinzukommenden Kindern oder besonders schutzbedürftigen Personen nicht fortgesetzt werden darf.
Die Erlaubnis endet dadurch nicht automatisch; maßgeblich sind der konkrete Bescheid und behördliche Maßnahmen.

Welche Perspektive gibt man damit Familien, die verantwortungsvoll einen Tierheimhund aufgenommen haben?

Und dem Hund, der längst zu dieser Familie gehört?

Was ist mit einem bestandenen amtlichen Wesenstest?

Der kann eine Befreiung von Leinen- und Maulkorbpflicht ermöglichen. Die Einstufung nach § 3 Absatz 2 und die Erlaubnisvoraussetzungen bleiben bestehen.

Natürlich garantiert kein Test, dass ein Hund niemals beißt. Aber warum werden bestandenes Prüfungsverhalten, sichere Führung und die tatsächlichen Bedingungen im zukünftigen Haushalt nicht konsequenter zum Ausgangspunkt gemacht?

Und dann sind da noch die Hunde, die Menschen helfen.

Ich kenne selbst Hunde dieser Rassen, die ehrenamtlich zu Rettungssuchhunden ausgebildet wurden. Auch unter sogenannten Listenhunden gibt es Assistenz-, Vorlese- und Besuchshunde, die wertvolle Aufgaben übernehmen.

Ein geeigneter Tierheimhund muss aber überhaupt erst die Chance bekommen, aufgenommen und anschließend ausgebildet zu werden.

Die gesetzlichen Ausnahmen für Hunde des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes sind keine pauschale Lösung für jeden Tierheimhund, der künftig eine hilfreiche Aufgabe übernehmen soll.

Wie soll aus Eignung eine Ausbildung werden, wenn schon die gewöhnliche Vermittlung in den zukünftigen Haushalt regelmäßig erschwert wird?

Menschen helfen? Wunderbar. Ehrenamt? Unbedingt.

Einen geeigneten Tierheimhund aufnehmen? Bitte vorher prüfen, ob die eigene Familie verwaltungsrechtlich im Weg steht.

Wie widersprüchlich ist das bitte?

An und , die diese Landesregierung tragen: Wie passt diese Verschärfung zu Tierschutz, Teilhabe und verantwortungsvoller Hundehaltung?

Und an die mit ihrer Sachkundeinitiative:
Wird daraus auch eine ernsthafte Überprüfung der Rasselisten und ihrer Folgen – oder bleibt es bei einer zusätzlichen Prüfung für die Halter?

Sind unsere Tierheime noch nicht voll genug?

Wir brauchen nachvollziehbare Entscheidungen über den konkreten Hund, seine Fähigkeiten, seinen Halter und die tatsächlichen Bedingungen im Haushalt.

Halterkunde statt Rasseliste. Seit Jahren, ach Jahrzehnten die Forderung vieler Menschen, Initiativen, Vereinen und Sachkundiger.

Eigentlich höchste Zeit, sie ernst zu nehmen, während das Gegenteil zur Realität wird....

Zum Nachlesen:

- "Änderungserlass vom 30. September 2026 – insbesondere Nummern 4.2 und 4.4.1" (https://recht.nrw.de/mbnrw/2026-281/)
- "Vollständige Verwaltungsvorschrift, gültig seit 7. Oktober 2026" (https://recht.nrw.de/lrmb/verwaltungsvorschrift/07102026-verwaltungsvorschriften-zum-landeshundegesetz-vv-lhundg-nrw/)
- "Landeshundegesetz NRW" (https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/27092016-hundegesetz-fuer-das-land-nordrhein-westfalen-landeshundegesetz-lhundg-nrw/)
- "SPD-Antrag zum verbindlichen Sachkundenachweis" (https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-18084.pdf)
- "Landtagsbericht zur Anhörung vom 21. September 2026 mit Martin Rütter" (https://www.landtag.nrw.de/home/aktuelles/meldungen-und-berichte/meldungen-berichte-und-informati/meldungen-und-berichte/2026/09/21-09-schwerpunkt-hundehaltung.html)
- "Amtliche NRW-Hundestatistik 2023–2025" (https://www.mlv.nrw.de/wp-content/uploads/2026/05/Bericht-Hundestatistik-2023-2025-1.pdf)
- "Feddersen-Petersen: Zur Biologie der Aggression des Hundes" (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11314475/)
- "Ott, Schalke und weitere: Vergleich von Golden Retrievern und reglementierten Rassen" (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S155878780700264X)


Institut Forschung Listenhunde e.V.

Bild Ki, Text me

08/10/2026
28/09/2026
25/09/2026

😿 Millionen Straßenkätzchen leiden und sterben einsam im Verborgenen. In Deutschland. Und es werden immer mehr. Sie haben keine sieben Leben. Nur dieses eine – und das ist traurig und hart: Täglich kämpfen sie ums Überleben. Fast alle sind geschwächt durch Krankheiten, Parasiten, Verletzungen, Kälte und Hunger.

Dieses eine Leben ist so wertvoll. Doch die meisten Kätzchen erreichen nicht einmal den 6. Monat. 💔

Unser neuer Katzenschutzreport liefert aktuelle Erkenntnisse über dieses verborgene Leid: 👉 jetzt-katzen-helfen.de/report Die Situation in Deutschland ist dramatisch, die Tierschutzvereine sind mit der Versorgung der Straßenkatzen am absoluten Limit.

Wann kommt endlich die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen❓

Fachexperten, Tierärzte und Tierschützer sind sich einig: Sie ist der Schlüssel im Kampf gegen das millionenfache Straßenkatzenleid in unserem Land❗

Wo bleibt das Mitgefühl mit den Tieren – und den Menschen, die sich aufopferungsvoll um sie kümmern und längst am Ende ihrer Kräfte sind. 🙏


25/09/2026

Was von Außenstehenden oft wahrgenommen wird:

- wie unerzogen dieser oder jener offensichtlich Hund ist
- wie unmöglich das ist, dass er einen Maulkorb trägt
- wie laut er doch ist, wenn er Hunde oder Menschen sieht
- wie unfähig der Mensch dahinter offensichtlich ist

Was nicht gesehen wird:

- welche Geschichte hinter all dem steht
- was Menschen mit Hunden, die "special effects" haben, teilweise auf sich nehmen
- welche Mühen es bedeutet, den Alltag zu meistern und zum Beispiel ruhige Gassiwege zu finden - ohne freilaufende Hunde und ohne Kinder etc.
- wie schwer es sein kann, den Hund mal in einer Pension unterzubringen

Menschen, die sowieso teilweise schon ein Päckchen mehr zu tragen haben durch ihren Hund, der jahrelang im Tierheim saß, der schlecht oder gar nicht sozialisiert wurde, von dem andere sich "entledigt" haben, als es unbequem wurde, die haben es dann manches Mal auch noch schwer, vor die Tür zu gehen.
Denn dort warten die "Profis", die vermeintlichen Hundeflüsterer, die genau wissen, was nötig wäre, damit der Hund im Handumdrehen an lockerer Leine jede Ablenkungssituation bewältigt.
Oder die, für die völlig klar ist, dass der Hund "nur mal Hundekontakt bräuchte", damit er mit Artgenossen zurechtkommt.

Für euch alle, die ihr den Alltag mit euren "besonderen" Hunden meistert: Ihr macht das super, haltet durch. Genießt vor allem eure gemeinsame Zeit, um zusammen Spaß zu haben, zu schmusen, zu spielen und miteinander herumzutoben 🙂.

Euer SinL-Team - mit Amy aus dem Tierheim Heidelberg des Tierschutzvereins für Heidelberg und Umgebung e. V.

24/09/2026

Einfach mal nicht urteilen – wäre das wirklich so schwer?

Ich finde es erschreckend, wie schnell und gnadenlos über Menschen mit sogenannten „schwierigen“ Hunden geurteilt wird. Der Hund bellt an der Leine? Nicht erzogen. Er trägt einen Maulkorb? Gefährlich. Er braucht Abstand? Dann soll er gefälligst zu Hause bleiben. Er kann nicht allein sein? Bestimmt wurde er verhätschelt. Er reagiert auf andere Hunde? Da müsse der Mensch eben mal konsequenter werden. Beeindruckend, wie viele selbst ernannte Fachleute innerhalb von dreißig Sekunden nicht nur das Problem erkannt haben, sondern auch gleich die komplette Lebensgeschichte des Hundes, die Fehler des Menschen und selbstverständlich die passende Lösung kennen. Ganz ohne nachzufragen, ohne Wissen und ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, was hinter diesem Verhalten stecken könnte.

Was dabei offensichtlich völlig egal ist: Für viele Menschen ist das Leben mit einem verhaltensauffälligen, ängstlichen, reaktiven oder aggressiven Hund bereits enorm belastend. Sie planen jeden Spaziergang, suchen ruhige Wege, stehen früher auf, fahren kilometerweit, weichen ständig aus und beobachten permanent ihre Umgebung. Sie leben mit der Sorge, dass plötzlich ein unangeleinter Hund um die Ecke kommt, während dessen Halter in hundert Metern Entfernung gemütlich ruft: „Der tut nichts!“ Sie investieren Zeit, Geld, Kraft und sehr viele Nerven in Training. Sie hinterfragen sich, zweifeln an sich und fühlen sich nicht selten schuldig, obwohl sie längst alles tun, was ihnen möglich ist. Manche sind emotional bereits völlig am Boden – und genau dann kommen noch die blöden Kommentare. Denn wenn jemand ohnehin schon kämpft, kann man ja ruhig noch einmal drauftreten. Warum eigentlich? Weil ihr das Problem dieses Mensch-Hund-Teams wirklich kennt? Weil ihr wisst, was dieser Hund erlebt hat? Weil ihr bei jedem Training, jedem Rückschlag und jeder schlaflosen Nacht dabei wart? Oder vielleicht doch nur, weil ihr einfach gern über andere redet?

Die Menschheit kehrt offenbar lieber vor fremden Toren, statt sich um den eigenen Dreck zu kümmern. Über andere lässt sich schließlich hervorragend urteilen. Das lenkt so wunderbar davon ab, dass im eigenen Leben auch nicht alles rundläuft. Da wird getuschelt, gelästert und ungefragt klargestellt, was andere angeblich falsch machen. Natürlich immer unter dem Deckmantel der „ehrlichen Meinung“ oder weil man es angeblich nur gut meint. Merkwürdig, wie verletzend dieses Gutmeinen regelmäßig ausfällt. Eine ehrliche Meinung ist übrigens keine Einladung, sie ungefragt jedem vor die Füße zu werfen. Und nur weil jemand schon einmal einen unkomplizierten Hund hatte, ist er noch lange kein Experte für Angst, Aggression, Frustration, Schmerzen, Traumata oder hohe Erregungslagen.

Ihr seht einen kurzen Ausschnitt. Vielleicht dreißig Sekunden auf einem Spaziergang. Ihr seht den Hund bellen, in die Leine springen, ausweichen oder einen Maulkorb tragen. Was ihr nicht seht, sind die Monate oder Jahre des Trainings. Ihr seht nicht, dass der Hund früher bereits auf hundert Meter reagiert hat und heute zwanzig Meter schafft. Ihr seht nicht, dass er sich früher minutenlang nicht beruhigen konnte und heute nach wenigen Sekunden wieder ansprechbar ist. Ihr seht nicht, dass sein Mensch bereits fünf Begegnungen hervorragend gemeistert hat, bevor die sechste zu viel wurde. Ihr seht nicht die Tränen, die Verzweiflung, die Zweifel und die Angst vor dem nächsten Rückschritt. Aber für ein schnelles Urteil reichen diese dreißig Sekunden natürlich vollkommen aus. Wie praktisch.

Ein schwieriger Hund ist nicht automatisch das Ergebnis eines unfähigen Menschen. Verhalten kann durch Angst, Unsicherheit, Schmerzen, Stress, Frustration, genetische Veranlagung, fehlende Erfahrungen oder schlechte Erlebnisse entstehen. Bei vielen Hunden ist die Vorgeschichte nicht einmal vollständig bekannt. Und selbst wenn Fehler gemacht wurden: Welcher Mensch macht bitte keine? Der Unterschied ist, dass manche bereit sind, hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu verändern. Sich Hilfe zu holen, ist kein Versagen. Training zu beginnen, ist kein Schuldeingeständnis. Abstand zu schaffen, ist keine Schwäche. Ein Maulkorb ist kein Zeichen dafür, dass ein Mensch seinen Hund nicht im Griff hat, sondern häufig ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein. Management ist kein Trainingsfehler, sondern kann genau das sein, was alle Beteiligten schützt.

Natürlich darf schwieriges Verhalten nicht verharmlost werden. Menschen und Tiere müssen geschützt, Situationen abgesichert und Ursachen bearbeitet werden. Doch Schutz, Training und Verantwortung sind etwas anderes als Härte, Demütigung und öffentliche Verurteilung. Wer wirklich helfen möchte, hält Abstand, nimmt den eigenen Hund zu sich, akzeptiert ein Nein und spart sich ungefragte Ratschläge. Was niemand braucht, sind dumme Sprüche, hochgezogene Augenbrauen oder anschließendes Gerede darüber, dass „solche Leute“ keinen Hund halten sollten.

Ich stelle mich deshalb schützend vor alle Menschen, die mit ihren Hunden kämpfen, lernen und trotzdem jeden Tag weitermachen. Nicht nur vor meine Kundinnen und Kunden. Vor jeden Menschen, der sich bemüht, Verantwortung übernimmt und vielleicht gerade nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. Ihr müsst euch nicht dafür schämen, dass euer Hund Unterstützung benötigt. Ihr dürft Abstand einfordern. Ihr dürft Wege wechseln. Ihr dürft Begegnungen abbrechen. Ihr dürft euren Hund sichern und Entscheidungen treffen, die Außenstehende nicht verstehen. Und ihr dürft stolz auf Fortschritte sein, die für andere unsichtbar bleiben.

Ein schlechter Tag löscht nicht das gesamte Training. Ein Rückschritt macht euch nicht zu schlechten Hundehaltern. Und ein Hund, der Probleme hat, ist deshalb kein schlechter Hund. Dieses Team ist möglicherweise einfach noch auf seinem Weg – einem Weg, über den Außenstehende viel zu wenig wissen, um ihn beurteilen zu können.

Vielleicht sollten manche Menschen weniger vor fremden Toren kehren, weniger reden und öfter einmal schweigen. Nicht jedes Verhalten braucht euren Kommentar. Nicht jeder Mensch benötigt eure Bewertung. Und nicht alles, was ihr nicht versteht, ist automatisch falsch.

Einfach einmal nicht urteilen. Einfach einmal Platz machen. Einfach einmal den Mund halten.

Wäre das wirklich so schwer?

23/09/2026

Was ist ein SinL-Hund?

Auf unserer Seite ist Bewegung und es kommen regelmäßig wieder neue Follower dazu. Daher möchten wir ein paar Worte zum Projekt bzw. zu dem Thema „SinL-Hund“ sagen.

Gemeint sind Hunde, die als schwierig gelten. Schwierig aus Menschensicht, da sie bereits gebissen haben (Menschen und/oder Artgenossen). Oder es ist ein enstprechendes Potential erkennbar, dass sie verletzen können. Es sind auch Hunde gemeint, die ein gesteigertes oder gar ein fehlgeleitetes Beutefangverhalten haben.

Wir unterstützen Tierheime, die uns für genau solche Kandidaten um Hilfe gebeten haben. Wir führen gezielte Charaktereinschätzungen durch, leiten Trainings und Vergesellschaftungen an bzw. führen diese selber durch. Es geht um Vertrauen, Beziehung, Respekt, Fairness und so vieles mehr.

Wir machen sie nicht „nicht bissig“. Unser Ziel ist es allerdings, diesen Hunden zu ermöglichen, dass sie integriert werden und dass sie vor allem Sozialkontakte genießen können. Außerdem wünschen wir uns, dass die (Vermittlungs-)Chancen dieser Hunde, die ansonsten kaum gesehen werden, erhöht werden.

Das sind SinL-Hunde und dafür steht das Projekt "Start ins - neue - Leben".

Übrigens: Ihr könnt einen in dieser Hinsicht entscheidenden Beitrag leisten, der schnell umsetzbar und zudem kostenlos, aber keinesfalls umsonst ist:

Teilt, liked und kommentiert gern unsere Beträge. Es bedeutet für jeden dieser Hunde einen Schritt nach vorne.

Wir bedanken uns im Namen der Hunde mit „special effects“ sehr herzlich bei euch.

Ab und an stellen wir natürlich auch mal "nicht SinL-Hunde" vor, in der Hoffnung, dass ihr sie ebenfalls durch euer Teilen unterstützt 🙏.

Euer SinL-Team

Adresse

Willingen
34508

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