08/09/2026
Das Feld bleibt ein Feld. Die Module stehen oben. Darunter wird geerntet. Strom und Ernte von derselben Fläche.
Solaranlagen auf Ackerland sorgen für Diskussionen: Strom auf der einen Seite, verlorene Anbaufläche auf der anderen. Agri-Photovoltaik versucht, beides zu verbinden. Aber nur unter klaren Bedingungen.
So funktioniert es. Die Solarmodule werden auf Stahlkonstruktionen in mehreren Metern Höhe montiert oder als senkrechte Reihen zwischen den Kulturen aufgestellt. Darunter und dazwischen wird weiter angebaut oder beweidet. Die Fläche liefert gleichzeitig Nahrungsmittel und Strom. Die Gesamtproduktivität kann auf über 160 Prozent steigen, weil beide Nutzungen jeweils rund 80 Prozent ihres Einzelertrags bringen. Bei zunehmender Trockenheit bieten die Module zusätzlich Schutz: Sie verringern die Verdunstung um bis zu 20 Prozent, schirmen gegen Hagel und Starkregen ab und senken den Hitzestress der Pflanzen. Am Bodensee zeigte eine Pilotanlage des Fraunhofer ISE über Apfelplantagen, dass die Bäume unter den Modulen sogar weniger Pilzbefall hatten, weil die Früchte nach Regen trockener blieben. Gleichzeitig kühlt die Verdunstung der Pflanzen die Module und verbessert deren Stromertrag.
Der entscheidende Unterschied. Auch in Deutschland gibt es einen klaren Unterschied zwischen echter Agri-PV und Freiflächenanlagen, die sich als Agri-PV ausgeben. Die DIN SPEC 91434, entwickelt vom Fraunhofer ISE und der Universität Hohenheim, legt die Anforderungen fest. Hochaufgeständerte Anlagen der Kategorie I brauchen eine lichte Höhe von mindestens 2,10 Metern, damit Traktoren und Erntemaschinen darunter arbeiten können. Mindestens 85 Prozent der Fläche müssen landwirtschaftlich nutzbar bleiben. Bodennahe Systeme der Kategorie II müssen mindestens 66 Prozent erhalten. Für beide Kategorien gilt: Der landwirtschaftliche Ertrag darf höchstens um ein Drittel sinken, und ein jährliches Monitoring muss belegen, dass tatsächlich angebaut wird. Wer das nicht einhält, verliert den EEG-Zuschlag.
Auch echte Agri-PV hat Grenzen. Pfosten, Schaltschränke und Fahrwege für Maschinen nehmen Fläche ein. Und nicht jede Kultur verträgt den Teilschatten gleich gut. Besonders geeignet sind Obst, Wein, Beeren, Gemüse, Kartoffeln und Grünland mit Beweidung. Getreide wie Weizen und Mais kommt mit weniger Licht schlechter zurecht, lässt sich aber unter der hochaufgeständerten Variante mit genügend Abstand durchaus anbauen.
Deutschland baut aus. Seit dem EEG 2023 erhält Agri-PV einen eigenen Technologiebonus in den Ausschreibungen. Die installierte Leistung hat sich seitdem vervielfacht. Laut Fraunhofer ISE würden rund vier Prozent der deutschen Agrarfläche mit hochaufgeständerter Agri-PV rechnerisch ausreichen, um den gesamten Strombedarf des Landes zu decken.
Ein Acker kann Weizen und Kilowattstunden zugleich liefern. Vorausgesetzt, unter den Modulen steht noch ein Landwirt.