02/07/2026
Weil es in letzter Zeit leider immer häufiger vorkommt!
Heute möchten wir ein Thema ansprechen, das viele Tierhalter gar nicht mitbekommen – das uns als Haustierarztpraxis jedoch sehr beschäftigt.
Wenn wir einen Patienten in eine Tierklinik oder zu einer spezialisierten Überweisungspraxis schicken, geschieht das niemals, weil wir „nicht weiterwissen“ oder unsere Verantwortung abgeben möchten. Im Gegenteil.
Als First-Opinion-Praxis verfügen wir über umfangreiche diagnostische Möglichkeiten und behandeln den überwiegenden Teil unserer Patienten eigenständig. Gleichzeitig kennen wir unsere fachlichen, personellen und organisatorischen Grenzen. Genau deshalb gibt es spezialisierte Tierkliniken: für komplexe Operationen, stationäre Behandlungen oder weiterführende Diagnostik, die den Rahmen einer Haustierarztpraxis übersteigt.
Eine Überweisung ist daher kein Zeichen mangelnder Kompetenz, sondern Ausdruck verantwortungsvollen tierärztlichen Handelns.
Jede Überweisung erfolgt bei uns mit einer klaren medizinischen Fragestellung. Unsere Tierhalter werden ausführlich über die Gründe informiert. Sämtliche erhobenen Befunde, Laborergebnisse, Röntgenbilder oder weitere Untersuchungen werden der Tierklinik zur Verfügung gestellt, damit unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden und der Patient bestmöglich weiterbehandelt werden kann.
Ist eine Diagnose noch nicht eindeutig gesichert, kommunizieren wir dies selbstverständlich offen. Genau dafür erfolgt schließlich die Überweisung – damit spezialisierte Kolleginnen und Kollegen durch weiterführende Diagnostik eine Verdachtsdiagnose bestätigen, ausschließen oder erweitern können.
Leider erleben wir in letzter Zeit jedoch immer häufiger, dass Tierhalter nach einer Überweisung mit Aussagen zu uns zurückkehren, die uns nachdenklich stimmen.
Uns wird berichtet, es sei der Eindruck vermittelt worden, wir hätten Erkrankungen erkennen müssen, die zum Zeitpunkt der Überweisung medizinisch noch gar nicht eindeutig diagnostizierbar waren. Oder es wird suggeriert, wir hätten einen Patienten in einem aussichtslosen Zustand überwiesen oder offensichtliche Befunde übersehen.
Dabei wird häufig vergessen: Medizinische Entscheidungen werden immer auf Grundlage der Informationen getroffen, die zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegen. Im Nachhinein – wenn sämtliche Spezialuntersuchungen, CT-, MRT-, Endoskopie-, histologische oder weitere Befunde bekannt sind – erscheint vieles selbstverständlich. Zu dem Zeitpunkt, an dem ein Patient in unserer Praxis vorgestellt wird, liegen diese Informationen jedoch oftmals noch nicht vor.
Genau deshalb existiert das Prinzip der Überweisung.
Eine Überweisung dient dazu, Diagnosen abzusichern, Verdachtsdiagnosen weiter abzuklären und dem Patienten diagnostische sowie therapeutische Möglichkeiten zu eröffnen, die nur in einer spezialisierten Einrichtung verfügbar sind.
Was wir uns wünschen, ist eine kollegiale Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Dazu gehört aus unserer Sicht gegenseitiger Respekt vor der bereits geleisteten Arbeit, eine offene Kommunikation zwischen Praxis und Klinik sowie die Anerkennung, dass jede Tierärztin und jeder Tierarzt innerhalb seiner Möglichkeiten zum Wohl des Patienten handelt.
Sollte sich während der Untersuchung oder Behandlung in der Klinik eine völlig neue medizinische Situation ergeben oder eine wesentliche Änderung der diagnostischen oder therapeutischen Zielsetzung notwendig werden, würden wir uns über einen kurzen kollegialen Austausch freuen. Nicht aus Kontrolle, sondern weil eine gute Kommunikation die Versorgung unserer gemeinsamen Patienten verbessert.
Unsere Tierhalter schenken uns häufig seit vielen Jahren ihr Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht durch Ehrlichkeit, Transparenz und verantwortungsvolle Entscheidungen – auch dann, wenn diese Entscheidung eine Überweisung in eine spezialisierte Tierklinik bedeutet.
Wir möchten deshalb allen Tierhalterinnen und Tierhaltern mitgeben:
Eine Überweisung ist kein Zeichen von Unwissenheit oder Unsicherheit. Sie ist oftmals genau das Gegenteil – nämlich die verantwortungsvolle Entscheidung, einem Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
Am Ende verfolgen wir alle dasselbe Ziel: Nicht das Ansehen einer Praxis oder einer Klinik steht im Mittelpunkt, sondern das Wohl der Tiere.
Denn sie sind diejenigen, die auf unsere Zusammenarbeit angewiesen sind.