Der Hundemann

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Der Hundemann Hundetraining und Gassi-Service auf Basis positiver Verstärkung und mit situationsgerechten Belohnungen. Hundetraining auf Basis positiver Verstärkung.

Welpengruppe, Junghundekurs, Anti-Jagd-Training, Kurs "Unsichtbare Leine". Mittags-Gassi mit Hol- und Bring-Service in ausgewählt zusammengestellter Hundegruppe, geführt auf Basis positiver Verstärkung und mit situationsgerechten Belohnungen.

Transdermale Hormontherapien und Haustiere. Ein Hinweis, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. 
09/10/2026

Transdermale Hormontherapien und Haustiere. Ein Hinweis, mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. 

Wenn Kuscheln krank macht: Die unterschätzte Gefahr durch Hormoncremes, Sprays und Pflaster

Heute mal ein sehr ernstes Thena, das nach wie vor immer noch unterschätzt wird. Im Tierschutz erleben wir leider zunehmend mehr Geschichten, die uns nun zu diesem Beitrag veranlasst haben. Nicht, weil Halter ihren Tieren böswillig schaden wollen, sondern weil aus Unwissenheit und Bequemlichkeit leider fatale Fehler passieren können und auch schon passiert sind. 😒

In letzter Zeit häufen sich bei uns Fälle, bei denen Hunde plötzlich Wesensveränderungen zeigen, körperlich abbauen, Gelenkprobleme entwickeln oder das Gesäuge anschwillt. Bei Rüden wie bei Hündinnen.
Die Ursache liegt oft nicht im Futter, im Alter oder in einer Laune der Natur, sondern direkt auf Frauchens oder Herrchens Haut: Topische Hormonersatztherapien (Sprays, Gele, Pflaster mit Östrogen oder Testosteron).

Was passiert da eigentlich?

Millionen Menschen nutzen inzwischen transdermale Hormonpräparate. Was vielen völlig unbekannt ist: Steroidhormone wie Östradiol sind fettlöslich. Sie verbleiben nach dem Auftragen stundenlang als Wirkstoffdepot in der menschlichen Haut.
Entgegen dem weit verbreiteten Irrglauben („Ich ziehe ja eine Hose oder ein T-Shirt drüber“) wandern diese Hormone durch Körperwärme, Druck und Schweiß durch Textilien hindurch. Liegt der Hund auf dem Schoß, schläft er mit im Bett, reibt er sich an den Beinen oder leckt gar über die Haut, nimmt er diese Hormone direkt über seine feine Haut oder die Schleimhäute auf.

Die verheerenden Folgen für den Hund
Hunde reagieren extrem empfindlich auf menschliche Sexualhormone. Schon winzigste Mikrogramm-Mengen bringen den gesamten Organismus zum Einsturz:

Feminisierung: Bei Rüden schwellen die Zitzen massiv an (Gynäkomastie), die Vorhaut erschlafft. Hündinnen zeigen Dauerläufigkeiten oder entwickeln lebensbedrohliche Gebärmutter- bzw. Stumpfentzündungen.

Zerstörung der Gelenke und Muskeln: Östrogene lockern Bänder und Bindegewebe. Bei Hunderassen mit ohnehin spezieller Statik leiern Gelenke aus, Muskelmasse schmilzt dahin, und die Tiere laufen schwammig und unter Schmerzen.

Wesensveränderungen und Aggression: Rüden riechen plötzlich für andere Hunde wie eine läufige Hündin und werden bedrängt. Zusammen mit chronischen Schmerzen sinkt die Frustrationstoleranz drastisch – aus einst verträglichen Hunden werden reaktive, unsichere oder aggressive Tiere.

Lebensgefahr Knochenmarksdepression: Das gefürchtetste Risiko ist die östrogeninduzierte Knochenmarkstoxizität. Das Knochenmark stellt die Blutbildung ein; es drohen unstillbare innere Blutungen, Infektionen und der Erstickungs- oder Verblutungstod.

Gefährliches Halbwissen: Warum Praxen oft versagen ?

Sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin klafft hier leider noch oft eine erschreckende Lücke. Humanmediziner denken selten an das Haustier daheim. Tierärzte winken geschwollene Zitzen oft mit „ist doch noch weich, kein Tumor“ ab, anstatt die systemische Vergiftung im Hintergrund zu erkennen.

Dabei schlagen offizielle Stellen längst Alarm:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt in offiziellen Pressemitteilungen eindringlich: „Kuscheln mit Haustieren kann gefährlich werden.“

Das BASG/BVL-Merkblatt fordert ausdrücklich dazu auf, mit behandelnden Ärzten über eine Umstellung auf orale Applikation (Tabletten) zu sprechen, sobald Tiere im Haushalt leben.

Fachmedien wie die Medical Tribune („Topische Arzneien können Haustiere töten“) und die Deutsche Apotheker Zeitung mahnen seit Jahren ein besseres Risikobewusstsein an.

Unser Appell an alle Halter-
Wer solche Medikamente nutzt, muss Verantwortung übernehmen:

Sprecht mit euren Ärzten: Wenn ein Haustier im Haus ist, gehört die transdermale Gabe (Spray, Gel, Pflaster) kritisch hinterfragt. Wo immer möglich, sollte auf Tabletten umgestellt werden – geschluckte Hormone gefährden kein Tier beim Kuscheln.

Keine Ausreden: Ein dünner Stoff ist keine Barriere. Solange Cremes oder Sprays genutzt werden, gehören behandelte Stellen hermetisch unter dicke Kleidung, Hände müssen nach der Anwendung sofort mit Seife geschrubbt werden, und der Hund darf weder an den Stellen lecken noch direkt daran schlafen.

Genau hinschauen: Haben sich die Zitzen eurer Hunde verändert? Wirkt das Gewebe plötzlich schwammig? Zeigt er unerklärliche Lahmheiten oder Verhaltensänderungen? Bekommt eine Hündin ausser der Reihe ihre Läufigkeit oder schon in einem Alter, wo sie noch gar nicht läufig werden dürfte?

Lasst ein großes Blutbild inklusive Thrombozytenkontrolle und den Östradiol-Spiegel bestimmen.

Echte Tierliebe bedeutet manchmal, alte Gewohnheiten im Alltag radikal zu ändern, bevor man sein geliebtes Tier unbemerkt krank macht.

05/10/2026
29/07/2026

Bergfest im Wald

Bitte teilen 🙏🐾 Liebes Herz auf langen Beinen: Estrella sucht ihr endgültiges Glück!Name: EstrellaAlter: ca. 10 Jahre un...
10/06/2026

Bitte teilen 🙏

🐾 Liebes Herz auf langen Beinen: Estrella sucht ihr endgültiges Glück!

Name: Estrella
Alter: ca. 10 Jahre und 7 Monate
Rasse: Podenco (Mischling)
Vermittlung über: Tierschutzorganisation mit Paragraph §11

Über Estrella
Hinter Estrella liegt ein langes, entbehrungsreiches Leben. Sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre bei einem Jäger, wo sie es absolut nicht gut hatte. Estrella wurde jahrelang als reine „Gebärmaschine“ missbraucht und schließlich – als sie nicht mehr funktionierte – einfach entsorgt.

Aber das ist Vergangenheit! Trotz ihrer traurigen Vorgeschichte hat sich Estrella ihren wundervollen Charakter bewahrt. Sie ist eine unfassbar treue, feinsinnige Begleiterin, die nun endlich erfahren möchte, was es bedeutet, geliebt, umsorgt und ein echtes Familienmitglied zu sein.

Das perfekte Zuhause
Für Estrella wünschen wir uns ein liebevolles und verständnisvolles Zuhause, das folgende Kriterien erfüllt:

Ein sicherer Garten: Estrella liebt es trotz ihres Alters immer noch sehr, fröhlich zu springen und Flitzrunden zu drehen. Ein eingezäunter Garten wäre daher ideal für sie.
Ein souveräner Zweithund: Estrella orientiert sich stark an ihren Artgenossen. Ein bereits vorhandener Ersthund im neuen Zuhause ist ein Muss, da er ihr die nötige Sicherheit gibt und ihr zeigt, wie schön das Hundeleben sein kann.
Geduld und Liebe: Da sie die schönen Seiten des Lebens erst spät kennengelernt hat, sucht sie Menschen, die ihr die Zeit geben, die sie zum Ankommen braucht.

Estrella reist kastriert, geimpft, gechipt und mit einem EU-Heimtierausweis über eine geprüfte Tierschutzorganisation ins neue Glück.

📞 Du hast dich in Estrella verliebt?
Alles Weitere und detaillierte Infos erzählen wir dir gerne in einem persönlichen Gespräch!
Bei ernsthaftem Interesse melde dich bitte telefonisch unter 0176 - 56 85 20 64.

Weil ich neulich ein Video von einem Kollegen gesehen habe, bei dem zwanzig Hunde HINTER ihm gehen. Alle.
24/02/2026

Weil ich neulich ein Video von einem Kollegen gesehen habe, bei dem zwanzig Hunde HINTER ihm gehen. Alle.

„Beeindruckend ruhig – oder systematisch eingeschüchtert?“

Warum kollektiver Gehorsam in großen Hundegruppen kein Beweis für Vertrauen ist.

Es gibt diese Videos, die in sozialen Netzwerken tausendfach geteilt werden: Eine Person schreitet voran, hinter ihr oder neben ihr laufen fünfzehn, zwanzig oder noch mehr Hunde. Kein Ziehen, kein Ausscheren, kein sichtbares Chaos. Ein leises Wort, ein kurzes Handzeichen – und die gesamte Gruppe reagiert nahezu synchron. Viele empfinden das als beeindruckend. Als Beweis außergewöhnlicher Führungsqualität.

Mich machen diese Bilder zunehmend sauer.

Denn was dort als perfekte Harmonie inszeniert wird, wirkt bei genauerem Hinsehen oft wie etwas anderes: wie kollektive Hemmung.

Auffällig ist, was fehlt. Kaum ein Hund zeigt ausgeprägtes Explorationsverhalten. Es wird wenig geschnüffelt, selten innegehalten, kaum individuell entschieden. Die Körper wirken kompakt, teilweise angespannt, die Köpfe eher tief getragen als neugierig erhoben. Spiel oder lockerer sozialer Austausch zwischen den Hunden ist selten zu sehen. Stattdessen entsteht der Eindruck einer Marschformation – funktional, diszipliniert, kontrolliert.

In großen Gruppen wirken andere Kräfte als im Einzelsetting. Gruppendynamiken können Verhalten massiv beeinflussen. Hunde lernen nicht nur durch direkte Erfahrung, sondern auch durch Beobachtung – durch soziales Lernen. Es genügt unter Umständen, wenn ein einzelnes Individuum deutlich korrigiert oder sanktioniert wird, um der gesamten Gruppe zu vermitteln, welches Verhalten unerwünscht ist. Die übrigen Hunde müssen die Strafe nicht selbst erlebt haben, um daraus Schlüsse zu ziehen. Sie sehen, was passiert, wenn jemand ausschert – und fügen sich vorsorglich.

Dieses Prinzip ist keineswegs auf Hunde beschränkt. Auch in menschlichen Gruppen lässt sich beobachten, dass die öffentliche Herabsetzung oder Bestrafung eines Einzelnen eine regulierende Wirkung auf die übrigen Mitglieder haben kann. Wer gesehen hat, was mit dem „Abweichler“ geschieht, entscheidet sich oft für Anpassung – nicht aus Überzeugung, sondern aus Vermeidung.

Übertragen auf große Hundegruppen bedeutet das: Vielleicht wurden nicht zwanzig Hunde eingeschüchtert. Vielleicht reichten ein oder zwei deutliche Interventionen. Der Rest reguliert sich selbst, um nicht ebenfalls in Konflikt zu geraten. Das Resultat wirkt wie perfekte Führung, kann aber in Wahrheit auf präventiver Unterwerfung beruhen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Hundeführer laut oder leise agiert. Manche arbeiten mit klarer Stimme, andere nahezu wortlos, mit minimalen Handzeichen oder Körpersperren. Doch auch subtile Signale können auf einem aversiven Lernprozess beruhen. Wenn ein kaum sichtbares Zeichen ausreicht, um eine große Gruppe abrupt zu stoppen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie konsequent zuvor verdeutlicht wurde, was geschieht, wenn man nicht reagiert.

Was mich besonders stört, ist die Einseitigkeit dieser Darstellung. Man sieht das fertige Ergebnis, nie den Weg dorthin. Keine Lernphase, keine Konflikte, keine Stressreaktionen einzelner Hunde. Vor allem sieht man nicht, was diese Form der Führung langfristig mit dem Individuum macht.

Denn Hunde sind keine homogene Masse. Jeder von ihnen bringt ein eigenes Temperament, eigene Erfahrungen, eigene Unsicherheiten mit. In stark kontrollierten Großgruppen verschwindet diese Individualität zwangsläufig hinter der Funktionsfähigkeit des Kollektivs. Der sensible Hund, der konfliktscheue Hund, der leicht verunsicherte Hund – sie alle passen sich möglicherweise besonders stark an. Nicht, weil sie innerlich ruhig sind, sondern weil sie gelernt haben, dass Zurückhaltung Sicherheit bedeutet.

Chronischer Anpassungsdruck kann Spuren hinterlassen. Ein Hund mag äußerlich „funktionieren“ und dennoch innerlich unter erhöhter Anspannung stehen. Stress endet nicht automatisch, wenn der Spaziergang vorbei ist. Er kann sich in Reizbarkeit, vermehrter Sensibilität oder erhöhter Erschöpfung zeigen – auch zu Hause, fernab der Gruppe.

Bleibt die Frage: Wofür braucht es solche Formationen überhaupt? Welcher zwingende Grund erfordert Spaziergänge mit fünfzehn oder zwanzig Hunden gleichzeitig in enger, hochgradig kontrollierter Struktur? Hundebetreuung lässt sich auch anders organisieren – in kleineren, stabilen Gruppen, mit mehr Raum für individuelle Bewegung, für Schnüffeln, für Entscheidungsspielräume.

Oft wird argumentiert, Hunde seien schließlich soziale Wesen. Das stimmt. Doch soziale Strukturen bedeuten nicht permanente Gleichschaltung. Frei lebende Hunde oder Straßenhunde bewegen sich nicht in starren Großverbänden, in denen jede individuelle Entscheidung unterdrückt wird. Ihre Zusammenschlüsse sind flexibel, durchlässig, dynamisch. Individuen können sich lösen, Abstand gewinnen, eigene Wege einschlagen.
Genau diese Möglichkeit geht in stark kontrollierten Großgruppen verloren.

Was mich an solchen Videos letztlich so irritiert, ist die Ästhetisierung von Macht. Gehorsam wird als Ideal präsentiert, ohne dass hinterfragt wird, auf welcher emotionalen Grundlage er entstanden ist. Das Bild des souveränen „Anführers“ überstrahlt die Frage nach dem Wohlbefinden der Geführten.
Ich halte es deshalb für wichtig, genauer hinzusehen – und als Hundehalter kritisch zu prüfen, in welche Strukturen man sein eigenes Tier gibt. Große, perfekt funktionierende Gruppen sind kein automatisches Qualitätsmerkmal. Sie sind ein Managementmodell. Und wie jedes Modell tragen sie Risiken in sich.

Hunde sind soziale Wesen – aber sie sind vor allem Individuen. Und jede Form der Betreuung sollte diesem Umstand gerecht werden.

Quellen (Auswahl):
• Fugazza, C. et al. (2018). Social learning in dogs (Canis familiaris): Imitation of conspecific and human demonstrators. Scientific Reports.
• Range, F., & Virányi, Z. (2015). Tracking the evolutionary origins of dog-human cooperation: The role of social learning. Behavioral Processes.
• Bonanni, R. et al. (2010). Free-ranging dogs’ social organization and dominance relationships.
• Huber, L. et al. (2018). Social learning and imitation in dogs. Scientific Reports.
• Miklósi, Á. (2015). Dog Behaviour, Evolution, and Cognition. Oxford University Press.
• Studie zu frühen negativen Erfahrungen und Verhaltensfolgen bei Hunden (Finnische Kohortenstudie, 2020/2021).

Hinweis zur Kommentarfunktion:
Ich habe die Kommentare zu diesem Beitrag eingeschränkt. Nicht, um Diskussionen zu vermeiden – sondern um zu verhindern, dass sich endlose, sich im Kreis drehende Debatten vom eigentlichen Inhalt ablenken.
Der Text soll zum Nachdenken anregen.

Das Bild ist KI generiert

10/07/2025

Gestern haben wir das Bergfest angemessen gefeiert 🎉

Bei den Temperaturen hält man es nur am Wasser aus 😎☀️⛱️🏖️
01/07/2025

Bei den Temperaturen hält man es nur am Wasser aus 😎☀️⛱️🏖️

Weil dieser Artikel über durch Social Media geistert, hier ein schöner Artikel von Ralph Rückert über Korrelation und Ka...
08/04/2025

Weil dieser Artikel über durch Social Media geistert, hier ein schöner Artikel von Ralph Rückert über Korrelation und Kausalität, und über den Unterschied von Meinung und Ahnung.

Librela: Paranoia, schlechter Journalismus, mal wieder Social-Media-Hysterie

Von Ralph Rückert, Tierarzt

Diesen Artikel schreibe ich gegen meinen Willen und wirklich nur auf vielfachen Wunsch von Leserinnen und Lesern! Ich habe eigentlich überhaupt keinen Bock auf das Thema, weil ich dabei automatisch „Brandolinis Gesetz“, also dem „Bu****it-Asymmetrie-Prinzip“ zum Opfer falle.

„The amount of energy needed to refute bu****it is an order of magnitude bigger than to produce it.” („Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Größenordnung mehr Energie als dessen Produktion.“)

Das mit dem Bu****it bezieht sich in diesem Fall auf den in meinen Augen sowohl wissenschaftlich als auch journalistisch unglaublich schwachen Zeitungsartikel eines Friedemann Diederichs mit dem Titel „Ein tödliches Wundermittel macht Hundebesitzern Angst“, der vor einigen Wochen in irgendeiner Regionalzeitung erschienen ist. Dieser Artikel scheint wohl der Anlass dafür zu sein, dass ich gerade jeden Tag mehrere PNs bekomme, die mich nach meiner Meinung zu dem Präparat „Librela“ (Wirkstoff Bedinvetmab, Hersteller Zoetis) fragen.

Gut, wenn ich ausschließlich meine aus vielhundertfacher Anwendung des Präparats gewonnenen Erfahrungen kundtun soll: Es hat nicht allen, aber den meisten Hunden, denen wir Librela wegen ihrer Osteoarthritis-Schmerzen verabreicht haben, sehr befriedigend geholfen. Wirklich nennenswerte Nebenwirkungen haben wir dabei nicht erlebt, von unerklärlichen Todesfällen ganz zu schweigen. Nach allem, was ich weiß – und ich kann im Gegensatz zu dem oben genannten Journalisten Zulassungsunterlagen, Fachinformationen und Arzneimittelagentur-Meldungen nicht nur lesen, sondern auch verstehen – kombiniert mit meinen persönlichen Erfahrungen halte ich Librela für ein vergleichsweise sicheres Präparat, das ich zum Beispiel seinerzeit auch meinem eigenen Hund gegen Ende seiner Lebensspanne mit gutem Erfolg verabreicht habe und unter den gleichen Voraussetzungen auch wieder verabreichen würde.

Natürlich gibt es auch zu Librela und seiner angeblichen Gefährlichkeit lautstarke Social-Media-Gruppen. Das Grundproblem ist immer das gleiche, ob nun bei den Leuten in solchen Gruppen oder bei Journalisten wie diesem Herrn Diederichs: Das Gehirn vieler Menschen scheint mit dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität einfach nicht klar zu kommen! Daran lässt sich meiner Erfahrung nach auch nicht viel ändern, weshalb es viele von uns auch gar nicht mehr versuchen.

Trotzdem – und so einfach wie möglich - erneut: Egal, was da in so einem Artikel oder auf Facebook für Todesfälle in irgendeinem zeitlichen Zusammenhang mit Librela-Injektionen berichtet werden, ohne pathologische Untersuchung, die eine definitive Kausalität beweist, bringt das rein gar nix. Ganz, ganz einfaches und hoffentlich für alle verständliches Beispiel: Vor einem halben Jahr habe ich ein neues Hüftgelenk bekommen. Das ist heutzutage ein Routineeingriff, aber auch nicht unbedingt von Pappe, also schon eine recht große OP. Wäre ich nun fünf Tage nach der Operation plötzlich mit einem Hirnschlag umgefallen, würden die entsprechenden Leute natürlich sofort sagen: Siehste, hätte er mal besser die Zähne zusammengebissen und mit seiner kaputten Hüfte weiter gelebt! Jetzt isser tot wegen seiner OP!

Was diese Leute aber nicht wüssten: Ich habe neben meiner Hüftgelenkarthrose seit einigen Jahren auch gelegentliches Vorhofflimmern. Patienten mit diesem Krankheitsbild müssen immer eine Gerinnselbildung in den Herzvorhöfen und damit ein deutlich erhöhtes Risiko für Hirnschläge fürchten, weshalb sie auch blutgerinnungshemmende Dauermedikamente bekommen, die das verhindern sollen. Wäre ich also eine Woche nach meiner OP tot umgefallen, wäre zwar ein kausaler Zusammenhang mit dem Eingriff selbst möglich gewesen; viel wahrscheinlicher aber wäre ein Zusammenhang mit meinem Vorhofflimmern gewesen. Davon abgesehen können 65jährige Menschen (genau so wie 13jährige Hunde) wegen einer Vielzahl von Ursachen spontan versterben. Nur eine pathologische Untersuchung hätte die Frage nach der wirklichen Ursache meines plötzlichen Todes beantworten können. Solche Untersuchungen finden in der Tiermedizin leider meist nicht statt.

Librela wird entsprechend seinem Anwendungszweck zu einem überwiegenden Prozentsatz an schon ältere Hunde verabreicht. Ältere Hunde haben, ebenso wie ältere Menschen, häufig nicht nur eine Baustelle im Körper. Wie wir Mediziner:innen immer sagen: Jeder hat ein Recht auf zwei Krankheiten! Es kann also in jedem alten Hund, der wegen seiner Gelenkschmerzen Librela bekommt, eine damit überhaupt nicht verknüpfte und eventuell bis dahin gar nicht bekannte Problematik nur darauf warten, dass sie zuschlagen kann. Im Fachsprech wird sowas als Komorbidität bezeichnet. Alte Menschen und Tiere können sogar multimorbide sein, also unter einigen voneinander abgrenzbaren Krankheitsbildern gleichzeitig leiden. Daraus folgt, wie schon erwähnt: Ohne pathologische Untersuchung eines Patienten, der verdachtsweise im Zusammenhang mit der Verabreichung von Librela verstorben ist, ist eben dieser Zusammenhang einfach weder bewiesen noch ausgeschlossen!

Niemand bei klarem Verstand bestreitet, dass Medikamente, die deutliche gewünschte Wirkungen erzielen, meist auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Damit muss die Medizin immer schon leben und umgehen. Wir alle tun das, und zwar routinemäßig! Wer von uns schmeißt bei Kopfweh, Zahnschmerzen und diversen anderen Wehwehchen nicht mal schnell Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen ein, obwohl auch diese so weit verbreiteten und leicht erhältlichen Medikamente ein ganz erhebliches Potenzial für schwere Nebenwirkungen haben?

Natürlich hat Librela ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen! Eventuell hat es auch welche, die extrem selten auftreten und trotz weltweit zigmillionenfacher Anwendung immer noch nicht bekannt oder endgültig geklärt sind. Für solche Fragestellungen gibt es das Konzept der Pharmakovigilanz. Sowohl Patient:innen als auch Mediziner:innen sind gefordert, einen Verdacht auf eine bisher unbekannte Nebenwirkung an den Hersteller oder andere zuständige Stellen zu melden. Dieses Konzept hat sich sehr gut bewährt. Also ist die richtige Herangehensweise bei solchen Vorfällen, erstens – wenn irgendwie möglich – eine pathologische Untersuchung zu ermöglichen und zweitens den Verdacht auf unerwünschte Wirkungen entweder selber oder über die Tierarztpraxis des Vertrauens zu melden.

Nicht richtig ist es dagegen, sich ohne irgendeinen Beweis eines kausalen Zusammenhangs in die entsprechenden paranoiden Social-Media-Gruppen zu begeben, um möglichst viele andere Leute zu verunsichern und Hunde, die von einer Therapie mit Librela deutlich profitieren könnten, davon abzuhalten. Nicht richtig ist es für Journalisten, die ihren Berufsethos hoch halten und weiter als seriös gelten wollen, einfach mal schnell einen dreist rufschädigenden Artikel rauszuhauen, ohne die dafür notwendigen wissenschaftlichen Basics auch nur ansatzweise recherchiert und verstanden zu haben.

Eine befreundete Kollegin hat die Librela-Situation neulich sehr treffend zusammengefasst:

„Ein paar Möchtegern-Spezialisten, die meinen, sie hätten den Gipfel der Weisheit erklommen, sich in Wahrheit aber nur auf dem Mount Stupid der Dunning-Kruger-Kurve befinden, zwingen eine Firma dazu, wortreich und mit zig Veröffentlichungen bewaffnet, die Wahrheit zu vertreten. Diese Gleichmacherei von Laien auf der einen Seite und einer Fülle von Wissenschaft sowie 20 Millionen ohne wesentliche Nebenwirkungen angewendetes Medikament auf der anderen Seite ist eigentlich kaum auszuhalten.“

Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert

Bildquelle: Screenshot Facebook

© Ralph Rückert
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