Tommy Freundlich Horsemanship

Tommy Freundlich Horsemanship Pferdetraining mit Herz und Verstand
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Vertrauen kann man nicht lehren. Man kann nur die Bedingungen schaffen, unter denen es wachsen darf.Vertrauen lässt sich...
08/09/2026

Vertrauen kann man nicht lehren. Man kann nur die Bedingungen schaffen, unter denen es wachsen darf.

Vertrauen lässt sich bei einem Pferd nicht einfordern. Es entsteht auch nicht dadurch, dass ein Pferd gelernt hat, einfach zu funktionieren. Es wächst in vielen kleinen Momenten: wenn unsere Hilfen verständlich sind, wir fair bleiben, Fehler zulassen und dem Pferd Sicherheit geben.

Für mich beginnt gutes Horsemanship deshalb nicht mit der Frage:
„Wie bringe ich mein Pferd dazu, mir zu vertrauen?“

Sondern mit der ehrlichen Frage:
„Bin ich der Mensch, bei dem Vertrauen wachsen kann?“

Tommy Freundlich

Zu dem Thema Vertrauen gehe ich in meinem neuen Buch:

Bindung
Wie Verbindung zwischen Mensch und Pferd wirklich entsteht.

ein.
Dieses Buch erhältst du bei Amazon als Taschenbuch und e-Book

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Wie tief darf ein Westernpferd den Kopf tragen?Ein Pferd trägt sich nicht selbst, nur weil der Zügel durchhängt. Und es ...
07/09/2026

Wie tief darf ein Westernpferd den Kopf tragen?

Ein Pferd trägt sich nicht selbst, nur weil der Zügel durchhängt. Und es läuft nicht automatisch auf der Vorhand, nur weil es den Kopf tief trägt.

Ich weiß das dieses Thema ein ganz heißes Eisen ist und trotzdem möchte ich mal darüber schreiben.

Wenn ich alte Bilder von mir und meinen Pferden anschaue, so wie gestern das Bild von Sue und mir, das ich auch gepostet hatte, sehe ich vieles heute mit anderen Augen. Da sind schöne Erinnerungen an unsere gemeinsame Turnierzeit. Aber ich sehe auch eine Kopf-Hals-Haltung, die ich heute nicht mehr so tief einstellen würde.

Das gehört zu meinem Weg dazu. Ich kann schlecht von anderen verlangen, ihr Reiten zu hinterfragen, wenn ich meine eigene Vergangenheit davon ausnehme.

Wenn Pferde damals übertrieben tief liefen, nannten wir sie „Peanut-Roller“. Oder es hieß am Platzrand: „Der zieht eine Ackerfurche.“ Wir hatten also durchaus einen Namen dafür, wenn es zu tief wurde. Nur war mit dem Spruch die Frage noch nicht beantwortet, was diese Haltung eigentlich mit dem Pferdekörper macht.

Heute wird darüber oft genauso schnell geurteilt wie damals gewitzelt. Die einen sehen einen tiefen Kopf und sagen: „Schön entspannt.“ Die anderen sehen dasselbe Bild und wissen sofort: „Das Pferd läuft auf der Vorhand.“

Ich möchte es mir nicht so einfach machen. Weder bei meinen eigenen Bildern noch bei denen anderer Reiter.

**Was sagen die Regeln?**

Zunächst müssen wir unterscheiden, über welchen Verband und welche Disziplin wir sprechen. Es gibt nicht ein einziges Regelwerk für das gesamte Westernreiten. Ich beziehe mich hier auf das EWU-Regelbuch 2026.

Dort wird eine natürliche, zum Körperbau passende Selbsthaltung gefordert. In der Western Pleasure sollen Kopf und Hals in einer für das Pferd angenehmen, seinem Exterieur entsprechenden Position getragen werden. Takt, Losgelassenheit und Balance gehören dazu.

Dauerhaft deutlich unterhalb des Widerrists getragene Ohrenspitzen werden in Western Pleasure und Western Horsemanship als negatives Merkmal aufgeführt. Im Trail führt diese dauerhaft zu tiefe Haltung zu einem Nullscore. Dauer und Disziplin sind also entscheidend. (Quelle: EWU-Regelbuch 2026)

Das bedeutet aber nicht, dass alles automatisch gut ist, solange die Ohrenspitzen gerade noch über dem Widerrist liegen.

Das Pferd kennt unser Regelbuch nicht. Sein Körper muss die Haltung trotzdem bewältigen können.

Und was sagt die Biomechanik?

Kopf und Hals sind keine Dekoration, die wir passend zur Disziplin einstellen. Ihre Position beeinflusst, wie sich Rücken und Gliedmaßen bewegen.

Untersuchungen zeigen, dass eine veränderte Kopf-Hals-Haltung unter anderem die Rückenbewegung und die Schrittlänge beeinflussen kann. Dabei ist höher nicht grundsätzlich besser: Ein hoch fixierter Kopf schränkte in einer Untersuchung die Rückenbewegung besonders im Schritt ein. Einfach die Hand hochzunehmen und den Kopf anzuheben, ist deshalb noch keine Lösung.

Weitere Forschung zeigt, dass sich aus dem Grad der Halsbeugung nicht zuverlässig auf die Bewegung von Rumpf und Beinen schließen lässt. Die untersuchten Pferde waren überwiegend Warmblüter beziehungsweise Dressurpferde unter kontrollierten Bedingungen. Daraus lässt sich keine allgemeingültige Zentimetergrenze für die Selbsthaltung unserer Westernpferde ableiten.

Wer behauptet, ab einer ganz bestimmten Kopfhöhe könne sich kein Pferd mehr selbst tragen, macht es sich deshalb zu leicht. Wer behauptet, ein tiefer Kopf sei grundsätzlich gesund, allerdings auch.

Für mich bedeutet Selbsthaltung, dass mein Pferd sein Gleichgewicht in der jeweiligen Aufgabe weitgehend eigenständig erhält. Ich muss es nicht dauerhaft mit der Hand stützen oder seine Haltung ständig korrigieren. Dafür muss es nicht aussehen wie ein Dressurpferd in höchster Versammlung.

Aber es reicht eben auch nicht, dass ich den Zügel lang lasse.

Ein durchhängender Zügel zeigt zunächst nur, dass gerade keine dauerhafte Zügelspannung besteht. Er verrät mir noch nicht, ob mein Pferd seinen Körper gut organisiert oder lediglich eine erlernte Kopfposition beibehält.

Auch Dehnung und tiefe Einstellung müssen wir auseinanderhalten. Wenn ein Pferd seinen Hals zeitweise nach vorn und unten verlängert, ist das etwas anderes, als wenn es eine ganze Trainingseinheit in einer tiefen Haltung bleiben soll. Und den Hals nach vorn zu verlängern ist wiederum etwas anderes, als die Nase zur Brust zu nehmen.

Deshalb möchte ich mehr sehen als den Kopf.

Bleibt mein Pferd im Takt? Gelingen Übergänge, ohne dass es deutlich nach vorn kippt? Kann es eine Wendung ausbalanciert gehen? Darf es den Hals verändern, wenn die Aufgabe es erfordert? Und bleibt die Bewegung erhalten, wenn ich mit meiner Einwirkung nachlasse?

Das sind für mich die interessanten Fragen. Nicht, ob die Nase auf einem einzelnen Bild ein paar Zentimeter höher oder tiefer steht.

Eine Momentaufnahme kann Auffälligkeiten zeigen. Sie kann Anlass sein, genauer hinzuschauen. Aber sie zeigt nicht, wie eine Haltung entstanden ist, wie lange sie anhält und wie das Pferd im nächsten Moment weitergeht. Deshalb möchte ich weder meine Pferde und mich noch andere Pferd-Reiter-Paare allein anhand eines Fotos abschließend beurteilen.

Genauso wenig möchte ich allerdings wiederkehrende Probleme mit dem Satz „Das ist eben Westernreiten“ entschuldigen. Unsere Reitweise darf keine Ausrede sein, den Körper des Pferdes aus dem Blick zu verlieren.
Und klar gibt es bei den Rassen unterschiede. auch dies muss immer wieder berücksichtigt werden.

Heute ist mir wichtiger, wie mein Pferd unter mir arbeitet, als wie ordentlich seine Kopfhaltung von außen aussieht. Ich möchte ihm weder den Kopf nach unten stellen noch ihn vorsorglich nach oben ziehen. Ich möchte ihm durch passende Ausbildung die Kraft und das Gleichgewicht geben, mich gut tragen zu können.

Und wenn ich dafür eine Vorstellung aufgeben muss, die ich früher richtig fand, dann ist das eben so. Mein Pferd hat nichts davon, wenn ich aus Stolz an alten Bildern festhalte.

Die entscheidende Frage ist nicht: Wie tief darf der Kopf noch sein? Sondern: Wie gut kann mein Pferd in dieser Haltung seinen Körper einsetzen und mich tragen?

Kennt ihr die Begriffe „Peanut-Roller“ und „Ackerfurche ziehen“ noch? Und hat sich euer Blick auf die Kopfhaltung im Laufe eurer Reiterjahre ebenfalls verändert?

Tommy Freundlich

Bild dient zur Aufmerksamkeit und ist KI generiert, weil ich niemanden denunzieren möchte.

Lange ist es her …Dieses Bild zeigt mich mit meiner Sue beim morgendlichen Abreiten auf der Deutschen Meisterschaft. Run...
06/09/2026

Lange ist es her …

Dieses Bild zeigt mich mit meiner Sue beim morgendlichen Abreiten auf der Deutschen Meisterschaft. Rund 25 Jahre ist das her. Damals war diese tiefe Einstellung für mich in Pleasure, Horsemanship und Trail normal. Und man sieht sie dort bis heute. Trotzdem würde ich Sue heute nicht mehr so tief einstellen.

Trägt sie sich hier noch selbst? Das lässt sich aus diesem einzelnen Foto nicht beurteilen.
Dafür müsste man Sue in der Bewegung sehen.
Bitte also keine Kommentare zu diesem Thema 🙏

Ich schaue gern auf dieses Bild und erinnere mich an unsere gemeinsame Zeit. Gleichzeitig sehe ich mein damaliges Reiten heute mit anderen Augen.

Ich muss nicht alles verteidigen, was ich früher gemacht habe. Dazu habe ich seither zu viel gelernt – auch von Sue.

„Ein Pferd verändert nicht den Weg vor dir, aber es verändert die Art, wie du ihn gehst.“Ein Pferd nimmt uns das Leben n...
06/09/2026

„Ein Pferd verändert nicht den Weg vor dir, aber es verändert die Art, wie du ihn gehst.“

Ein Pferd nimmt uns das Leben nicht ab. Es räumt keine Hindernisse aus dem Weg, löst nicht unsere Probleme und bewahrt uns auch nicht vor falschen Entscheidungen. Die Höhen und Tiefen bleiben dieselben.

Und trotzdem verändert sich etwas.
Pferde lehren uns, genauer hinzuschauen. Sie machen uns geduldiger, ehrlicher und oft auch demütiger. Denn bei ihnen kommen wir mit einer guten Fassade nicht besonders weit. Sie reagieren nicht auf das Bild, das wir gern von uns zeigen möchten. Sie reagieren auf das, was wir in diesem Moment wirklich mitbringen.

Auf unsere Unruhe. Unsere Unsicherheit. Unsere Klarheit. Aber auch auf unsere Bereitschaft, zuzuhören und uns selbst zu hinterfragen.

Manchmal führt uns ein Pferd deshalb nicht schneller ans Ziel. Manchmal sorgt es sogar dafür, dass wir langsamer werden, Umwege gehen oder noch einmal ganz von vorn anfangen müssen. Doch genau auf diesen Umwegen lernen wir oft mehr über uns selbst als auf jeder geraden Strecke.

Ein Pferd verändert nicht immer unsere Lebensumstände. Aber es verändert unseren Blick darauf. Es lehrt uns, kleine Fortschritte wahrzunehmen, im Moment zu bleiben und nicht jede Schwierigkeit sofort als Scheitern zu betrachten.
Der Weg vor uns bleibt vielleicht derselbe. Aber wir gehen ihn bewusster, aufmerksamer und mit einem anderen Verständnis für das, was wirklich wichtig ist.

Und vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke, die uns ein Pferd machen kann.

Tommy Freundlich

Anlehnung – oft missverstanden und doch so wichtigAnlehnung entsteht nicht, wenn der Reiter den Pferdekopf an die Hand h...
05/09/2026

Anlehnung – oft missverstanden und doch so wichtig

Anlehnung entsteht nicht, wenn der Reiter den Pferdekopf an die Hand holt. Sie entsteht, wenn das Pferd den Weg zur Hand findet.

Kaum ein Begriff wird beim Reiten so häufig verwendet und gleichzeitig so unterschiedlich verstanden, wie die Anlehnung.

Für manche bedeutet sie, dass der Zügel möglichst kurz ist. Andere achten vor allem darauf, dass der Kopf des Pferdes senkrecht steht. Und wieder andere wollen am liebsten gar nichts in der Hand spüren, weil sie jede Verbindung sofort mit Druck gleichsetzen.

Doch Anlehnung ist weder ein festgehaltener Kopf noch ein durchhängender Zügel. Sie ist eine feine, elastische Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand.

Und diese Verbindung beginnt nicht vorne am Gebiss. Sie beginnt hinten.

Das Pferd tritt mit der Hinterhand nach vorn, der Rücken kann die Bewegung weiterleiten, der Hals darf sich tragen und das Pferd sucht von sich aus den Kontakt zur Hand. Die Hand empfängt diese Bewegung, sie stellt sie nicht her.

Genau darin liegt eines der größten Missverständnisse.

Viele Reiter versuchen, Anlehnung mit den Händen zu erzeugen. Der Zügel wird kürzer genommen, links und rechts wird eingewirkt, der Hals wird eingestellt und irgendwann sieht die Kopfhaltung so aus, wie man sie sich vorgestellt hat.

Aber eine gewünschte Halsform ist noch lange keine ehrliche Anlehnung.

Ein Pferd kann den Kopf scheinbar korrekt tragen und trotzdem den Rücken festhalten, mit der Hinterhand zurückbleiben oder sich hinter der Hand verstecken. Das Bild wirkt vielleicht ordentlich, doch die Verbindung durch den ganzen Körper fehlt.

Anlehnung ist deshalb kein Foto. Sie ist ein Bewegungsgefühl.

Eine gute Anlehnung fühlt sich lebendig an. Nicht schwer, nicht starr und nicht leer. Das Pferd bleibt mit der Hand in Verbindung, ohne sich auf ihr abzustützen. Es kann den Hals verlängern, ohne auseinanderzufallen, und sich wieder mehr aufnehmen, ohne dass der Reiter den Kopf nach hinten ziehen muss.

Das bedeutet auch, dass Anlehnung nicht in jedem Moment gleich aussieht oder sich gleich stark anfühlt. Sie verändert sich mit dem Ausbildungsstand, der Gangart, der Übung und dem Gleichgewicht des Pferdes.

Ein junges oder noch wenig ausbalanciertes Pferd braucht zunächst mehr Raum, um seinen Hals zur Stabilisierung zu nutzen. Es kann nicht von Anfang an die gleiche Selbsthaltung zeigen wie ein körperlich gut entwickeltes Pferd. Verkürzen wir seinen Hals zu früh, nehmen wir ihm oft genau das, was es braucht, um sein Gleichgewicht zu finden.

Auch „leicht in der Hand“ wird häufig missverstanden. Leichtigkeit bedeutet nicht, dass der Reiter überhaupt nichts mehr spürt. Eine Verbindung darf fühlbar sein. Entscheidend ist, ob sie elastisch bleibt und das Pferd jederzeit auf ein Nachgeben reagieren kann.

Eine Hand, die niemals nachgibt, ist keine Anlehnung. Sie ist eine Begrenzung ohne Ausgang.

Aber auch eine Hand, die jede Verbindung sofort wegwirft, hilft dem Pferd nicht unbedingt. Denn Anlehnung gibt Orientierung. Sie bietet einen verlässlichen Rahmen, in den das Pferd hineinreiten kann. Dafür muss die Hand ruhig sein, ohne starr zu werden, und nachgeben können, ohne die Verbindung vollständig zu verlieren.

Dabei spielt der Sitz eine ebenso wichtige Rolle wie der Zügel.

Ein Reiter, der im Becken festhält, mit den Oberschenkeln klemmt oder ständig hinter der Bewegung sitzt, kann mit noch so weichen Händen keine wirklich gute Anlehnung herstellen. Der Körper des Reiters beeinflusst den Rücken des Pferdes, und der Rücken beeinflusst wiederum, wie das Pferd an die Hand herantreten kann.

Deshalb lässt sich Anlehnung nicht isoliert an den Händen korrigieren.

Wenn das Pferd zu schwer wird, müssen wir uns fragen, warum es die Hand als Stütze braucht. Fehlt ihm Kraft? Ist das Tempo zu hoch? Kippt es auf die Vorhand? Stört unser Sitz sein Gleichgewicht?

Wenn es sich hinter dem Zügel verkriecht, sollten wir nicht automatisch noch mehr treiben. Vielleicht ist die Hand zu fest. Vielleicht wurde das Pferd darauf trainiert, dem Druck nach hinten auszuweichen. Vielleicht fehlt ihm das Vertrauen, den Kontakt ehrlich anzunehmen.

Und wenn es gegen die Hand geht, ist die Antwort nicht immer eine stärkere Hand. Manchmal zeigt uns das Pferd lediglich, dass der Weg nach vorn blockiert ist.

Für mich ist gute Anlehnung ein Dialog. Das Pferd sucht die Verbindung, der Reiter begleitet sie. Beide Seiten dürfen reagieren. Die Hand hört zu, statt nur Anweisungen zu geben.

Das Ziel ist nicht, dass das Pferd dauerhaft vom Reiter getragen wird. Es soll mit zunehmender Ausbildung immer mehr zu seinem eigenen Gleichgewicht und zu echter Selbsthaltung finden.

Anlehnung bleibt dabei bestehen, aber sie wird feiner.

**Die Hand darf dem Pferd einen Rahmen geben. Sie darf aber niemals der Rahmen sein, der das Pferd zusammenhält.**

Wie fühlt sich gute Anlehnung für euch an? Und wurde euch früher eher beigebracht, den Pferdekopf einzustellen, oder das Pferd von hinten an die Hand heranzureiten?

Tommy Freundlich

Weitere Tipps zum fairen und gesunden Reiten findest du in meinem Buch:

Reiten, Fair und Gesund

Dieses ist bei Amazon erschienen und du findest es wenn du Tommy Freundlich in die Suchleiste eingibst.

Bild ist durch KI entstanden, ganz einfach aus diesem Grund, weil ich gerade aus gesundheitlichen Gründen weder reiten noch Bilder erstellen kann.

Bodenarbeit mit Plan – aber nicht nach KalenderEin 4-Wochen-Leitfaden für junge und unerfahrene PferdeIch werde immer wi...
04/09/2026

Bodenarbeit mit Plan – aber nicht nach Kalender

Ein 4-Wochen-Leitfaden für junge und unerfahrene Pferde

Ich werde immer wieder gefragt: „Tommy, kannst du nicht einmal einen Trainingsplan für Bodenarbeit machen?“

Kann ich. Aber ich möchte gleich etwas Wichtiges vorwegschicken:

Ein Trainingsplan darf dir einen Weg zeigen. Er darf aber niemals wichtiger werden als das Pferd, das vor dir steht.

Pferde lernen nicht nach Kalender. Das eine versteht eine Aufgabe nach wenigen Minuten, das andere braucht mehrere Einheiten, bis es körperlich und mental wirklich verstanden hat, was wir von ihm möchten. Und manchmal ist genau das Richtige, einen Schritt zurückzugehen.

Die folgenden vier Wochen sind deshalb kein Programm, das abgearbeitet werden muss. Sie sind ein roter Faden für ein junges Pferd oder ein Pferd, das bisher wenig oder keine systematische Bodenarbeit kennengelernt hat.

Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viele Übungen abzuhaken. Es geht um etwas viel Wichtigeres:

Verständnis, Kommunikation, Körpergefühl und Vertrauen.

Woche 1 – Erst einmal miteinander klarkommen

In der ersten Woche möchte ich noch gar nicht viel vom Pferd. Ich möchte, dass wir lernen, uns gegenseitig zu lesen.

Annäherung, Berührung und Raum

Beginne mit einfachen Dingen. Annäherung, Berührung, wieder Abstand nehmen. Beobachte dabei dein Pferd.

Wie verändert sich sein Blick?
Wie steht es?
Wie atmet es?
Wird die Muskulatur fester?
Kann es wieder entspannen?

Gehe nicht erst dann einen Schritt zurück, wenn das Pferd deutlich ausweichen muss. Lerne, die kleinen Veränderungen vorher zu erkennen.

Ziel: Das Pferd soll erleben, dass seine Signale wahrgenommen werden und der Mensch verständlich und berechenbar handelt.

Führen ist bereits Ausbildung

Für mich gehört gutes Führen zur Grundschule jedes Pferdes.

Das Pferd sollte lernen, mit dir loszugehen, anzuhalten, die Richtung zu wechseln und dabei seinen eigenen Körper zu organisieren.

Gehe gerade Linien, große Bögen und einfache Wendungen. Verändere gelegentlich dein Tempo. Achte darauf, dass du dein Pferd nicht ständig am Strick korrigierst.

Die Frage lautet nicht nur:

„Folgt mein Pferd mir?“

Sondern auch:

„Habe ich ihm überhaupt rechtzeitig erklärt, wohin ich möchte?“

Gerade beim Führen beginnt gutes Timing.

Woche 2 – Aus Kommunikation wird Bewegung

Jetzt können wir beginnen, einzelne Körperbereiche bewusster anzusprechen.

Rückwärtsrichten

Rückwärtsrichten ist für mich keine Übung, um einem Pferd zu zeigen, „wer hier bestimmt“.

Es ist eine wertvolle koordinative Aufgabe.

Beginne mit wenig. Ein guter, ruhiger Schritt rückwärts ist mehr wert als fünf hektische Schritte.

Achte darauf, wann das Pferd sein Gewicht verlagert. Oft beginnt die richtige Antwort bereits, bevor sich überhaupt ein Huf bewegt.

Genau dort sollte deine Hilfe bereits leichter werden.

Nicht erst das fertige Rückwärts belohnen – sondern schon den richtigen Gedanken in die richtige Richtung.

Vorhand und Hinterhand bewegen

Nun kannst du beginnen, Vorhand und Hinterhand gezielt anzusprechen.

Dabei geht es nicht darum, das Pferd irgendwie seitwärts zu schieben. Achte darauf, wie es seine Beine setzt und ob es sich ausbalancieren kann.

Hier kommt für mich die Biomechanik ins Spiel.

Eine Hilfe kann nämlich vollkommen korrekt gemeint sein und trotzdem im falschen Moment kommen. Wenn das betreffende Bein gerade belastet ist, kann das Pferd unserer Aufforderung möglicherweise gar nicht sinnvoll folgen.

Eine feine Hilfe ist nicht nur eine kleine Hilfe. Eine feine Hilfe kommt auch im richtigen Moment.

Erste Kreisarbeit

Die Kreisarbeit sollte kein stumpfes Herumlaufen um den Menschen werden.

Beginne mit großen Linien, wenigen Runden und häufigen Pausen. Schritt reicht zunächst vollkommen aus.

Achte auf Rhythmus, Balance und darauf, ob dein Pferd seine Linie zunehmend selbst halten kann.

Woche 3 – Verständigung wird feiner

Jetzt geht es weniger darum, neue Übungen hinzuzufügen. Vielmehr wollen wir das verfeinern, was bereits vorhanden ist.

Übergänge

Schritt – Halt.
Halt – Schritt.
Später vielleicht Schritt – Trab und wieder zurück.

Versuche dabei, immer weniger machen zu müssen.

Nicht schneller reagieren bedeutet automatisch besser reagieren.

Ich möchte eine aufmerksame, ruhige und körperlich mögliche Antwort.

Gib deinem Pferd auch Zeit zum Nachdenken. Gerade junge Pferde brauchen manchmal einen Moment, um eine Information zu verarbeiten.

Seitwärtsbewegungen

Nun können erste seitliche Bewegungen hinzukommen.

Beginne mit wenigen Tritten. Qualität geht vor Quantität.

Beobachte die Beine deines Pferdes und lerne zu erkennen, wann du deine Hilfe geben musst, damit es sie biomechanisch überhaupt umsetzen kann.

Bodenarbeit ist für mich deshalb auch eine hervorragende Schule für den Menschen.

Wir lernen hinzusehen.

Kleine Hindernisse

Stangen, Pylonen, eine Plane oder ein schmaler Durchgang können jetzt eingebaut werden.

Aber bitte macht daraus keinen Muttest.

Das Pferd darf schauen. Es darf nachdenken. Es darf auch einmal stehen bleiben.

Unsere Aufgabe besteht nicht darin, das Pferd irgendwie über die Plane zu bekommen.

Unsere Aufgabe besteht darin, ihm zu helfen, eine Lösung zu finden.

Das Hindernis ist nicht die eigentliche Aufgabe. Die eigentliche Aufgabe ist die Kommunikation davor.

Woche 4 – Mehr Eigenverantwortung zulassen

In der vierten Woche möchte ich weniger bestimmen und mehr beobachten.

Kann mein Pferd inzwischen Aufgaben lösen, ohne dass ich jeden einzelnen Schritt kontrollieren muss?

Gelassenheit entwickeln

Neue Gegenstände, Geräusche und Situationen dürfen jetzt hinzukommen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, ein Pferd mit Reizen so lange zu konfrontieren, bis es irgendwann nicht mehr reagiert.

Gelassenheit entsteht nicht durch Aushalten.

Sie entsteht, wenn ein Pferd lernt:

Ich kann wahrnehmen, nachdenken und eine Lösung finden.

Gib deshalb Pausen. Lass das Pferd untersuchen. Nimm Intensität heraus, wenn sie zu hoch wird, und steigere Anforderungen erst, wenn dein Pferd wieder aufnahmefähig ist.

Ein kleiner Bodenarbeits-Parcours

Verbinde nun verschiedene bekannte Aufgaben miteinander:

Führen, Halt, Rückwärts, Stangen, Wendungen, Seitwärtsbewegungen oder einen Engpass.

Jetzt zeigt sich, ob die Grundlagen wirklich verstanden wurden.

Nicht Perfektion ist das Ziel.

Ich möchte ein Pferd sehen, das zuhört, mitdenkt und trotzdem eigene Verantwortung für seinen Körper übernehmen darf.

Raus aus dem Trainingsplatz

Wenn die Grundlagen funktionieren, gehen wir auch einmal woanders hin.

Ein Spaziergang über den Hof, ein anderer Platz oder ein ruhiger Weg können völlig neue Anforderungen darstellen.

Erwarte deshalb nicht, dass eine Übung, die auf dem bekannten Reitplatz funktioniert, an einem fremden Ort sofort genauso gut klappt.

Pferde müssen lernen, Bekanntes auf neue Situationen zu übertragen.

Und dafür brauchen sie Erfahrung.



Was mir bei allen vier Wochen wichtig ist

Timing vor Stärke.
Die Hilfe muss nicht nur verständlich sein, sondern auch zu einem Zeitpunkt kommen, an dem das Pferd sie körperlich umsetzen kann.

Nachlassen ist ein Teil der Hilfe.
Wer immer nur mehr macht, bringt einem Pferd vor allem bei, mehr auszuhalten. Gute Bodenarbeit lebt davon, dass wir im richtigen Moment wieder weniger werden.

Pausen gehören zum Training.
Eine Pause ist keine verlorene Trainingszeit. Oft verarbeitet ein Pferd genau dort das, was wir gerade erarbeitet haben.

Beobachten statt abarbeiten.
Schau nicht ständig auf deinen Plan. Schau auf dein Pferd.

Wiederholen ist kein Rückschritt.
Wenn Woche 1 bei deinem Pferd drei Wochen dauert, dann dauert sie eben drei Wochen.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt dieses gesamten Trainingsplans:

Dein Pferd kennt diesen Plan nicht.

Es weiß nicht, dass heute „Tag 5“ ist. Es weiß nicht, dass laut Plan heute Seitwärtsgehen auf dem Programm steht.

Es zeigt dir nur, was heute möglich ist.

Ein guter Horseman erkennt deshalb nicht daran, wie schnell er durch einen Trainingsplan kommt.

Sondern daran, ob er bereit ist, seinen Plan zu verändern, wenn das Pferd ihm zeigt, dass es einen anderen Weg braucht.

Der Plan gibt uns die Richtung.
Das Pferd bestimmt das Tempo.

Euer Tommy

„Manche Fortschritte sieht man nicht in Lektionen, sondern in dem Moment, in dem ein Pferd einfach bei dir bleiben möcht...
03/09/2026

„Manche Fortschritte sieht man nicht in Lektionen, sondern in dem Moment, in dem ein Pferd einfach bei dir bleiben möchte.“

— Tommy Freundlich

Führen beginnt nicht am StrickFühren gehört zu den Dingen, von denen fast jeder Pferdemensch sagt: „Das kann mein Pferd....
02/09/2026

Führen beginnt nicht am Strick

Führen gehört zu den Dingen, von denen fast jeder Pferdemensch sagt: „Das kann mein Pferd.“

Der Strick kommt ans Halfter, der Mensch läuft los und das Pferd kommt irgendwie mit. Schaut man genauer hin, sieht es häufig anders aus: Der Mensch zieht vorne, das Pferd schlurft hinterher. Oder das Pferd bestimmt das Tempo und der Mensch versucht dranzubleiben. Beim Anhalten läuft es noch ein paar Meter weiter und in der Wendung wird der Kopf mit dem Strick um die Ecke gezogen.

Ja, beide sind von A nach B gekommen. Aber geführt wurde dabei nicht besonders viel.

Genau dieses „Irgendwie-von-A-nach-B-Kommen“ beobachte ich auf allen meinen Kursen. Dabei ist gutes Führen keine nebensächliche Übung. Es ist eine Grundvoraussetzung für nahezu alles, was später mit dem Pferd gemacht werden soll. Es gehört in die Grundschule des Pferdes – und genauso in die Grundschule des Menschen.

Wir sprechen über Seitengänge, Gymnastizierung, Verladen, Gelassenheitstraining und feine Hilfen. Gleichzeitig können Mensch und Pferd oft noch nicht gemeinsam losgehen, das Tempo verändern, eine klare Linie halten und ruhig wieder anhalten, ohne ständig am Strick zu korrigieren.

Das passt für mich nicht zusammen.

Wer auf einer geraden Linie keine klare Richtung vermitteln kann, wird in einer engen Wendung nicht plötzlich verständlicher. Und wer sein Pferd beim Anhalten am Halfter festhalten muss, wird auch bei schwierigeren Aufgaben Probleme mit einem feinen Timing bekommen.

Für mich beginnt gutes Führen deshalb nicht in der Hand und auch nicht am Strick. Es beginnt mit einer einfachen Frage: Weiß ich selbst eigentlich, wohin ich möchte?

Viele Menschen laufen los, ohne ihrem Körper eine klare Richtung zu geben. Sie schauen ständig zum Pferd, gehen mal nach links und dann wieder nach rechts, verändern unbewusst ihr Tempo und ziehen zwischendurch am Strick. Das Pferd soll daraus erkennen, was gemeint ist.

Kann es natürlich nicht immer.

Dann heißt es schnell, das Pferd sei respektlos oder unaufmerksam. Manchmal ist es aber auch nur einem Menschen gefolgt, der selbst noch keine klare Linie hatte.

Wenn ich ein Pferd führe, suche ich mir zunächst einen Punkt, zu dem ich gehen möchte. Dorthin richte ich meinen Blick und meinen Körper. Dann gehe ich los. Nicht hektisch und nicht drohend, aber mit einer eindeutigen Absicht.

Der Strick ist dabei eine Sicherung und eine Möglichkeit zur Verständigung. Er ist aber kein Lenkrad, an dem ich das Pferd durch die Gegend ziehe.

Natürlich darf ich ihn benutzen, wenn mein Pferd nicht reagiert oder meinen persönlichen Raum überläuft. Die Hilfe sollte jedoch kurz und verständlich sein. Sobald das Pferd reagiert, wird meine Hand wieder ruhig und der Strick darf locker werden. Auch hier gehört das Nachgeben zur Hilfe.

In meinen Kursen sehe ich außerdem viele Menschen, die ihr Pferd beim Führen ununterbrochen anschauen. Nach jedem zweiten Schritt drehen sie sich um und kontrollieren, ob es noch da ist. Meistens ist es noch da. Es ist schließlich ein Pferd und kein Schlüsselbund, den man unterwegs verloren haben könnte.

Durch das ständige Umdrehen verändert der Mensch seine Schulterachse und damit seine Richtung. Manche laufen dabei halb rückwärts und erwarten trotzdem, dass das Pferd geradeaus und mit vernünftigem Abstand folgt.

Mein Pferd soll auf meine Bewegungsrichtung achten. Dafür muss ich ihm aber auch eine erkennbare Richtung anbieten.

Mein Quicktipp: Suche dir auf dem Platz oder auf einem sicheren Weg zwei deutlich erkennbare Punkte aus. Stelle dich mit deinem Pferd an den ersten Punkt. Der Strick hängt locker durch und wird nicht um die Hand gewickelt. Richte deinen Blick und deinen Körper auf den zweiten Punkt und gehe bewusst los.

Versuche, nicht sofort mit der Hand zu ziehen. Erst bewegt sich dein Körper, dann darf dein Pferd folgen. Reagiert es nicht, kannst du über den Strick eine kurze Einladung geben. Sobald es losgeht, wird die Verbindung wieder weich.

Achte darauf, ob dein Pferd eine passende Position neben dir halten kann. Es soll dich weder mit der Schulter verdrängen noch weit hinter dir hängen. Welche genaue Position du bevorzugst, kann unterschiedlich sein. Entscheidend ist, dass sie sicher, eindeutig und ohne dauernde Korrekturen möglich ist.

Am zweiten Punkt hältst du nicht zuerst mit der Hand an. Atme aus, werde langsamer und stoppe deine eigenen Füße. Gib deinem Pferd einen Moment, darauf zu reagieren. Erst wenn es weiterläuft, unterstützt du das Anhalten kurz über den Strick. Bleibt es stehen, wird deine Hand sofort wieder weich.

Wiederhole die Strecke und verändere zwischendurch dein Tempo. Dein Pferd soll nicht gedankenlos hinter dir herlaufen, sondern auf deine Bewegung achten und sich daran orientieren.

Das ist keine spektakuläre Übung. Aber gerade an solchen einfachen Dingen zeigt sich, wie verständlich unsere Körpersprache wirklich ist.

Gutes Führen bedeutet nicht, dass das Pferd willenlos hinter dem Menschen herläuft. Es bedeutet, dass es aufmerksam bleibt, den persönlichen Raum respektiert und einer klaren Richtung folgen kann, ohne bei jedem Schritt am Kopf korrigiert zu werden.

Führen ist Grundschule. Und nur weil eine Aufgabe einfach aussieht, ist sie noch lange nicht unwichtig.

Führung entsteht nicht dadurch, dass ich stärker ziehe. Sie entsteht, wenn meine Richtung so klar wird, dass Ziehen immer seltener nötig ist.

Wie ist es bei euch: Folgt dein Pferd deiner Richtung – oder kommt ihr manchmal auch nur irgendwie gemeinsam von A nach B?

Mehr Bodenarbeit findest du in meinem Buch:

Bodenarbeit im Sinne des Pferdes

Das Buch findest du bei Amazon

Wie viel Zeit geben wir einem Pferd für eine Antwort?Ich erlebe es auf fast jedem Kurs: Ein Mensch stellt seinem Pferd e...
01/09/2026

Wie viel Zeit geben wir einem Pferd für eine Antwort?

Ich erlebe es auf fast jedem Kurs: Ein Mensch stellt seinem Pferd eine Frage und noch bevor das Pferd überhaupt verstanden hat, worum es geht, wird die Hilfe wiederholt. Dann etwas deutlicher. Dann noch deutlicher. Und wenn immer noch nicht die gewünschte Reaktion kommt, heißt es schnell: „Es will nicht.“

Aber vielleicht wollte das Pferd sehr wohl.

Vielleicht brauchte es nur einen Moment, um die Frage zu verstehen, seinen Körper zu sortieren und eine passende Antwort zu finden. Oder die Hilfe kam in einem Augenblick, in dem das Pferd sie körperlich noch gar nicht umsetzen konnte.

Denn gutes Timing bedeutet nicht nur, eine Hilfe schnell oder deutlich zu geben. Es bedeutet vor allem, sie in dem Moment zu geben, in dem der Pferdekörper darauf reagieren kann.

Hier spielt die Biomechanik eine entscheidende Rolle.

Ein Pferd bewegt sich in einem ständigen Wechsel zwischen Belasten, Entlasten, Abfußen und Auffußen. Ein Bein, das gerade fest auf dem Boden steht und Gewicht trägt, kann nicht gleichzeitig leicht in eine andere Richtung gesetzt werden. Es muss zunächst entlastet werden. Erst dann kann das Pferd den Schritt ausführen, den wir von ihm erwarten.

Das lässt sich besonders gut bei der Bodenarbeit beobachten. Möchte ich beispielsweise die Hinterhand verschieben, muss das betreffende Hinterbein die Möglichkeit haben, sich zu lösen und in die neue Richtung zu treten. Gebe ich meine Hilfe genau in dem Moment, in dem dieses Bein stark belastet ist, kann das Pferd nicht sofort reagieren. Es braucht zumindest den nächsten passenden Schritt.

Viele Menschen warten diesen Schritt aber nicht ab. Sie verstärken ihre Hilfe, weil sie glauben, das Pferd ignoriere sie. Dabei haben sie lediglich in einem Moment gefragt, in dem die gewünschte Antwort biomechanisch noch nicht möglich war.

Das Pferd wird dann stärker gedrängt, obwohl es körperlich gerade gar nicht anders reagieren konnte.

Wir dürfen ein Pferd nicht für eine Antwort korrigieren, die wir ihm durch unser eigenes Timing beinahe unmöglich gemacht haben.

Auch unter dem Sattel ist das nicht anders. Eine Wendung, ein Seitwärtsschritt, ein Übergang oder eine Veränderung der Balance entsteht nicht unabhängig von der Bewegung des Pferdes. Der Pferdekörper muss sich vorbereiten, Gewicht verlagern, ein Bein entlasten und ein anderes übernehmen lassen.

Wenn ich gleichzeitig mit meiner Hand blockiere, mit meinem Sitz in eine andere Richtung schiebe und mit meinem Bein eine Bewegung verlange, bekommt das Pferd keine klare Frage. Es bekommt mehrere widersprüchliche Informationen.

Reagiert es darauf nicht sofort, sprechen wir trotzdem gern von Ungehorsam.

Dabei wäre die ehrlichere Frage häufig: Konnte mein Pferd meine Hilfe überhaupt verstehen und in diesem Moment körperlich umsetzen?

Wir Menschen sind oft schneller mit der nächsten Hilfe als das Pferd mit seinem Bewegungsablauf. Wir treiben nach, ziehen am Strick, verändern unsere Position oder erhöhen den Druck. Damit nehmen wir dem Pferd genau den Raum, den es zum Lernen braucht.

Nachdenken sieht bei einem Pferd zudem nicht immer spektakulär aus. Manchmal steht es einen kurzen Moment still. Ein Ohr bewegt sich. Der Blick verändert sich. Das Pferd atmet aus, verlagert sein Gewicht oder bereitet den nächsten Schritt vor.

Von außen wirkt es vielleicht, als passiere nichts. Im Pferd kann in diesem Augenblick aber sehr viel passieren.

Natürlich bedeutet Warten nicht, eine unklare Frage endlos stehen zu lassen. Und nicht jedes Zögern ist automatisch Nachdenken. Ein Pferd kann eine Aufgabe auch körperlich nicht bewältigen, Schmerzen haben, überfordert sein oder die Hilfe schlicht nicht verstanden haben.

Geduld allein ersetzt deshalb weder eine klare Hilfengebung noch Wissen über Bewegung und Biomechanik.

Aber bevor wir eine Hilfe verstärken, sollten wir prüfen, ob sie im richtigen Moment kam. Denn manchmal wartet das Pferd nicht deshalb, weil es nicht antworten möchte. Es wartet auf den Moment, in dem sein Körper antworten kann.

Zum guten Timing gehört außerdem nicht nur das Geben der Hilfe, sondern auch ihr Nachlassen.

Zeigt das Pferd den kleinsten Ansatz in die richtige Richtung, muss dieser Moment erkannt werden. Bleibt der Druck bestehen, obwohl das Pferd bereits versucht, richtig zu antworten, kann es nicht verstehen, welcher Teil seiner Reaktion gewünscht war.

Die Hilfe muss im richtigen Moment kommen, die Antwort muss Zeit bekommen und die Hilfe muss im richtigen Moment wieder verschwinden.

Das ist für mich gutes Timing.

Nicht schneller werden. Nicht stärker werden. Sondern genauer werden.

Die Pause ist dabei kein Loch im Training. Sie ist ein Teil der Kommunikation. Sie gibt dem Pferd die Möglichkeit, einen Zusammenhang zwischen unserer Frage, seiner Bewegung und dem Nachlassen der Hilfe herzustellen.

Ein Pferd, das immer sofort reagieren muss, lernt nicht automatisch besser. Es lernt möglicherweise nur, möglichst schnell irgendetwas zu tun, damit der Druck aufhört. Das ist etwas völlig anderes als echtes Verstehen.

Vielleicht sollten wir beim nächsten Zögern deshalb nicht sofort fragen:

„Warum verweigert mein Pferd?“

Sondern zunächst:

„Habe ich im richtigen Moment gefragt?“

„Konnte sein Körper meine Hilfe gerade umsetzen?“

„Habe ich ihm genügend Zeit für den nächsten passenden Schritt gegeben?“

Und:

„Habe ich seine kleinste richtige Antwort überhaupt erkannt?“

Gutes Timing bedeutet nicht, ein Pferd schnell zu machen. Es bedeutet, ihm im richtigen Moment eine faire Frage zu stellen.

Tommy Freundlich

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Reiten, Fair und Gesund

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