11/10/2026
**Social Walk – Begegnungstraining an den Windturbinen bei Reichshof-Eichholz | 11.10.2026**
🌬️🐕 **Wind, Lärm, Regen und jede Menge Lernpotenzial!**
Heute trafen sich sechs Mensch-Hund-Teams zum Begegnungstraining an den Windturbinen in der Nähe von Reichshof-Eichholz. Die Bedingungen waren alles andere als einfach: Es war sehr windig, die Geräuschkulisse laut und zeitweise kam noch etwas Regen dazu.
Diese Umweltreize blieben natürlich nicht ohne Wirkung. Bei allen Hunden war deutlich mehr Unruhe zu beobachten. Sie waren nervöser, schneller erregt und gefühlt innerhalb kürzester Zeit auf 100.
**Doch genau solche Situationen bieten wertvolle Möglichkeiten, an sich und seinem Hund zu arbeiten.**
Nach einigen Übungen ließ sich die überschießende Erregung bei den drei Hunden, die regelmäßig an unseren Social Walks teilnehmen, deutlich besser abbauen. Bei den Teams, die nur selten – teilweise erst nach mehreren Monaten oder sogar über einem Jahr – wieder dabei waren, hielt die hohe Erregung wesentlich länger an. Dennoch gelang es auch diesen Hunden, im Verlauf des Trainings wieder zunehmend zur Ruhe zu kommen.
Immer wieder gab es kleine Auslöser, die ausreichten, um die Hunde unmittelbar erneut hochzufahren. Das zeigte deutlich, wie schnell sich Erregung aufbauen kann und wie wichtig es ist, nicht nur auf den eigentlichen Auslöser zu schauen, sondern auch auf die allgemeine Belastung des Hundes.
Im Laufe des Trainings wurden Unterschiede sichtbar: Wie häufig erlebt ein Hund kontrollierte Begegnungen? Wie viel Zeit verbringt er im unkontrollierten Freilauf? Welche Erfahrungen sammelt er in sogenannten Raufer- oder Pöbelgruppen? Und wie oft hat er tatsächlich Gelegenheit, soziale Situationen unter Anleitung zu bewältigen?
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Hundekontakte zu sammeln. Entscheidend ist vielmehr, **wie diese Kontakte gestaltet werden und was der Hund dabei lernt.**
# # # Impulskontrolle, Sozialverhalten und Abstand
Wir arbeiteten mit Übungen aus dem Bereich der Impulskontrolle und des Sozialverhaltens. Dabei musste ich immer wieder darauf achten, dass die notwendigen Abstände eingehalten wurden.
Denn Abstand ist nicht automatisch ein Zeichen von Unsicherheit oder mangelnder Sozialverträglichkeit. Er ist häufig eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Hunde überhaupt lernen können, ruhig und angemessen miteinander umzugehen.
Auch bei den Menschen war Aufmerksamkeit gefragt. Schnell fällt man in alte Verhaltensmuster zurück – insbesondere in den Gedanken:
*„Darf mein Hund nicht einfach mal Hallo sagen? Der will doch nur spielen!“*
Doch genau hier liegt häufig das Problem.
# # # „Der will doch nur Hallo sagen!“ – wirklich?
Besonders deutlich wurde das heute bei zwei Hunden: einem sehr kleinen Chihuahua-Spitz-Mix und einem großen Kurzhaar-Collie-Mix.
Beide zeigten vergleichbare Verhaltensweisen: distanzloses Auftreten, fehlende Impulskontrolle und eine schnelle Frustration, wenn sie nicht unmittelbar zu ihrem Ziel gelangten.
Immer wieder hörte ich, dass der Hund doch nur Hallo sagen wolle und eigentlich total lieb sei.
Und genau hier müssen wir genauer hinschauen!
**Ein Hund kann freundlich sein und sich trotzdem sozial unangemessen verhalten.**
Freundlichkeit allein bedeutet nicht, dass ein Hund die Grenzen anderer Hunde respektiert. Wer ungefragt in deren Individualdistanz eindringt, sich nicht zurücknehmen kann oder bei Frustration sofort hochfährt, braucht Anleitung und Training – unabhängig von seiner Größe oder seinen guten Absichten.
Während der eine Hund vielleicht noch durch seine Größe oder Kraft auffällt, wird das gleiche Verhalten bei einem kleinen Hund oft belächelt oder verharmlost. Für den anderen Hund kann es trotzdem unangenehm sein.
**Gutes Sozialverhalten bedeutet nicht, zu jedem Hund hinzudürfen. Es bedeutet auch, Abstand halten, Frustration aushalten und sich zurücknehmen zu können.**
# # # Beobachten statt vorschnell urteilen
In den anderthalb Stunden musste ich genau hinschauen, Situationen erklären und Zusammenhänge verständlich machen. Dabei ging es auch darum, deutlich zu machen, warum Schimpfen in vielen Situationen nicht die beste Lösung ist.
Wenn ein Hund bereits stark erregt ist, hilft es wenig, einfach nur lauter oder strenger zu werden. Wir müssen verstehen, was das Verhalten auslöst, wie sich die Erregung aufbaut und welche Unterstützung der Hund in diesem Moment benötigt.
Nur wenn wir die Ursache und die Zusammenhänge erkennen, können wir sinnvoll trainieren und dem Hund helfen, alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.
# # # Dranbleiben lohnt sich!
Der heutige Social Walk war für alle Beteiligten eine lehrreiche Erfahrung. Er hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig regelmäßiges Training, Geduld und die Bereitschaft sind, auch das eigene Verhalten zu hinterfragen.
Ergebnisse entstehen nicht immer sofort. Manchmal sind es kleine Fortschritte, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Doch je regelmäßiger wir uns die Zeit nehmen, als Mensch-Hund-Team gemeinsam zu lernen, desto besser können wir Veränderungen erreichen.
Dazu gehört auch, den eigenen inneren Schweinehund zu überwinden, Termine wahrzunehmen und nicht erst dann zu trainieren, wenn im Alltag wieder etwas schiefläuft.
**Wer etwas verändern möchte, muss bereit sein, etwas dafür zu tun. Nicht einmal, sondern immer wieder.**
In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine schöne Woche! 🍂🐾
Ich würde mich freuen, möglichst viele von euch am **17.10.2026 um 11:00 Uhr zum Stadttraining in Bergneustadt** wiederzusehen.
Bleibt aufmerksam, bleibt fair und vor allem: Bleibt dran!
Liebe Grüße
**Christoph Schütz**
*Hundebeobachter – Beobachten. Einschätzen. Lösungen finden.*
🌐 www.hundebeobachter.de
** Bilder konnte ich nicht machen, ich war "etwas" beschäftigt. **