02/10/2026
Sehr gut geschrieben 😉
Abbruchsignale unter Hunden: Momentaufnahmen statt Trainingsmethoden
„Hunde machen das untereinander auch.“ Mit diesem Satz werden Schnauzgriffe, Rempler oder körperliches Bedrängen im Hundetraining gern gerechtfertigt. Doch wer eine Handlung bei Hunden beobachtet, hat damit noch keine brauchbare Erziehungsmethode entdeckt.
Natürlich weisen Hunde aufdringliche Artgenossen manchmal deutlich ab. Was dabei passiert, gehört jedoch zu einer konkreten Begegnung mit einer Vorgeschichte, einer Beziehung und vielen begleitenden Signalen. Vielleicht möchte der Hund einfach seine Ruhe haben oder einen unangenehmen Kontakt beenden. Daraus lässt sich weder eine pädagogische Absicht noch eine allgemeine Anleitung für Menschen ableiten.
Vor allem ist die Hand eines Menschen kein Hundefang. Dass uns ein Griff an eine Handlung zwischen Hunden erinnert, bedeutet nicht, dass der Hund darin dieselbe Mitteilung erkennt. Studien zeigen, dass Hunde auf Menschen und Artgenossen unterschiedlich reagieren. Eine unveränderte Übertragung hundlicher Kommunikation können wir deshalb nicht einfach voraussetzen.
Auch wenn der Hund anschließend sein Verhalten einstellt, ist damit wenig geklärt. Er könnte erschrocken sein, unangenehmen Kontakt vermeiden oder körperlich eingeschränkt worden sein. Dass etwas aufhört, beweist noch nicht, dass der Hund verstanden hat, welches Verhalten wir uns wünschen.
Hunde zu beobachten hilft uns, ihre Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen. Es berechtigt uns aber nicht, ihre körperlichen Abwehrhandlungen nachzuahmen und als „hundegerechte Erziehung“ zu verkaufen. Trainingsmethoden müssen sich daran messen lassen, was sie beim Hund bewirken und welche Folgen sie haben. „Hunde machen das auch“ ist dafür keine ausreichende Begründung.
Wer Hunde verstehen möchte, sollte aus ihren Konflikten keine Gebrauchsanweisung für die eigenen Hände machen.
Copyright Thomas Riepe 2026 - Text darf geteilt und verlinkt werden, aber nicht kopiert werden. Das Bild wurde mit KI erstellt.