Motiva-Training

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Motiva-Training Pferdesprache, Pferdekommunikation, Seminare in Spenge

News und Austausch über das Motiva-Training® - die Lehre über den artspezifischen und intelligenten Umgang mit dem Pferd. Vom Einstiegskurs zum Kennenlernen der Lehre über Grund- und Aufbaukurse zur Vertiefung wird der Mensch darin geschult, die Pferdesprache zu lernen und anzuwenden.

FührungsqualitätenDurch die traditionellen und weit verbreiteten Erziehungsmethoden ändert sich die Einstellung der Pfer...
15/10/2026

Führungsqualitäten

Durch die traditionellen und weit verbreiteten Erziehungsmethoden ändert sich die Einstellung der Pferde Menschen gegenüber nicht dauerhaft.

Man kann Verhaltensweisen abtrainieren, Pferde einschüchtern oder ausbilden, bis sie tun, was man fordert.

Zusammengefasst heißt das: Sie gehorchen, weil sie Bedenken unseren Handlungsweisen gegenüber haben und Schmerzen vermeiden wollen. Sie sind uns Menschen gegenüber misstrauisch und schließen aggressives Verhalten nicht aus. Ein instinktiver Gehorsam kann daher nicht zustande kommen.

Achtet das Pferd den Menschen, weil dieser seine Führungsqualität im Sinne der Herdenregeln bewiesen hat, genießt er das Vertrauen des Pferdes und somit ist der Gehorsam obligatorisch. Er kann gar nicht in Frage gestellt werden. Das Pferd will gehorchen.

Aus seiner Sicht ist es kein „schwieriges Pferd“, oder zickig, stur, bockig, weil Pferde das innerhalb ihrer Herden untereinander gar nicht sein können. Es empfindet sich als gut und richtig, weil es das in der Herde mit dem gleichen Verhalten auch wäre. Falls an seinem Verhalten etwas nicht korrekt wäre, würde es das sofort verständlich „gesagt“ bekommen und hätte die unmittelbare Gelegenheit, sich zu korrigieren und wieder auf dem Freundschaftslevel zu sein. Strafe, weil es irgendetwas nicht kann oder sich nicht zutraut, kommt gar nicht vor. Dafür ist es auch nicht gewappnet und hat kein Programm oder Repertoire dafür, wie man als Pferd sein muss, um den menschlichen Ansprüchen zu genügen. Das hat die Natur nicht vorgesehen.

Seiner Natur entsprechend stellt es uns gegenüber seine Qualitäten dar, seine Kraft, seine Überzeugung von Rang, und auch seine Bedenken in Situationen, die sogar aus Pferdesicht oft schlau sind und das Überleben sichern.

Es würde keine waghalsigen Sprünge machen, wenn es nicht dringend nottut, auch nicht, wie beim Hufeauskratzen, auf drei Beinen stehen, wenn man vielleicht fluchtbereit sein sollte, nicht langsam gehen, wenn man rennen will. Kurz, das, was wir fordern, ist nicht sein Ding, es widerspricht seiner Sicherheit. Dazu gehört auch, sich nicht einem Wesen einer anderen Gattung zu unterwerfen. In der Natur wäre das sinnlos, es ginge gar nicht, es käme für kein Wildpferd in Frage.

(Gertrud Pysall, "Was Pferde wollen", 2012)

Pferde können nicht verarschen.“Dein Pferd verarscht dich!” – diesen Satz hört man in vielen traditionellen Reitstunden....
25/08/2026

Pferde können nicht verarschen.

“Dein Pferd verarscht dich!” – diesen Satz hört man in vielen traditionellen Reitstunden.
Aber Verarschen heißt:
genau wissen, was verlangt wird – und sich bewusst dagegen entscheiden. Aus Boshaftigkeit oder Faulheit.

Das gibt es bei Pferden nicht.

Wenn ein Pferd nicht tut, was wir wollen, hat das fast immer einen von drei Gründen:

Der Reiter reitet nicht fein genug, damit das Pferd versteht, was verlangt wird.

Dem Pferd fehlen die körperlichen Voraussetzungen dafür.

Dem Pferd tut etwas weh, oder es steht unter Stress.

“Keinen Bock” ist die bequeme Diagnose. Sie macht den Reiter unschuldig – und den Lehrer gleich mit.
Die eigentliche Ursache zu suchen, ist anstrengender:
Muss ich feiner reiten lernen?
Braucht das Pferd anderes Training, um die Bewegung überhaupt leisten zu können?
Übe ich zu viel Druck aus?

Wer sein Pferd als Reitpferd nutzen will, sollte den gleichen Anspruch an sich selbst stellen wie an das Pferd. Reiter, die an sich arbeiten, bekommen Pferde, die sich nicht mehr wehren müssen – weil sie verstehen und können, was verlangt wird.

“Mich interessiert nicht, was mein Pferd will. Ich weiß, was ich will.”So meinte ein Trainer zu uns kurz nachdem Gertrud...
23/08/2026

“Mich interessiert nicht, was mein Pferd will. Ich weiß, was ich will.”

So meinte ein Trainer zu uns kurz nachdem Gertruds erstes Buch “Was Pferde wollen” erschienen war.

Ein Satz, der uns bis heute nicht loslässt.

Denn wenn wir darüber reden, was Pferde wollen, dann geht es nicht um platte Ideen wie 12 kg Müsli am Tag. Schmeckt ja so lecker.
Und es geht auch nicht darum, zum Diener zu werden – dem Pferd jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Nein.

Es geht darum zu verstehen, dass Pferde eine Sprache haben.
Dass sie in pausenloser Kommunikation mit uns stehen, ob wir es merken oder nicht.
Sie sprechen mit uns.
Ständig.

Und was wollen Pferde wirklich?
Sie wollen verstanden werden.

Damit das gelingt, müssen wir lernen, wie diese Kommunikation aussieht und welchen Regeln sie folgt. Erst dann können wir sinnvoll antworten.

Und genau daran merkt ein Pferd, dass es verstanden wird: nicht an Zuneigung, nicht an Leckerlis – an der sinnvollen Antwort.

Stell dir folgendes Gespräch vor:

Person 1: Heute ist aber herrliches Wetter.

Person 2: Mein Schuh drückt.

Person 1: Findest du die Sonne genauso toll wie ich?

Person 2: Wieso mag man eigentlich Tomatensaft im Flugzeug?

Kein Gespräch. Nur vier Sätze, ohne Bezug.

Genauso geht es unseren Pferden sehr häufig. Sie versuchen zu kommunizieren und bekommen Antworten, die nicht dazu passen.

Aber das können wir ändern. Ab heute. In unserem ganz normalen Alltag mit dem Pferd. Wir müssen anfangen zuzuhören und richtig zu übersetzen.

Was sind Verhaltensweisen deines Pferdes, bei denen du glaubst, dass es konkrete Aussagen sind, die du dir aber nicht übersetzen kannst?
👉Schreib’s in die Kommentare.

Die meisten Fragen zum Thema Offenstall drehen sich gar nicht um den Stall selbst – sondern um das, was in der Gruppe pa...
22/08/2026

Die meisten Fragen zum Thema Offenstall drehen sich gar nicht um den Stall selbst – sondern um das, was in der Gruppe passiert.

Wie verteilen sich Rollen in der Herde?

Warum wirken manche Gruppen entspannt und andere ständig angespannt?

Was braucht ein Jungpferd, um sich gut zu sozialisieren?

Und was tun, wenn die Gruppe einfach zu klein ist, damit sich Rollen überhaupt sinnvoll verteilen können?

Genau diese Fragen beschäftigen viele von euch – das haben wir in den letzten Tagen richtig gemerkt.

Am 14.09. nehmen wir uns einen ganzen Abend Zeit dafür. Live via Zoom, mit euren Fragen. 😊

Was ist deine brennendste Frage zum Thema Gruppenhaltung? Schreib sie uns in die Kommentare.

Ein Pferd zittert am ganzen Körper. Und alle klatschen.Heute habe ich ein Video gesehen: Ein Trainer “desensibilisiert” ...
21/08/2026

Ein Pferd zittert am ganzen Körper. Und alle klatschen.

Heute habe ich ein Video gesehen:
Ein Trainer “desensibilisiert” ein Pferd, das angeblich “lernen muss, einfach mal ruhig zu bleiben.”

Was viele Leute sehen:
Ein Trainer, der vor dem Pferd hüpft und tanzt, der immer wieder einen Strick auf das Pferd fallen lässt. Ein angebundenes Pferd, das unruhig ist – und irgendwann während des Trainings stehen bleibt. Applaus! Weiter so 👏

Was ich sehe:
Ein Pferd, das am ganzen Körper zittert. Das Panik hat. Das deutliche Stressreaktionen zeigt: Äppeln, Lecken, panisches Laufen – ohne dass es weg kann. Es ist ja vorne fixiert.
Ein Trainer, der weitermacht und nicht darauf eingeht, wie es dem Pferd geht.

Mit Sicherheit hat dieses Pferd eine Geschichte, die schwierig ist. Wenn es solche Ängste hat, dann hat es Gründe, die berechtigt sind. Kein Fohlen, das mit Menschen aufwächst, ist einfach so panisch geworden. Es macht Erfahrungen. Es bekommt Strafen. Es wird Stress ausgesetzt – oft durch Unwissenheit, manchmal bewusst.

Aber:
Wenn ich möchte, dass ein Pferd lernt, dass es keinen Stress haben muss, dann muss es erleben, dass es keinen Stress hat.

Erlebt es Stress, lernt es Stress.

Und es lernt noch etwas anderes:
Ein Pferd ist ein Fluchttier. Seine Lösungsstrategie für Gefahr – über Millionen Jahre erprobt – ist Flucht. Erlebt es durch dieses “Training”, dass Flucht keine Option ist, weil es fixiert ist und nicht weg kann, kommt danach keine Einsicht. Dann geben Pferde auf.

Sie werden äußerlich ruhig.
Innerlich gehen sie kaputt.

Bei Motiva lernst du, genauer hinzuschauen – bei deinem eigenen Pferd, und bei dem, was andere im Internet zeigen.

Lasst uns den Pferden eine Stimme geben! 🐴❤️

Herdenleben Teil 8: Aufwachsen in der Pferdegruppe sichert keine gesunde Sozialisation„Stell dein Jungpferd zu anderen, ...
20/08/2026

Herdenleben Teil 8: Aufwachsen in der Pferdegruppe sichert keine gesunde Sozialisation

„Stell dein Jungpferd zu anderen, dann lernt es alles, was es braucht!“
Nein – so einfach ist es leider nicht.

Damit ein Jungpferd in der Gruppe wirklich das richtige lernen kann, braucht es soziale Lehrer. Und Lehrer brauchen dafür bestimmte Fähigkeiten.

Der erste Punkt:
Der Lehrer muss selbst ein souveränes Pferd sein – eins, das seine eigene Sprache und die sozialen Regeln kennt. Ein Pferd, das selbst unsicher ist oder falsches Verhalten zeigt, kann kein gesundes Vorbild sein. Es kann ja nur das weitergeben, was es selbst gelernt hat.
Der zweite Punkt: die körperlichen Möglichkeiten.
Ist der Lehrer zum Beispiel schon alt und dem Jungpferd körperlich nicht mehr gewachsen, kann er sich zwar kognitiv messen – aber nicht körperlich. Und ein Jungpferd, das auch körperliche Grenzen erfahren muss, erlebt diese dann nicht.
Das gleiche Problem gibt es bei erwachsenen Tieren, die deutlich kleiner oder schmächtiger sind: In einer natürlichen Herde sind alle Pferde die gleiche Rasse – das heißt, sie sind auch körperlich ähnlich. Bei uns kann es dagegen passieren, dass ein Jungtier in eine Gruppe aus ganz unterschiedlichen Rassen kommt. Steht ein schweres Kaltblut unter Kleinpferden, haben auch die keine Möglichkeit, es körperlich zu erziehen.

Ok, und was ist, wenn ich den optimalen sozialen Lehrer habe? Läuft es dann?

Auch nicht immer. Das Verhältnis von Schülern zu Lehrern muss stimmen. Stellt man 30 Jährlinge auf eine Wiese und tut zwei Erwachsene dazu, dann reicht das nicht. Im Idealfall sind mehr Erwachsene als Jungtiere in einer Gruppe – oder zumindest ein ausgewogenes Verhältnis.

Naja, und wenn ich das Jungpferd mit nur einem anderen Pferd zusammenstelle?
Ja – besser als nichts. Aber zwei sind keine Gruppe, es fehlt soziales Lernen. Das Jungtier muss ja nicht nur erzogen werden, sondern auch Sozialverhalten erleben. Dafür sollten mehrere andere Tiere da sein, von deren Vorbild es lernen kann.

Ok, aber wenn ich ausreichend erwachsene Tiere habe und sie dem Jungtier auch körperlich gewachsen sind, dann wird es gut?

Leider nein. Nicht jede Gruppe verhält sich sozial. In manchen Herden wird quasi nie getreten. In anderen ständig. Genau wie bei unseren Kindern: Fohlen übernehmen, was ihnen als normal vorgelebt wird. Eine Gruppe mit viel Tritt- und Drohgebärde erzieht ein Jungpferd, das genau das für normal hält – und es später selbst so weitergibt.

Zusammengefasst heißt das: Wenn wir unsere Pferde gesund sozialisieren wollen, dann ist es nicht nur wichtig, dass sie Sozialkontakt haben, sondern auch, welchen.

Herdenleben Teil 7: Falsch zusammengestellt - Wenn die Herde zur Belastung wirdIn der Natur sucht sich ein Pferd seine G...
18/08/2026

Herdenleben Teil 7: Falsch zusammengestellt - Wenn die Herde zur Belastung wird

In der Natur sucht sich ein Pferd seine Gruppe in gewissem Maße selbst aus.

Bei uns ist das anders: Der Mensch entscheidet, wer mit wem zusammenlebt – meist nach ganz anderen Kriterien als Eignung. Freie Plätze in der Gruppe. Verfügbarkeit. Günstige Gelegenheit.

Und genau diese falsche Zusammenstellung erzeugt Leid gleich an zwei Stellen.

Erstens: das überforderte Pferd selbst. Manche Pferde rutschen so in eine Führungsposition, sollen für Sicherheit sorgen und bei Gefahr vorausgehen – fühlen sich dabei aber selbst schutzbedürftig, nicht schützend. Es ist, als müsstest du morgen eine Operation leiten, ohne je Medizin studiert zu haben. Der Vergleich ist bewusst überspitzt – aber das Gefühl von Überforderung, das er beschreibt, ist genau das, was manche unserer Pferde erleben. Zu wenig Schlaf, Magenprobleme, eine Anspannung, für die häufig niemand eine Erklärung findet.

Zweitens: die ganze Gruppe unter ihm.
Eine gute Führung in der Herde beruht auf hoher sozialer Kompetenz. Ein Pferd, das diese Kompetenz nicht mitbringt oder auch charakterlich nicht geeignet ist, führt nicht wohlwollend zum Schutz der Herde. Es führt über Drohung, über Härte, über ständige Eskalation, weil ihm die eigentlichen Werkzeuge fehlen. Statt eines ruhenden Pols, an dem sich alle orientieren können, steht plötzlich eine Quelle von Unsicherheit an der Spitze. Aus Struktur wird Stress– für die ganze Gruppe.

Oberflächlich betrachtet ist alles Ok. Es gibt Futter, es gibt Platz, niemand wird ausgegrenzt – “alles bestens”, könnte man meinen.

Herdenleben ist für Pferde essenziell. Aber eine Herde funktioniert nur, wenn ihre Rollen auch sozial ausgefüllt werden können. Fehlt das, trägt nicht nur ein Pferd die Folgen – sondern die ganze Gruppe.

👉 Hast du Lust auf einen Zoom-Abend bei dem wir über die Probleme und Möglichkeiten unserer Gruppenhaltungen sprechen?

Insbesondere natürlich um die Auswirkungen auf Sprache und Sozialverhalten.
Schreib das gerne mal in die Kommentare 😊

Herdenleben Teil 6: Rüpel in der Gruppe – kann man ihr Verhalten wirklich ändern?Vor ein paar Tagen wurde mir noch eine ...
16/08/2026

Herdenleben Teil 6: Rüpel in der Gruppe – kann man ihr Verhalten wirklich ändern?

Vor ein paar Tagen wurde mir noch eine weitere Frage gestellt:
Kann man als Mensch Einfluss auf eine bestehende Pferdegruppe nehmen – und was braucht so ein “Rüpel”, um sein Verhalten zu ändern?

Die kurze Antwort: Ja. Wir nehmen ständig Einfluss – nur meistens unbewusst. Wir stellen Pferde zusammen oder trennen sie. Wir schaffen zusätzliche Futterstellen. Wir verändern Gehege, Gruppengrößen, Abläufe. Überall darin liegt Einfluss von außen.

Unsere Möglichkeiten gehen aber weiter. Wir können auch therapeutisch mit Pferden arbeiten.
Genau das ist ein Teil unserer Arbeit bei Motiva. Wir hatten Pferde bei uns, die nur um sich geschlagen haben. Wallache, deren einziger Sozialkontakt darin bestand, ständig auf Stuten aufzuspringen. Pferde, die ihre Sprache regelrecht verloren hatten.

Solche Verhaltensweisen sind häufig Ausdruck früherer Traumata oder mangelnden sozialen Lernens. Sie zeigen uns, dass es dem Pferd seelisch nicht gut geht. Sie zeigen Unsicherheit und Angst – keinen “schlechten Charakter”.

Der erste Schritt ist deshalb immer eine Analyse. Diese befasst sich unter anderem mit folgenden Fragen:
Wie spricht das Pferd?
Nimmt es Kontakt auf, oder weicht es aus?
Lässt es sich auf Bindung ein, und kann es diese aufrechterhalten?
Wie ist seine allgemeine Stimmung?
Wie geht es mit Frust um?
Wie viel seiner Sprache und Regeln kennt es und wendet es an?

Wir müssen unser Pferd verstehen, damit wir ihm helfen können.

Und häufig zeigt sich:
Die Ursachen liegen meist nicht nur im Verhalten selbst. Pferde, die in der Gruppe auffällig werden, haben oft auch körperliche Symptome, die behandelt werden müssen. Aggression ist nicht selten ein Zeichen für dauerhaften Schmerz.

Für die Therapie ist die passende Pferdegesellschaft genauso entscheidend. Ein Pferd braucht Kontakt zu einem sozialen Lehrer, um souveränes Verhalten überhaupt lernen zu können. Plakativ gesagt: Ein Pferd, das sich nur tretend und boxend seinen Platz erkämpft, lernt nichts Neues, wenn es ausschließlich mit Pferden steht, die ihm ausweichen. Und zwei Pferde, die beide nur das Faustrecht kennen, bringen sich gegenseitig auch keine souveränere Lösung bei.

Was wir tun, ist deshalb immer eine Kombination – weil die Ursachen es auch sind:
genaue Beobachtung, medizinischer Blick, und die richtige Gruppe zur richtigen Zeit.

Und ja – manchmal braucht es auch einfach Zeit.
Aber die Veränderungen, die wir bereits nach einem einzigen Gespräch mit einem Pferd erleben, sind enorm – wer schon bei einem unserer Kurse dabei war, hat das selbst gesehen.

Habt ihr Interesse, mal echte Fallbeispiele aus unserer Fallpraxis zu hören?

Herdenleben Teil 5: Souveräne Leittiere bei uns in MenschenhandVor ein paar Tagen kam die Frage in einem Beitrag auf: Wa...
15/08/2026

Herdenleben Teil 5: Souveräne Leittiere bei uns in Menschenhand

Vor ein paar Tagen kam die Frage in einem Beitrag auf: Was denkst du, was nötig ist, weise Chefs auch in der Menschenwelt auszubilden?
Gemeint war, wie wir bei unseren domestizierten Pferden ebenso souveräne Leittiere “herstellen” können wie in der Natur.

Meine ehrliche Einschätzung: Ich weiß nicht, ob das geht. Ob sie wirklich die gleichen Qualitäten haben können.

Ein Grund ist unsere Haltung: Wir sind einfach sehr weit von der Natur entfernt. Die Aufgaben, die ein Leittier übernimmt, hat es bei uns gar nicht.
Wir haben keine gewachsenen Familienstrukturen. Keine deckenden Hengste und gebärenden Stuten mit Fohlen bei Fuß. Wir haben keine Pferde, die sich neuen Gruppen zuordnen können, wenn es passender ist. Wir haben keine freie Futtersuche, sondern Heuraufen und Heucobsschüsseln.

Kurzum: Das Leben der domestizierten Pferde ist in vielem weit von der Natur entfernt.

Aber um die Frage zu beantworten:
Ich denke, wir können dennoch gesunde Pferde aufziehen – auch wenn wir die Natur nicht kopieren können.

Was es dafür braucht: Pferde, die selbst gut sozialisiert sind, weil sie in ihrer eigenen Entwicklung Kontakt zu erfahrenen, ausgeglichenen Artgenossen hatten – nicht nur zu Gleichaltrigen. Gruppen, die zwar nicht wie eine natürliche Familie gewachsen sind, aber trotzdem stabil genug bleiben, dass sich echte Beziehungen und Rollen entwickeln können, statt ständig neu gemischt zu werden. Und eine Haltung, die den Pferden zumindest so viel Wahlfreiheit lässt, wie es unter unseren Bedingungen möglich ist – Rückzugsräume, echte Beschäftigung, keine erzwungene Enge.
Das ersetzt die Natur nicht. Aber es gibt Pferden die Chance, sich innerhalb ihrer Möglichkeiten so gut wie möglich zu entwickeln.

Und dennoch bleibt:
Auch in der Natur, unter optimalen Bedingungen, ist nicht jedes Pferd der Chef. Es sind Charaktereigenschaften oder auch Rollen, die nicht jedes Pferd in sich trägt – teils an körperliche Fähigkeiten gekoppelt, teils an die Persönlichkeit.

Herdenleben Teil 4: Späte Sozialisierung – geht das noch?Nach Teil 2 kam öfter eine Frage auf: “Und was, wenn mein Pferd...
13/08/2026

Herdenleben Teil 4: Späte Sozialisierung – geht das noch?

Nach Teil 2 kam öfter eine Frage auf: “Und was, wenn mein Pferd diese Zeit schon hinter sich hat? Was, wenn es isoliert aufgewachsen ist und heute 8, 10, 15 Jahre alt ist?”

Die ehrliche Antwort: Es gibt keine pauschale Antwort. Man muss genau hinschauen – auf die Vergangenheit des Pferdes und auf seine aktuelle Situation.

Wichtig vorweg:
Auch Pferde haben bestimmte Sozialisationsphasen, die an bestimmte Lebensalter gebunden sind.

Das bedeutet: Man kann nicht einfach “nachüben” und erwarten, dass danach alles ist, als wäre nichts gewesen. Diese Zeitfenster schließen sich – vollständig nachholen lässt sich das nicht.

Aber man kann etwas anderes tun:
Pferde “therapieren” und ihnen so ein Leben in der Herde ermöglichen, das ihnen sonst verwehrt bliebe.

Wir hatten selbst ein Pferd bei uns, das ausschließlich mit einer Ziege aufgewachsen war. Es konnte buchstäblich kein Pferdisch. Wir haben ihm über Motiva seine Sprache beigebracht – Schritt für Schritt. Am Ende konnte es tatsächlich mit anderen Pferden zusammenleben.
Damit das gelingt, muss man aber genau hinschauen. Bei jedem Pferd stellen wir uns dafür dieselben Fragen:

Die Vergangenheit
Wie lange war das Fohlen bei der Mutter, und wie lebten die beiden? Gab es dort weitere Sozialkontakte außer der Mutter – und wenn ja, welche?
Was geschah nach dem Absetzen? Wie lange dauerte die Phase, in der das Pferd seine Sprache und sein Sozialverhalten nicht oder nur teilweise lernen konnte?
Und danach: Wie wurde es gehalten? Welche Form von Sozialkontakt war überhaupt möglich?
Jede dieser Antworten verändert das Bild. Ein Pferd, das nur wenige Monate isoliert war und später doch noch in eine funktionierende Gruppe kam, hat andere Voraussetzungen als eines, das über Jahre kaum echten Sozialkontakt hatte.

Der Ist-Zustand
Genauso entscheidend ist die Frage, wie es heute weitergehen soll:
In welche Gruppe soll das Pferd integriert werden? Wie ist sie zusammengesetzt – und vor allem: welche sozialen Rollen haben die einzelnen Herdenmitglieder? Eine Gruppe mit erfahrenen, ausgeglichenen Pferden bietet etwas völlig anderes als eine Gruppe ohne echte “Lehrer”.
Wie ist der Stall räumlich strukturiert? Und wie wird die Integration selbst organisiert – wie viel Zeit, wie viel Begleitung, wie viel Geduld ist eingeplant?

Was realistisch möglich ist
Ein spät sozialisiertes Pferd wird selten so unbefangen und selbstverständlich in der Herde kommunizieren wie eines, das von Anfang an dabei war. Manche Unsicherheit, manche falsch gelesene Situation wird bleiben.
Aber wir können den Pferden ein Leben ohne Einsamkeit ermöglichen – auch wenn es manchmal viel Zeit, Kraft und Fachverstand braucht.

Adresse

Fichtenweg 12
Spenge
32139

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