06/09/2026
PHARAONENHUND – „ICH HOLE MIR MEINEN APPLAUS SELBST“
Wer einen Pharaonenhund einzieht, merkt schnell: Hier zieht kein Hund ein, sondern ein ägyptischer König im Homeoffice, der gerade festgestellt hat, dass der Service stark zu wünschen übrig lässt.
Entstanden auf Malta als Jagdhund, der vor allem für die Kaninchenjagd in unbarmherzigem Terrain eingesetzt wurde, bringt er eine Eleganz mit, die täuscht.
Unter der seidenweichen, rehbraunen Haut und den riesigen, wie Radarschüsseln aufgestellten Ohren steckt kein feines Schoßhündchen, sondern ein Vollblutjäger, der mit rasanter Geschwindigkeit und einer genialen Kombination aus Nase und scharfem Blick arbeitet.
Er will nicht stumpf „gehorsam“ sein. Er will selbst entscheiden, ob die Idee seines Menschen gerade auch nur ansatzweise so brillant ist wie seine eigene.
Draußen im Gelände wird das sofort sichtbar. Taucht Wild auf, schaltet er nicht auf den willenlosen Arbeitsmodus eines klassischen Gebrauchshundes, sondern auf pure, unabhängige Autarkie.
Der Pharaonenhund kommuniziert stark über Kopf, Blickrichtung, Ohrenstellung und seinen gesamten Vorderkörper.
Viele HalterInnen kennen dieses typische Bild: Er friert kurz ein, die riesigen Ohren stellen sich wie Antennen auf, der Blick spannt sich an – und eine halbe Sekunde später startet der Antrieb. Seine Antennen scannen den Horizont, die bernsteinfarbenen Augen fixieren jede Bewegung, und im Bruchteil einer Sekunde jagt er los.
Die Kunst besteht nicht darin, diese feine Kommunikation zu unterdrücken, sondern sie durch eine gute Vorderführung kontrollierbar zu halten: Taucht ein neuer Reiz auf, geht der Blick des Hundes rechtzeitig zum Menschen, statt ungesichert nach vorn zu preschen.
So lernt er, Reize zu registrieren, ohne dass aus konzentrierter Beobachtung sofort eine unkontrollierte Verfolgungsjagd wird.
Ein klassischer Rückruf auf Zuruf? Kann gut funktionieren, sofern der Reiz nicht allzu verlockend ist. Ist allerdings etwas Spannenderes im Spiel, wägt er sehr genau ab, ob deine Einladung gegen einen frisch entdeckten Hasen eine reelle Chance hat. (Hat sie meistens nicht.)
Wer bereits Windhunde kennt, erwartet oft die gelassene Würde eines Greyhounds oder die feine Zurückhaltung eines Salukis. Der Pharaonenhund hat davon durchaus etwas – und fügt dann noch eine ordentliche Portion maltesischen Humor hinzu.
Er ist oft verspielter, ausdrucksstärker und deutlich bereitwilliger, seine Menschen in seinen täglichen Unsinn einzubeziehen.
Drinnen im Haus fällt der Vorhang – und die absolute Show beginnt.
Der Pharaonenhund verfügt über ein erstaunlich ausdrucksstarkes Gesicht. Manche Exemplare beherrschen bei großer Freude sogar das berühmte „Pharaonenhund-Grinsen“: Sie ziehen die Lefzen nach oben und zeigen dabei ihre Zähne.
Wer das nicht kennt, erschrickt im ersten Moment vielleicht. Wer ihn kennt, weiß: Das ist sein stolzes, charmantes Lächeln, mit dem er dir zeigt, wie absurd er deine Versuche findet, ihn zu erziehen.
Er ist ein Meister der strategischen Platzierung. Er liegt nicht einfach im Weg; er inszeniert sich auf dem Sofa, auf dem Sessel oder am liebsten direkt auf dem weichsten Kissen, weil er genau weiß, dass die Farbe seines Fells perfekt mit dem Interieur harmoniert.
Und wehe, es gibt Futter oder ein Highlight: Dann tanzt er einen unvergleichlichen Stepptanz aus purem Temperament, bei dem alle viere gleichzeitig in der Luft hängen.
Und dann gibt es noch dieses kleine Wunder, das viele Menschen beim ersten Mal für einen Mythos halten: Freut sich the Pharaonenhund besonders, können Nase und Ohren tatsächlich rosig anlaufen. Die Haut errötet buchstäblich durch die stärkere Durchblutung – als hätte er beschlossen, seine Emotionen künftig nicht nur zu zeigen, sondern gleich zu beleuchten.
Gleichzeitig ist er ein hochsensibles Wesen. Harte Worte, grober Tonfall oder roher Druck prallen nicht an ihm ab – sie lassen ihn schlicht dichtmachen.
Er ist kein Hund, bei dem blinder Gehorsam besonders weit trägt; er arbeitet am besten mit dir, wenn du fair, klar und souverän bleibst. Wer ihn in sein Herz schließt, bekommt keinen devoten Schatten, sondern einen stolzen, feinsinnigen Partner auf Augenhöhe.
Und irgendwann merkt man, dass hinter all der Eigenständigkeit, dem Unsinn und der kleinen aristokratischen Attitüde eine erstaunlich enge Bindung steckt.
Er weiß genau, wer zu ihm gehört.
Und er zeigt dir das auch – auf seine ganz eigene, ziemlich selbstbewusste Art.
Denn ein Pharaonenhund wartet nicht darauf, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt. Er sorgt schon selbst dafür, dass man ihn bemerkt.
Vorderführung: www.der-hundegefaehrte.de
Systemische Verhaltensanalyse: www.der-hundegefaehrte.de/pro
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