Feine Reiterei

Feine Reiterei Unterricht in der klassisch-barocken Reitweise mit Elementen der iberischen Arbeitsreitweise (Doma Vaquera), Arbeit an der Hand und Freiarbeit

Warum man Pferde nicht in Turnschuhen anreiten sollte 😝Cafelita steht immer hinten an. Weil ich wegen ihrer enormen Schn...
05/07/2026

Warum man Pferde nicht in Turnschuhen anreiten sollte 😝

Cafelita steht immer hinten an. Weil ich wegen ihrer enormen Schnelligkeit und ihrer immer wieder hochschlagenden Angst unsicher bin und daher bisher nur draufsaß, wenn mich jemand an die Longe nehmen konnte.

Aber heute war ich irgendwie schmerzfrei (gnadenlose Übermüdung hilft). Wir kommen ja auch nicht voran so - ich habe einfach viel zu selten ein Helferlein da. Also dachte ich: was soll schon passieren?

Und weil ich zu faul war mich umzuziehen und ich Pferde, bei denen ich noch sehr unsicher über mögliche Reaktionen bin, ohnehin lieber mit Pad reite, kam das Pad drauf. Da braucht man keine Stiefel UND wenn was ist, bleibt man zumindest nirgends hängen. Da Cäffchen zarte 1,50 m misst, fällt man zudem nicht tief …

Tja. Als ich noch Motorrad gefahren bin, nannten sie das Ergebnis des Intensivkontakts meines Beins mit dem Crash Pad bei einem Highsider wegen Splits in der Kurve „Pizzabein“. Ich habe jetzt also quasi einen Pizzafuß. Vier Käse. Nein, SCHERZ! Er ist nur ein bisschen blau …

Cafelita ließ mich brav aufsitzen vom Hocker. Stand ruhig, wartete, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, braves Pony, und ich bin rechts abgesprungen. Cäffchen aber war so stolz auf sich, dass sie mir das gleich sagen wollte und sich noch im Abspringen zu mir drehte - und auf meinem eben gelandeten Fuß zum Stehen kam, und zwar ganz oben auf dem Rist 😫

Schrei unterdrücken, Leckerli rein 😖
Danach bin ich wieder rauf, wir sind einen etwas wackeligen, aber sehr braven Zirkel geritten und waren dann beide zufrieden mit uns.
Nur der Fuß puckert jetzt vor sich hin …

02/07/2026

Im Moment bekomme ich immer häufiger Pferde in Reha-Training – also zum Aufbau nach einer krankheits- oder verletzungsbedingten Pause oder zur Verbesserung der Tragfähigkeit. Inzwischen habe ich mir ein Protokoll zugelegt, wie ich die Bewegungsfähigkeit und -kompetenz durchteste. Einen Teil davon seht ihr im Video. Wenn ich irgendwo deutliche Defizite sehe, prüfe ich physiotherapeutisch weiter.

Damit bekomme ich einen guten Überblick, ob das Pferd überhaupt aufgebaut werden sollte – oder ob nicht doch nochmal ein Tierarzt / versierter Manualtherapeut geholt werden muss. Denn nein – nur weil ein (in Zahlen: 1) Tierarzt ein Pferd freigegeben hat mit den Worten „du kannst jetzt wieder mit dem Training (oft: „mit dem Reiten“) anfangen“, heißt das nicht automatisch, dass das Pferd wirklich bereit dafür ist. Anders gesagt: Mag sein, dass die Sehne wieder fit ist, aber wenn sie ein Sekundärschaden wegen Rückenproblemen ist, wird sie im Training wieder Schaden nehmen.

Was ich bei den ganzen unterschiedlichen Pferden im Rehatraining merke, ist: Wie unglaublich wertvoll es ist, wenn man mit seinem Pferd zu „Gesundzeiten“ bestimmte Übungen etabliert. Wenn ich zur „Rehazeit“ erstmal die Grundlagen der Handarbeit klären muss (Nicht rempeln. Nicht wegzerren. Der Gerte weichen. Auf Kommando schneller werden etc.), dann dauert es entsprechend länger, bis Ergebnisse zu sehen sind. Dann steht die Ausbildung vor dem Training – und die braucht Zeit.

Momentan habe ich ein Reha-Pferd, das zu meinem Glück hervorragend ausgebildet ist. Leider benötigt er viel Aufbau, bis er wieder geritten werden kann – aber wenn ich wie bei ihm sogar manchmal halbe Tritte abfragen kann, ist eine gesunde Körperspannung deutlich leichter zu erreichen.

Also – wer übt in der Zeit, der kann in der Not – oder wie immer das Sprichwort heißt. 😋 Und irgendeine Reha-Trainings-Zeit wird für jeden Pferdebesitzer kommen. Selbst Cafelita, mein einziges rundum toughes Pferd, hat irgendwo in ihrem Noch-Nicht-Reitpferdeleben auf dem Paddock irgendwas gemacht, was nicht gut war. Zu meinem Glück ist sie ein sehr kooperatives und weit ausgebildetes Handarbeitspferd. Da macht die Arbeit doppelt Spaß 😊

27/06/2026

Wenn man bei der Firmenfeier WIEDER der einen Kollegin ohne Tischmanieren gegenüber platziert wird … 🤪

Wir haben heute bis 38 Grad, weshalb ich einen großen Wasserbottich (zusätzlich zur Balltränke) in den Auslauf gestellt habe. Die Pferde freuen sich natürlich sehr darüber. Und es ist wieder einmal spannend, Cafelitas feine Kommunikation zu beobachten, während Suerte … naja, einfach Suerte ist 🥰

Nach all der leichten Kost – Training junger Pferde, Hinter-der-Senkrechten usw. – möchte ich mich heute mal einem Thema...
24/06/2026

Nach all der leichten Kost – Training junger Pferde, Hinter-der-Senkrechten usw. – möchte ich mich heute mal einem Thema widmen, das in den sozialen Medien leider oft zu kurz kommt. Es ist ein mit vielen Emotionen behaftetes Thema. Aber wir müssen beginnen hinzusehen – wir müssen das falsche Bild, das sich immer mehr normalisiert hat, ersetzen durch ein gesundes, korrektes Bild.

Es geht um die weit verbreitete Trageerschöpfung bei Stallbetreiber*innen.

Ich traue mich, mich selbst als ein Positivbeispiel im Bild zu zeigen (ich bitte anzuerkennen, dass es eine Momentaufnahme ist!). So – mindestens so! – sollte ein tragfähiger Stallbetreiber aussehen. Mit den zwei vollen Dieselkanistern überschreiten wir weit die 20-Prozent-Regel, doch aufgrund der guten Gymnastizierung zeigen sich dennoch sehr wenige Anzeichen aus dem Working Stable Owner Pain Ethogram.

Wir müssen allerdings realistisch sein: Das kann schnell kippen. Also, ich, weil ich ungeschickt bin, aber auch die Sache mit der Tragfähigkeit. Weil es so schnell gehen kann, ist Trageschwäche unter Stallbetreibern viel weiter verbreitet, als wir denken.

Oft ist es nicht mal die falsche Belastung – die Leistungsfähigkeit steht und fällt mit dem passenden Equipment. Das muss professionell ausgesucht und regelmäßig überprüft werden. Es ist ein großer, leider weit verbreiteter Fehler zu denken, am Anfang könne man irgendwas gebrauchtes, schon vorhandenes nutzen, der Stallbetreiber „wächst da noch rein“. Gerade in den ersten Monaten ist die Kompensationsfähigkeit aufgrund geringer Bemuskelung und fehlender Technik im Umgang mit der Traglast am geringsten! Wer hier sparen will, hat am Ende einen dauerhaft unbrauchbaren Stallbetreiber – es kommt zu Stallangst, Kanisterzwang oder Konfliktverhalten beim Anblick von Karre und Forke. Kurz: Er oder sie ist schlicht sauer.

Ich sehe es daher als meine Aufgabe, zu sensibilisieren.

Trageerschöpfte Stallbetreiber sind nicht voll belastungsfähig, da kann man nicht „einfach drüberwegarbeiten“. Sie brauchen viel Zuwendung, beste Haltung und Fütterung und oft eine Trainingspause. Wer sich ein Pferd zulegt, übernimmt meist auch die Verantwortung für einen Stallbetreiber mit. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, indem wir uns mehr Wissen aneignen.

Nach dem Kurs dieses Wochenende über die evidenzbasierte Bewertung von Pferdeverhalten im Training (Ironie off – wer spontan mit dabei sein möchte – Sonntag, 13 Uhr, es ist noch Platz im kühlen Seminarraum / der Reithalle ☺️ - Ironie wieder an) biete ich daher künftig ein Format darüber an, wie wir die vorhandenen Studien nutzen können, um Stallbetreiber besser zu verstehen. Warteliste ist geöffnet! 😆

21/06/2026

Letztes Mal habe ich die „kleine“ Suerte im Video gezeigt, im unaufwendigen Arbeitsgalopp. Ein junges Pferd am Anfang der Ausbildung, fröhlich vorwärts, nichts Besonderes.

Oder halt doch. Momentan gibt es eine Diskussion auf Social Media. (Genau, ihr dürft jetzt raten, welche der drölfzigtausend Krisen im Pferdebereich ich meine.)
Es geht um Vor oder Hinter der Senkrechten, ein altes Thema. Wir (ihr, die ihr hier lest, und ich) sind uns einig, wie wir dazu stehen. Andere sind sich anders einig, dass das gar nicht so schlimm ist. Das Thema an sich will ich gar nicht nochmal aufmachen, dazu ist schon so viel gesagt.
Mir geht es um die immer wieder zu hörende Aussage, die modernen Pferde seien – vor allem, wenn noch jung – so leicht im Genick, dass sie schnell mal hinter den Zügel kommen. Und die Aussage, es sei auch nicht automatisch ein Problem, wenn das geschieht. Passiert halt mal.
Ich habe eine Reihe Pferde eingeritten oder Schritt zwei und drei unter dem Sattel begleitet. Zugegeben, Dressurkracher von deutschem Sportpferdeformat waren nicht dabei, dafür alles andere, was die Pferdewelt an Rassen und Exterieurs so hergibt.
Unter den Korrekturkandidaten waren Pferde, die sich eingerollt haben. Unter denen, die ich selbst ausgebildet habe, war nie eins.
Und das hat jetzt nichts damit zu tun, dass ich so außergewöhnlich gut reite – sondern eher damit, dass ich eines nicht kann: Gegenhalten. Oder auch: Abspielen. Oder: Paraden geben, bis ich durchkomme. Oder vielleicht auch: Anständig durchs Genick reiten.
Der klassische Ansatz, dass das Pferd von hinten nach vorne gearbeitet wird und der Hals sich dann von selbst formt, wenn das Pferd sich selbst tragen kann, kommt mir sehr entgegen. Denn ich habe eine mentale Sperre – und damit auch eine körperliche – wenn es darum geht, den Hals und Kopf eines Pferdes mithilfe eines Metallteils auf den hautüberzogenen Laden in eine Form zu zwingen. Weil ich genau weiß, was anatomisch dabei passiert und auch, was langfristig daraus resultieren kann an körperlichen Problemen. Weil ich mir nicht vorstellen möchte, wie sich das anfühlt. Und weil ich doch selbst merke, wie sehr das Pferd in der Ausbildung über eine lange, lange Zeit den Hals braucht, um funktional, energieeffizient und balanciert laufen zu können.

Ganz früher stand eine angehende Turnierreiterin im selben Stall und erklärte mir: Wenn man keine Ausbinder oder Halsverlängerer fürs Longieren benutzt, dann wird ein Pferd unter dem Sattel nie am Zügel gehen.
Es waren die Neunziger, vergeben wir ihr. Denn das ist natürlich Blödsinn.
Der nächste Satz war aber einer, den man heute unverändert hört: Wenn das Pferd nicht am Zügel, also „durch das Genick“ geht, dann kann es den Rücken nicht aufwölben und wird früh verschleißen.
Daran ist aus anatomischer und bewegungsmechanischer Sicht leider einiges sehr verkürzt bis falsch, aber diese Grundeinstellung führt dazu, dass heute tatsächlich viele Pferde „von sich aus“ hinter die Senkrechte kommen, zumindest temporär. Weil man die Pferde früh an die Hand, an den Zügel reiten will. Um sie gesund zu erhalten oder weil es schön aussieht, am Ende ist es egal und hat dasselbe Ergebnis.

Kein Pferd kommt „freiwillig“ oder „von sich aus“ für mehrere Tritte oder Sprünge oder noch längere Zeit hinter die Senkrechte. Es ergibt doch keinen Sinn für ein auf absolut energiesparende Bewegungseffizienz ausgerichtetes Fluchttier, einen guten Teil seines perpetuum-mobile-artigen Bewegungsablaufs auszuschalten und stattdessen mit Muskelkraft statt Recoil und ohne Umgebungssicht zu laufen!
Und ja: Es gibt die Pferde, die beim leisesten Kontakt die Nase ranziehen. Suerte war auch so. Weil sie es so gelernt hat, weil die Hand (die noch nicht mal ausgesprochen hart war, es genügt beim jungen, weichen Pferd ein: unflexibel) es einforderte. Wenn man sich umsieht, sieht man reihenweise die Pferde, deren Kopfpendel ein Halbkreis um die stillstehende Reiterhand ist, der Radius ist die gleichbleibende Zügellänge. Das gesunde Kopfpendel ist aber eine Bewegung nach vorne-unten – wenn man das denn zulässt.
Wenn Pferde hinter die Senkrechte kommen, dann gab es einen Fehler in der Ausbildung – das Pferd tut es nicht freiwillig, sondern versucht zu kompensieren:
- dass die Hand nicht nachgibt oder früher nicht nachgegeben hat und die Sorge besteht, an den starren Zügel anzustoßen,
- dass die Kraft nicht reicht, um weiter in der geforderten Aufrichtung zu laufen,
- dass das Pferd vielleicht sogar in einer gewissen Stufe der erlernten Hilflosigkeit feststeckt.
Kann man alles korrigieren. Aber halt nicht – und ich sehe das viel zu oft! – durch ein mechanisches Nach-oben-ziehen der Zügel. Wenn das Pferd keine Kraft mehr hat oder Angst vor der Hand, dann ist ein Zügelanzug genau das, was NICHT hilft. Sondern vielleicht eine Pause, ein Ende der Einheit, eine weichere Hand, ein sanfteres Gebiss, ein freieres Vorwärts, vielleicht ein passender Sattel oder ein besserer Sitz. (Manchmal reicht wirklich „einfach besser reiten“.)

Suerte hat sich inzwischen die Freiheit genommen, die ich ihr vorne gebe, und läuft oft als Giraffe. Natürlich ist das nicht sinnvoll, es fühlt sich auch gar nicht mal so gut an. Aber es ist ein Ausbildungs- und Korrekturschritt, der gerade sein muss. Sie wird nicht kaputtgehen, wenn sie ein paar Wochen oder Monate über den Zügel geht.
Diese Angst ist aber erstaunlich weit verbreitet: Wenn das Pferd nicht jeden Moment optimal geformt läuft, verschleißt es umgehend. Können wir uns mal wieder ein wenig entspannen, bitte?
Ein Pferd muss nicht am Zügel gehen, um einen Reiter gesund tragen zu können – wenn ein Pferd gelernt hat, gesund zu tragen, kommt es irgendwann an den Zügel. Und nicht dahinter.

14/06/2026

Einfach ein beliebiges junges Pferd im Galopp. Nicht am Zügel, nicht schön, aber fröhlich vorwärts. Wer hier zu früh bremst oder auf die „schöne“ Haltung achtet, schafft sich lebenslange Probleme - so ein Pferd habe ich mit Roya im Stall ...
Suerte ist zwar schon sieben, aber aufgrund ihrer körperlichen (und geistigen 🙄🐿️) Verfassung in der Ausbildung ein Jungpferd - obwohl sie vor drei Jahren, als sie für den Verkauf eingeritten wurde, schon „schön“ am Zügel gehen konnte.
Momentan arbeite ich immer noch daran, dass sie ihren Schildkrötenhals nicht mehr bei jedem Zügelkontakt zwischen die Schultern zieht. Und wenn es ein etwas stürmischer Tag ist, so wie heute, fühlt sich „frisch vorwärts“ besonders fröhlich an 😅

(Ton an 🙃)

10/06/2026

𝗩𝗲𝗿𝗮𝗻𝘀𝘁𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴𝘀-𝗥𝗲𝗺𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿: 𝟮𝟴. 𝗝𝘂𝗻𝗶 𝟮𝟬𝟮𝟲!

In gut zwei Wochen findet der kleine, aber ausgesprochen feine Workshop statt zum Thema "𝙁𝙪̈𝙝𝙡𝙩 𝙢𝙚𝙞𝙣 𝙋𝙛𝙚𝙧𝙙 𝙨𝙞𝙘𝙝 𝙚𝙞𝙜𝙚𝙣𝙩𝙡𝙞𝙘𝙝 𝙬𝙤𝙝𝙡, 𝙬𝙚𝙣𝙣 𝙞𝙘𝙝 𝙢𝙞𝙩 𝙞𝙝𝙢 𝙖𝙧𝙗𝙚𝙞𝙩𝙚?"

Diese Frage kann man aus dem Bauch heraus beantworten - und, Spoiler: Das ist oft gar nicht so objektiv, wie wir es gerne hätten. Oder man befasst sich mal mit der Studienlage, mit dem, was die Wissenschaft weiß zu Stress, Schmerz, Konfliktverhalten, Beschwichtigungssignalen usw.

"Aber mein Pferd ist da ganz anders!" ... ist ein Satz, den ich ständig höre. Jedes Pferd ist besonders, das ist richtig. Aber bei den oben genannten Punkten sind alle Pferde recht gleich - weil es ihre Natur ist.

Mein Angebot ist daher, mal aus dem Kreis der eigenen Emotionen für das geliebte Pferd rauszutreten, sich in diesem Seminar mit objektiven Kriterien des Horse Welfare zu beschäftigen und danach das eigene Pferd zwar weiter mit den Augen der Liebe, aber auch der nüchternen Offenheit für die (manchmal unbequeme) Realität anzusehen.
Was bringt das? Noch mehr Fairness im Umgang mit den Pferd!!

Anmelden? Einfach eine Nachricht an mich oder gleich das Anmeldeformular unter feine-reiterei.de/termine nutzen 😊

𝘐𝘤𝘩 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘑𝘰𝘺𝘴 𝘎𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘱𝘳𝘰𝘤𝘩𝘦𝘯 - 𝘥𝘪𝘦 𝘎𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘩𝘪𝘯𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘦𝘮 𝘉𝘪𝘭𝘥 𝘮𝘪𝘵 𝘥𝘦𝘳 𝘎𝘢𝘳𝘳𝘰𝘤𝘩𝘢 … 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘦𝘯 𝘞𝘦𝘨 𝘻𝘶𝘳 𝘌𝘳𝘬𝘦𝘯𝘯𝘵𝘯𝘪...
07/06/2026

𝘐𝘤𝘩 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘑𝘰𝘺𝘴 𝘎𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘱𝘳𝘰𝘤𝘩𝘦𝘯 - 𝘥𝘪𝘦 𝘎𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘩𝘪𝘯𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘦𝘮 𝘉𝘪𝘭𝘥 𝘮𝘪𝘵 𝘥𝘦𝘳 𝘎𝘢𝘳𝘳𝘰𝘤𝘩𝘢 … 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘦𝘯 𝘞𝘦𝘨 𝘻𝘶𝘳 𝘌𝘳𝘬𝘦𝘯𝘯𝘵𝘯𝘪𝘴 𝘶̈𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘯 𝘸𝘢𝘩𝘳𝘦𝘯 𝘡𝘶𝘴𝘵𝘢𝘯𝘥. 𝘋𝘢𝘴, 𝘸𝘢𝘴 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘢𝘮 𝘌𝘯𝘥𝘦 𝘢𝘮 𝘮𝘦𝘪𝘴𝘵𝘦𝘯 𝘦𝘳𝘴𝘤𝘩𝘶̈𝘵𝘵𝘦𝘳𝘵𝘦, 𝘸𝘢𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘒𝘭𝘦𝘪𝘯𝘪𝘨𝘬𝘦𝘪𝘵, 𝘶̈𝘣𝘦𝘳 𝘥𝘪𝘦 𝘷𝘦𝘳𝘮𝘶𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘯𝘪𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥 𝘯𝘢𝘤𝘩𝘨𝘦𝘥𝘢𝘤𝘩𝘵 𝘩𝘢̈𝘵𝘵𝘦 …

Joy wurde als „liebevolle Vollblutstute“ inseriert, 12 Jahre alt, direkt aus dem Polotraining, für 1.500 Euro. Die beiden Besitzerinnen, passionierte Polospielerinnen, wollten sie in Freizeitreiterhände verkaufen, weil Joy – die anders hieß und ihren Namen bei mir bekam als Start in ein neues Leben – „zu stark“ im Spiel war für die jüngere der Schwestern, die sie eigentlich reiten sollte. Ein Screenshot aus einem Verkaufsvideo, das ich später durch Zufall fand, ist bei den Fotos …
Joy war Polo-üblich ausgerüstet: Stehendes Martingal, dazu ein zweites Reithalfter mit gedrehtem Rohhautnasenriemen, Aufziehtrense mit doppeltem Zügelpaar sowie ein Sattel, der – das lernte ich auch erst beim Proberitt – bewusst auf der Schulter gesattelt wird, weil er im Spiel sonst ohnehin nach vorne rutschen würde.

Als Joy im Sommer 2016 zu mir kam, befand ich mich bereits in meiner Pferdephysio-Ausbildung. Einige ihrer körperlichen und seelischen Probleme konnte ich also schon analysieren, die ich teils später beheben konnte; andere zeigten sich im Laufe der Zeit …
- • Ihr Rücken und ihre Schultern waren völlig unbeweglich. Die Schulterblätter konnten keinen Zentimeter am Rumpf gleiten, die gesamte BWS und LWS war ein steifes Brett. Es war ihr nicht möglich, den Hals zu beugen, um eine Karotte zu nehmen.
• Sie hatte einen ausgeprägten „Hunter’s Bump“, vermutlich von den Sprintstarts und -stops.
• Sie hatte weiße Vernarbungen am Widerrist und an den Vorderröhren.
• Sie hatte Narben vom Reithalfter auf dem Nasenrücken.
• Sie hatte eine Narbe quer über die Zunge, potenziell von einem Zungenband im Galopprennen. Sie war in Frankreich gestartet; nach meinen Recherchen wurde in Deutschland das Zungenband erst 2018 verboten, in Frankreich ist es bis heute erlaubt. Bei der ersten Zahnbehandlung bei mir wurde zudem ein entzündeter Wolfszahn entfernt.
• Sie konnte die Hinterhufe nicht geben und schlug sofort nach dem Menschen, wenn man es versuchte. Möglicherweise war sie mit Schlinge aufgehalten worden und gestürzt; in jedem Fall wurde zunehmend deutlich, dass sie Panik hatte, die Balance zu verlieren.
• Sie dissoziierte bei fast allen Berührungen und Anforderungen. Nur die Hand sanft auf ihre LWS zu legen machte ihr schon Angst.
• Sie hatte starken Gurtzwang.
• Sie reagierte auf jedes Gebiss mit sofortigem Sperren, auch wenn kein Zügel angenommen wurde.
• Beim Anblick eines Pferdeanhängers begann sie am ganzen Körper zu zittern.
• Bei der leisesten Berührung mit einer Gerte erstarrte sie vollständig.

Darüber hinaus …
… hatte die Anzeige damals eines sehr richtig erfasst: Joy war eines der liebevollsten Pferde, die ich je kennenlernen durfte. Sie hatte ein riesiges Herz und beinahe etwas Mütterliches an sich, wie sie später den Schülern beim Aufzäumen half oder ihnen geduldig zeigte, wie fein die Hilfen nur sein müssen. Dieses Pferd, das so angefasst worden war, ließ sich wunderbar über die Balance, ohne Zügel reiten. Sie liebte die Stille, war aber auch unglaublich nervenstark im Trubel. Im Gelände war sie ein entspanntes Pferd, das am langen Zügel im Schritt bummelte und auch im Trab und Galopp immer die Ruhe selbst blieb. Wenn ich sie als Handpferd mitnahm, galoppierte sie neben meinem Reitpferd, ohne je überholen zu wollen.

Anfangs ging ich nur spazieren, machte Handarbeit, begann langsam, immer mal zu reiten. Ich ließ sie oft selbst entscheiden – etwas, was sie gar nicht kannte und was ihr zu Beginn Sorgen machte, aber nach und nach wurde sie selbstsicherer. Dann begann sie, für ihr neues Leben zu lernen, und machte das mit Freude – erst an der Hand, dann unter dem Reiter. Schulterherein, Kruppeherein, Traversalen, Zeitlupenschritt, Garrocha und mehr.

Sie liebte es, wenn man sie ganz sanft an der Stirn berührte. Sie liebte auch ihr Futter und schleuderte es beim Fressen durch den halben Stall, um es dann wieder aufzusammeln. Sie war zu jedem Menschen freundlich und in der Herde eher ranghoch, aber immer sozial und stand dicht bei ihren Freundinnen.
Der Rücken begann wieder – im Rahmen seiner Möglichkeiten, denn der Hunter’s Bump war nicht heilbar – zu schwingen, die Schultern wurden locker, Joy immer beweglicher.

Und auch ihre Seele kam irgendwann an … ich habe nie so lange gebraucht, einem Pferd das Gertentarget beizubringen – denn in Joy war keinerlei natürliche Neugier mehr vorhanden. Als sie es aber begriffen hatte, konnten wir andere Kunststücke in Angriff nehmen. Ich brachte ihr – als einzigem Pferd bisher – bei, bei einem Wischen mit der Gerte durch die Luft auf mich zuzuspringen. Ich machte das bewusst, damit sie lernte: Ich darf auf den Menschen zu, ich darf dem Menschen gegenüber meine Energie zeigen, vielleicht sogar ein bisschen Aggression, ich muss mich nicht immer zurückziehen, klein machen, am besten nicht existieren. Sie liebte diese Übung. Man musste schnell sein, manchmal, denn so ein Anspringen eines Galopprennpferdes ist gewaltig. Aber sie passte immer, in jeder Situation, auf einen auf.

Manches blieb, wie es war. Joys Stress mit dem Gebiss nahm etwas ab, aber es gab für mich keinen Grund, sie diesem Stress auszusetzen – sie wurde gebisslos geritten. Sie konnte ihren Hals zwar später mehr beugen, aber nie am Zügel gehen. Musste sie auch nicht, wozu? Wenn sie aus dem Linksgalopp in den Trab bremste, sprang sie vorher immer für einen Sprung in den Kreuzgalopp, weil sie anders die Hinterhand nicht ausreichend untersetzen konnte. Nach sechs Jahren war sie so weit, dass man an guten Tagen ganz tief die Hinterhufe aufnehmen und schnell auskratzen konnte; etwas früher ging es schon, sie nach vorne zu nehmen, nur mit der Hand gestützt, und rundzuraspeln. Richtig geben konnte Joy die Hinterhufe nie. Ihre Wundheilung war schlecht; sie neigte zur Bildung von wildem Fleisch schon bei kleinen Verletzungen.

Zugleich wurden manche ihrer körperlichen Probleme immer deutlicher, je älter sie wurde. Sie hatte sehr flache und sehr schlechte Hufe, die mir immer mehr entglitten. Nageln war aufgrund der schlechten Qualität und der hohlen Wände unmöglich; Klebeeisen hielten oft nur kurz, weil die Hufform so abnorm war. Ihre Schiefe – bedingt durch die Trageschwäche, möglicherweise auch durch HWS-Deformationen oder -Arthrosen, die bei Vollblütern nicht selten sind – verstärkte sich. Das rechte Hinterbein hatte ein auffällig gerades Sprunggelenk; vorne links wurde die lange Fessel immer weicher. Sie ging nie lahm, sie wurde nur nach einigen guten Jahren wieder zunehmend steif. Entsprechend reduzierte ich immer mehr die Anforderungen an sie, weniger unter dem Sattel, mehr lockeres Laufenlassen, Arbeit an der Hand.
Und sie wurde müder.

Im Winter 2022 gab ich ihr eine Woche lang Schmerzmittel, um zu sehen, ob es ihr damit besser ginge.
Und ja – sie lebte auf. Ich hatte in sechs Jahren dieses Pferd nie buckeln sehen, jetzt rannte sie durch die Halle und bockte. Sie hatte wieder Lebensfreude, wollte wieder laufen. Damit hatte ich gerechnet.

Ihre Hinterhufe gab sie immer noch nicht – das war also nicht nur schmerzbedingt.

Was mich am meisten berührte aber war – ich habe keine Ahnung, ob das für irgendwen nachvollziehbar ist –: Ihre „seltsame Angewohnheit“, ihren Hafer aus dem Eimer am Boden durch den halben Stall zu schleudern, war weg. Sie ließ den Kopf im Eimer und fraß ganz ruhig. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Bei einer so einfachen, unwichtigen Sache, bei etwas, das ihr eigentlich eine gute Zeit hatte bescheren sollen, beim Fressen hatte sie offenbar ebenfalls immer Schmerzen gehabt.

Ab da gab es keine Frage mehr. Ich stellte sie auf Previcox ein, sie wurde nicht mehr geritten und stand zunehmend bei der dreißigjährigen Paprica und Deseo, wo sie sich sehr wohl fühlte, und weniger bei der für sie zu aktiven Herde.
Einige Wochen später wurde sie vermutlich von einem anderen Pferd getreten, hatte eine Wunde am Hinterbein. Nicht schön, aber auch nicht sonderlich schlimm; ich machte die angezeigte Erstversorgung, am nächsten Tag kam der Tierarzt, nichts zu nähen, nur Verbandswechsel, weiterhin Entzündungshemmer und entsprechende weitere Wundversorgung. Es bildete sich wildes Fleisch, auch das wurde behandelt. Wochen später hatte sich nichts gebessert: Das wilde Fleisch bildete sich nicht zurück, riss immer wieder auf, Vulketan, dann aggressivere Mittel, natürlich Verbände und der Versuch, ihr ein möglichst schönes Leben zu machen.

Das Previcox musste ich inzwischen schon höher dosieren, damit sie mit ihren anderen Problemen nicht zu starke Schmerzen hatte. Sie war gerade mal 18 Jahre alt. Und dann traf ich die Entscheidung.

Über Joys letzten Tag möchte ich nicht schreiben. Es war ein guter, ein langer Frühsommertag auf der Weide für sie, zusammen mit Deseo, und in der Abendsonne gingen wir vor zum Hof.

Das ist Joys Geschichte.

01/06/2026

Gestern wurden mir immer wieder Reels der gezeigt. Also dachte ich mir heute morgen - warum nicht mal wieder schauen, wie gut Luar und ich ohne Zaumzeug miteinander funktionieren?.. Meine Einschätzung: hervorragend 🥰 Kurzkehrt und Traversalen benötigen noch etwas Feinschliff, zugegeben. Dafür schenkte sie mir zum Schluss sogar eine kleine Arbeitspirouette.

Hashtag der Woche 😎

Ü𝘣𝘳𝘪𝘨𝘦𝘯𝘴: 𝘐𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘍𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘙𝘦𝘪𝘵𝘦𝘳𝘦𝘪 𝘪𝘴𝘵 𝘥𝘦𝘮𝘯𝘢̈𝘤𝘩𝘴𝘵 𝘸𝘪𝘦𝘥𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯 𝘗𝘭𝘢𝘵𝘻 𝘧𝘶̈𝘳 𝘈𝘶𝘴𝘣𝘪𝘭𝘥𝘶𝘯𝘨𝘴/𝘉𝘦𝘳𝘪𝘵𝘵 𝘰𝘥𝘦𝘳 𝘴𝘵𝘢𝘵𝘪𝘰𝘯𝘢̈𝘳𝘦𝘴 𝘙𝘦𝘩𝘢𝘵𝘳𝘢𝘪𝘯𝘪𝘯𝘨 𝘧𝘳𝘦𝘪!

Adresse

Schmachtenhagener DorfStr. 23
Schmachtenhagen
16515

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