23/09/2026
BUCHTIPP: „Stress bei Hunden verstehen“ von Sophie Strodtbeck
Sophie hat uns mit ihrem Know How bei allen unseren bisherigen Trainerausbildungen unterstützt, weshalb wir uns besonders freuen, dass sie endlich ein so wichtiges Buch geschrieben hat und wir es vorab schon lesen durften:
Was den einen Hund stresst, ist für den anderen vielleicht das schönste Abenteuer seines Lebens.
Genau hier setzt Sophie Strodtbecks Buch „Stress bei Hunden verstehen“ an – und macht dabei vieles wohltuend anders.
Statt Stress pauschal zum Problem zu erklären, den Hund „stressresistent“ trainieren zu wollen oder jeden Auslöser akribisch auf die Liste der Dinge zu setzen, die unbedingt verändert werden müssen, richtet die Autorin den Blick auf das Entscheidende: den individuellen Hund.
Denn Hunde sind keine genormten Modelle.
Der eine liebt Trubel, Menschenmengen und Weihnachtsmärkte. Der andere würde einen solchen Ausflug vermutlich als mittelschwere Katastrophe verbuchen. Herr Maier, Sophie Strodtbecks legendärer Beagle, gehört offensichtlich zur ersten Kategorie – während ihre Chihuahuas das Thema Weihnachtsmarkt wohl deutlich anders beurteilen würden. 😄
Und genau darin liegt eine wichtige Erkenntnis:
Stress ist individuell.
Das Buch betrachtet deshalb nicht nur die unterschiedlichen Stressoren, sondern auch die Lebensgeschichte, Erfahrungen und Lebensbedingungen eines Hundes. Ein Hund aus einem behüteten Umfeld bringt andere Voraussetzungen mit als ein Hund aus einem südlichen Tierheim. Ein Straßenhund kann hervorragend an die Anforderungen seines bisherigen Lebensraumes angepasst sein – und trotzdem oder gerade deswegen Schwierigkeiten damit haben, in einer dicht besiedelten Stadt ständig Menschen und anderen Hunden ausweichen zu müssen.
Das macht ihn nicht automatisch „weniger stressresistent“.
Er ist schlicht an andere Stressoren angepasst.
Für die Hundehaltung steckt darin eine wichtige Botschaft: Vielleicht sollten wir unsere Erwartungen an unsere Hunde gelegentlich hinterfragen.
Denn wer glaubt, jeder Hund müsse freundlich zu jedem Menschen sein, alle Artgenossen toll finden, überall mit hinwollen, problemlos mitten ins Getümmel gehen und dabei auch noch jederzeit entspannt und gut gelaunt bleiben, glaubt vermutlich auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. 😉
Manchmal ist es eben nicht der Hund, der „repariert“ werden muss.
Manchmal dürfen wir einfach akzeptieren, dass unser Hund bestimmte Dinge nicht mag.
Er muss nicht partytauglich sein.
Er muss nicht jeden Menschen lieben.
Er muss nicht jeden Hund kennenlernen.
Und er muss auch nicht überall dabei sein.
Vielleicht bleibt er dann einfach zu Hause.
Natürlich kommt auch die Beschreibung der einzelnen Stressoren nicht zu kurz und Sophie Strodtbeck erklärt, was im Körper des gestressten Hundes passiert, wenn z.B. Schmerzen, eine passende Ernährung, die Entwicklung des Hundes – und vor allem ausreichend Schlaf nicht berücksichtigt wird. Gerade letzterer wird häufig unterschätzt und ist doch einer der Hauptgründe für gestresste, überdrehte und schwer entspannte Hunde. Die Essenz ist wohltuend klar: Weniger ist mehr. Nicht noch mehr Training für einen ohnehin aufgedrehten Hund, sondern das Erlernen von echter Entspannung – einfach mal gemeinsam runterfahren.
Für Hundetrainer:innen ist das Buch besonders wertvoll und die übersichtlichen Zusammenfassungen am Ende erleichtern sowohl die Diagnostik als auch die Auswahl sinnvoller Maßnahmen zur Stressreduktion.
Der Perspektivwechsel und das komprimierte Wissen im Buch sind ausgesprochen wertvoll: weniger Erwartungshaltung, mehr Beobachtung. Weniger „Das müssen wir noch trainieren“, mehr echtes Einlassen auf den Hund.
Und manchmal ist die beste Maßnahme erstaunlich simpel:
Gemeinsam durchatmen. Ruhe einkehren lassen. Nichts erzwingen.
Denn nicht jeder Stressor muss bearbeitet werden. Manche verschwinden bereits dann, wenn wir aufhören, aus jedem Unterschied eine Baustelle zu machen.
Unser Fazit
„Stress bei Hunden verstehen“ ist ein wohltuend anderes Buch, weil es nicht ständig nach dem nächsten Problem sucht. Es lädt dazu ein, Hunde individueller zu betrachten, ihre Lebensgeschichte ernst zu nehmen und die eigenen Erwartungen zu hinterfragen.
Ein Buch für mehr Verständnis, mehr Gelassenheit und vielleicht auch ein bisschen weniger Perfektionismus in der Hundehaltung.
Und dafür gibt es von uns ein ganz klares:
Lesenswert!
Danke, Sophie Strodtbeck, für klare, ehrliche und wunderbar befreiende Gedanken.
Denn manchmal müssen wir unseren Hund nicht verändern.
Wir müssen ihn einfach besser verstehen.
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