21/07/2026
Vielen Dank an Bettina Müller für diesen sehr herzlichen Artikel ❤️
Belohnung in Höhe von 500 Euro - preußische Schlosskatze und Touristenattraktion in Rheinsberg wird vermisst:
Der Schock sitzt tief. Seit dem 30. Mai ist die Rheinsberger Katzenprominenz „Sheldon Schlosskatzi“ spurlos verschwunden. Zuletzt wurde der 2012 geborene Kater beim LGBT-Fest Christopher Street Day in der Stadt am Triangelplatz gesehen. Doch was geschah dann? Der Kater ist bekannt wie ein bunter Hund, und nicht nur dort. Sein Ruhm reicht sogar bis in andere Bundesländer. Seine Besitzerin sucht täglich nach ihm. Ohne Sheldon, sagt sie, fehle etwas im Park. Sheldon lebte in der Vergangenheit bereits gefährlich, als ihn einmal zwei Männer in ihr Auto ziehen wollten. Es war aufmerksamen Mitarbeitern des Kurt-Tucholsky-Museums im Schloss Rheinsbergzu verdanken, dass dies verhindert wurde. Doch jetzt ist die Lage anders, denn Sheldon ist nicht mehr gesund. Eine Schilddrüsenüberfunktion erfordert die tägliche Verabreichung eines Medikaments, und das macht die Sache so tragisch, weil so die Zeit ganz einfach davonrennt.
Sheldon wird somit noch schmerzlicher vermisst, und das nicht nur von den Besitzern. Er sei doch „unser Sheldon“ sagt eine Frau im Park leise. Ohne ihn sei der Park so leer, berichtet die Besitzerin weiter, die ihren Kater jeden Tag an seinen bevorzugten Plätzen sucht, aber auch befürchtet, dass sich Sheldon zum Sterben zurückgezogen haben könne. Kein Tier renne so einfach weg, und schon gar nicht Sheldon, der mit dem Schlosspark ein wunderschönes Zuhause hat. Es soll sogar Touristen gegeben haben, die extra in der Hoffnung nach Rheinsberg anreisten, um ein wenig Zeit mit dem Kater zu verbringen. Er hat somit eine wichtige Funktion, ist Seelentröster und Attraktion zugleich – bei Kindern und Erwachsenen, Einheimischen und Touristen. All das nimmt man den Menschen, wenn man das Tier entwendet und es somit seiner gewohnten Umgebung entreißt, worauf Katzen sowieso extrem sensibel reagieren. Sheldon ist zudem ein älterer Kater, Veränderungen mögen Katzensenioren gar nicht, der Stress wird ihm sehr zusetzen – und ohne seine Medikation wird er dahinsiechen.
Ein Tier, das nie jemandem etwas Böses wollte, steht nun möglicherweise für genau das: für das Böse im Menschen, was vielleicht dazu geführt haben mag, dass Sheldon verschwand.
Nicht nur Sheldon leidet, sondern vor allem seine Menschen. So ein Tier ist wie ein Familienmitglied. Verschwindet es spurlos, ist die Trauer nicht geringer. Die Familie hat eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise auf Sheldon ausgesetzt. Kopfkino: Ist er vielleicht verletzt und liegt irgendwo, sofern ihn nicht jemand entwendet und entführt hat? Und konnte er deshalb nicht zurückkehren? Die Möglichkeiten sind vielfältig, alle aber furchtbar.
Der emotionale Schaden für die Rheinsberger ist groß. Währenddessen zerrinnt die Zeit, und die Hoffnung schwindet. Im Park geht das Leben weiter, die Sonne strahlt das Schloss an, Touristen kommen und gehen. Doch einer fehlt, dessen Lieblingsplätze im Park verwaist sind. Und ein leeres Körbchen wartet beharrlich, während sich der Katzenliebhaber Kurt Tucholsky im Grab umdreht. Sheldon: schmerzlich vermisst!
Von Bettina Müller
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