12/06/2026
Liebe Hundefreunde,
vor vielen Jahren habe ich erstmals öffentlich darauf hingewiesen, dass mir bei Hunden immer wieder ein bestimmtes Verhalten auffällt: das gezielte Anheben eines Vorderlaufs in konfliktbezogenen Situationen. Diese Beobachtung hat mich über viele Jahre hinweg beschäftigt und war immer wieder Gegenstand fachlicher Diskussionen, praktischer Beobachtungen und Analysen.
Im Laufe der Zeit habe ich diesem Verhalten den Namen „angriffsvorbereitendes Verhalten“ gegeben. Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass es zwangsläufig zu einem Angriff kommen muss. Vielmehr verstehe ich es als eine Intentionsbewegung, also als Ausdruck einer möglichen Handlungsabsicht. Ob es letztlich zu einer aggressiven Handlung kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Das Verhalten des Gegenübers kann beispielsweise deeskalierend wirken und dazu beitragen, dass die Situation einen anderen Verlauf nimmt.
Mir ist dabei vollkommen bewusst, dass ich dieses Verhalten nicht "erfunden" habe und nicht der Erste bin, dem es aufgefallen ist. Bereits vor vielen Jahren habe ich mich hierzu unter anderem mit Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen sowie PD Dr. Udo Gansloßer ausgetauscht. Nach dem damaligen Kenntnisstand und den uns bekannten Recherchen gab es weder im deutschsprachigen noch im englischsprachigen Raum wissenschaftliche Untersuchungen, die sich gezielt mit dieser Fragestellung beschäftigt haben.
Obwohl viele Menschen darüber diskutiert haben, fehlte bislang eine systematische wissenschaftliche Untersuchung.
Umso mehr freue ich mich, dass dieses Thema nun wissenschaftlich aufgegriffen wird.
Hier ein Beispielvideo: https://www.facebook.com/100057423109109/videos/pcb.1498113255446097/2487710751669088
Gemeinsam mit PD Dr. Udo Gansloßer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lena Hensen, der Mammalia AG sowie meinem Hundezentrum Mittelfranken wird nun eine Datenerhebung durchgeführt, die sich mit dem Anheben des Vorderlaufs als möglicher Intentionsbewegung im Kontext agonistischen Verhaltens beschäftigt.
Für diese Untersuchung werden aussagekräftige Videoaufnahmen und Fotodokumentationen gesucht. Besonders interessant sind Situationen, in denen das Anheben des Vorderlaufs im Zusammenhang mit Konflikten oder aggressionsbezogenen Interaktionen beobachtet werden kann. Je größer und vielfältiger die Datengrundlage ist, desto fundierter können die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet werden.
Das hier untersuchte Verhalten ist übrigens nicht die einzige Beobachtung, die ich in diesem Zusammenhang gemacht habe. Einige weitere Hypothesen und Beobachtungen behalte ich derzeit bewusst für mich. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil ich überzeugt bin, dass neue Erkenntnisse zunächst sorgfältig geprüft, kritisch diskutiert und idealerweise wissenschaftlich begleitet werden sollten, bevor sie öffentlich vorgestellt werden.
Für mich persönlich schließt sich mit dieser Studie ein Kreis. Aus einer Beobachtung, die mich seit vielen Jahren begleitet und die ich immer wieder zur Diskussion gestellt habe, ist nun ein wissenschaftliches Projekt entstanden. Genau so sollte Wissen entstehen: durch Beobachtung, Austausch, kritisches Hinterfragen und wissenschaftliche Überprüfung.
Ich würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele Hundehalter, Hundetrainer, Verhaltensberater, Tierheime, Tierschutzorganisationen und Vereine diese Studie unterstützen oder den Aufruf teilen.
Alle Informationen zur Teilnahme findet ihr im beigefügten Flyer.
Vielen Dank an alle, die mithelfen, das Verhalten und die Kommunikation unserer Hunde noch besser zu verstehen.
Gerd Schuster
Hundezentrum Mittelfranken