26/09/2026
Sollte jeder lesen, der nur einmal Welpen will
DREI WOCHEN KAMPF UM SUSHI
Heute ist Sushi drei Wochen alt.
Drei Wochen, in denen wir um sein Leben gekämpft haben.
Und ja, wenn ich auf diese drei Wochen zurückblicke, kommt in mir neben all der Erleichterung immer wieder eines hoch.
Wut.
Wut darüber, wie diese Geschichte überhaupt entstehen konnte.
Denn bevor hier irgendetwas verklärt oder verniedlicht wird, sollten wir uns noch einmal vor Augen führen, worüber wir eigentlich reden.
Wir reden über eine Hündin, die nach einem Kaiserschnitt an einer Sepsis gestorben ist.
Wir reden über sechs Welpen, von denen am Ende nur Sushi überlebt hat.
Wir reden über einen winzigen Welpen, der mit 121 Gramm bei mir ankam und anfangs nicht einmal in der Lage war, beim Trinken richtig ein Vakuum aufzubauen.
Und wir reden darüber, wie schnell das Interesse an diesen Welpen verschwunden war, nachdem ihre Mutter tot war und aus der ganzen Sache kein lukratives Geschäft mehr werden konnte.
Die Welpen wurden mir übergeben.
Und damit wollte man mit der ganzen Sache möglichst nichts mehr zu tun haben.
Genau das ist der Punkt, der mich bis heute wütend macht.
Solange mit Welpen Geld verdient werden kann, sind sie interessant. Wenn nichts mehr zu verdienen ist, werden sie zum Problem, das jemand anderes lösen soll.
Und genau deshalb erzähle ich Sushis Geschichte.
Nicht, weil ich Mitleid erzeugen möchte.
Sondern weil ich möchte, dass Menschen endlich genauer hinschauen.
Gerade sogenannte Designerhunde werden teilweise für enorme Summen verkauft. Da werden zwei Rassen miteinander verpaart, ein schöner Name dafür gefunden und anschließend viel Geld für die Welpen verlangt.
Aber ein hoher Kaufpreis ist kein Nachweis für verantwortungsvolle Zucht.
Verantwortungsvolle Zucht beginnt lange vor dem Deckakt.
Wir untersuchen unsere Zuchthunde. Wir beschäftigen uns mit erblichen Erkrankungen und Genetik. Wir lassen notwendige Gentests durchführen. Wir kennen die Linien unserer Hunde. Wir bilden uns fort.
Wir beschäftigen uns mit Trächtigkeit, Geburt und Welpenaufzucht.
Wir müssen wissen, welche Veränderungen bei einer trächtigen oder säugenden Hündin normal sind und welche nicht.
Wir müssen Warnzeichen erkennen.
Was bedeutet ungewöhnlicher Ausfluss?
Wann muss ich sofort zum Tierarzt?
Wie erkenne ich eine mögliche Eklampsie?
Was mache ich, wenn eine Geburt nicht weitergeht?
Was mache ich, wenn ein Welpe nicht trinken kann?
Wie versorge ich einen schwachen Welpen?
Was passiert, wenn die Mutterhündin ihre Welpen nicht versorgen kann?
Und was passiert, wenn im schlimmsten Fall die Mutter stirbt?
Zucht bedeutet Verantwortung. Wissen. Vorbereitung. Zeit. Geld. Schlaflose Nächte. Und manchmal Entscheidungen, bei denen es um Leben und Tod geht.
Es bedeutet nicht, zwei Hunde miteinander zu verpaaren und acht oder neun Wochen später Welpen für möglichst viel Geld abzugeben.
Und diese Verantwortung liegt auch nicht ausschließlich beim Besitzer der Hündin.
Sie beginnt genauso beim Besitzer des Rüden.
Auch ein Rüdenbesitzer sollte sich fragen, für welche Hündin er seinen Rüden zur Verfügung stellt.
Welche Untersuchungen liegen vor?
Sind beide Tiere gesund?
Passt diese Verpaarung überhaupt zusammen?
Welches Ziel steckt dahinter?
Werden die Welpen verantwortungsvoll aufgezogen?
Wer übernimmt Verantwortung, wenn etwas schiefgeht?
Ein Deckakt ist nicht einfach eine Dienstleistung gegen Geld.
Mit diesem Deckakt können Leben entstehen. Und dafür tragen beide Seiten Verantwortung.
Sushi zeigt uns gerade sehr deutlich, was Verantwortung danach bedeutet.
Seit drei Wochen bestimmt dieser kleine Hund hier unseren Alltag.
Wir haben anfangs teilweise tröpfchenweise gefüttert, weil er kein richtiges Vakuum aufbauen konnte.
Wir haben gewärmt, stimuliert, gewogen und jede Veränderung beobachtet.
Tag und Nacht.
Wir haben uns über jedes Gramm gefreut und bei jedem Rückschritt wieder Sorgen gemacht.
Dann kam die Blasenentzündung.
Blut im Urin.
Wieder Tierarzt.
Wieder Behandlung.
Wieder die Angst, dass dieser winzige Körper nach allem, was er bereits hinter sich hatte, noch einmal kämpfen muss.
Und trotzdem geht es stetig bergauf.
Sushi kämpft.
Und wir kämpfen mit ihm.
Aber seine Geschichte besteht eben nicht nur aus diesem einen kleinen Hund, der heute drei Wochen alt ist.
Zu seiner Geschichte gehört eine tote Mutter.
Zu seiner Geschichte gehören seine Geschwister, die es nicht geschafft haben.
Und deshalb möchte ich nicht, dass irgendwann nur noch übrig bleibt
„Ach, schaut mal, wie schön. Sushi hat es geschafft.“
Ich möchte, dass etwas anderes übrig bleibt.
Ich möchte, dass Menschen anfangen zu fragen.
Woher kommt mein Welpe?
Warum wurde diese Verpaarung gemacht?
Welche Untersuchungen haben die Elterntiere?
Kann ich die Ergebnisse sehen?
Welche Kenntnisse hat derjenige, der diese Welpen in die Welt setzt?
Was passiert dort, wenn eine Geburt nicht nach Lehrbuch verläuft?
Und wer übernimmt Verantwortung, wenn aus dem Geschäft plötzlich ein Notfall wird?
Bitte unterstützt mit eurem Geld keine Vermehrungsmaschinerie, nur weil gerade irgendeine Mischung modern ist oder einen besonders gut klingenden Namen bekommen hat.
Jeder gekaufte Welpe erzeugt Nachfrage.
Und Nachfrage sorgt dafür, dass weiter produziert wird.
Wer einen Hund möchte, hat die Wahl, sehr genau hinzuschauen. Es gibt verantwortungsvolle, kontrollierte Zucht und es gibt seriösen Tierschutz.
Aber bitte kauft nicht dort, wo Hunde vor allem deshalb produziert werden, weil sich mit ihnen schnelles Geld verdienen lässt.
Denn wenn etwas schiefgeht, zeigt sich, wie viel diese vermeintliche Liebe zum Tier tatsächlich wert war.
Sushi wurde mir in die Hände gegeben.
Seitdem kämpfen wir.
Drei Wochen.
Und wenn ich sehe, wie viele Menschen inzwischen mit uns kämpfen, dann macht mich das unglaublich dankbar.
Ihr habt Sushi eine Stimme gegeben.
Aber nicht nur ihm.
Ihr gebt auch seiner Mutter eine Stimme.
Ihr gebt seinen Geschwistern eine Stimme.
Sie können ihre Geschichte nicht mehr erzählen.
Wir können es.
Und genau deshalb werde ich auch weiterhin darüber sprechen.
Auch wenn es unbequem ist.
Auch wenn es Menschen nicht hören möchten.
Auch wenn in mir dabei immer wieder diese Wut hochkommt.
Denn wenn Sushis Geschichte nur einen Menschen dazu bringt, beim Welpenkauf genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und nicht Teil dieser Maschinerie zu werden, dann hat dieser kleine Hund bereits etwas bewirkt.
Und wenn ihr uns dabei helfen möchtet, dann teilt diesen Beitrag.
Nicht wegen irgendwelcher Zahlen.
Sondern damit diese Geschichte Menschen erreicht, bevor sie sich für einen Welpen entscheiden.
Wir haben Sushi jetzt drei Wochen lang eine Stimme gegeben.
Lasst uns dafür sorgen, dass sie nicht überhört wird.