20/09/2026
Das ist so gut geschrieben, ich musste es teilen.
Wieder ein Rottweiler.
Und wieder werden viele Menschen die Zeitungsberichte lesen und denken: Eh klar, Rottweiler. Diese Hunde sind eben gefährlich. Da muss man offenbar jederzeit damit rechnen, dass sie „plötzlich ausrasten“.
Und genau das macht mich mittlerweile richtig wütend.
Ich will damit einen Vorfall nicht kleinreden, bei dem ein Mensch lebensgefährlich verletzt wurde. Das ist schrecklich und daran gibt es nichts zu relativieren.
Wir wissen derzeit nicht, warum dieser Hund gebissen hat. Wir wissen nicht, was unmittelbar davor passiert ist. Wir wissen nicht, ob Schmerzen oder eine medizinische Ursache (vielleicht schon lange davor) eine Rolle gespielt haben. Wir wissen nicht, wie Konflikte bisher ausgesehen haben, welche Signale dieser Hund gezeigt hat, wie darauf reagiert wurde oder welche Lerngeschichte er mitbringt.
Was wir aber wissen:
Kein Verhalten entsteht „aus dem Nichts“, auch wenn wir Menschen den Auslöser oder die Vorgeschichte nicht kennen. Das macht die Folgen nicht weniger schrecklich – aber wenn wir verstehen wollen, warum so etwas passiert, müssen wir genau dorthin schauen.
Und gerade bei Rottweilern beschäftigt mich noch etwas anderes:
Welche Menschen fühlen sich von großen, kräftigen Hunden angezogen? Und welche Vorstellungen von Hundeerziehung halten sich gerade in diesem Bereich immer noch hartnäckig?
"Der Hund muss wissen, wer der Chef ist."
'Der hat zu gehorchen, da muss man sich durchsetzen." Kettenhalsbänder, Leinenruck, Einschüchterung, körperliche Korrekturen. Und natürlich die ewigen Dominanztheorien.
Methoden und Vorstellungen, die fachlich längst überholt sind.
Und nein: Wir wissen nicht, wie dieser konkrete Rottweiler erzogen oder behandelt wurde.
Dieser Vorfall ist für mich aber Anlass, über etwas zu sprechen, das ich immer wieder sehe:
Gerade große, kräftige Hunde landen viel zu oft bei Menschen, die glauben, bei so einem Hund müsse man besonders „konsequent“, besonders dominant und besonders hart sein.
Wenn ein Hund lernt, dass Knurren unerwünscht ist, dass Distanzfordern mit einer Korrektur beantwortet wird oder dass seine feineren Signale nichts bewirken, dann haben wir damit nicht die Ursache seines Verhaltens verändert. Wir haben möglicherweise nur dafür gesorgt, dass wir weniger davon sehen.
Bei einem kleinen Hund kann das schon schlimm genug enden.
Bei einem 50-Kilo-Rottweiler können die Konsequenzen katastrophal sein.
Vielleicht sollten wir deshalb endlich aufhören, nach solchen Vorfällen nur über die vermeintliche Gefährlichkeit bestimmter Rassen zu sprechen.
Und viel öfter darüber, wer diese Hunde hält, wie mit ihnen umgegangen wird und was Menschen glauben, mit einem Hund machen zu müssen, damit er „gehorcht“.
Ein Rottweiler ist kein Hund, bei dem man eben damit rechnen muss, dass er irgendwann „aus dem Nichts“ seinen eigenen Menschen angreift.
Aber er ist ein großer, enorm kräftiger Hund. Und genau deshalb tragen wir eine verdammt große Verantwortung, ihn fair, fachlich fundiert und gewaltfrei durchs Leben zu begleiten.
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