Kinder-und Tierschutz-Hof Hahnenberg e.V.

Kinder-und Tierschutz-Hof Hahnenberg e.V. Beratung, Vermittlung, Aufnahme von Nottieren, Hundetraining, Pension, tiergestützte Aktivitäten

Wenn das Veterinäramt versagt - der Umgang mit gefährlich festgestellten Hunden Der Fall um die drei als gefährlich fest...
12/06/2026

Wenn das Veterinäramt versagt - der Umgang mit gefährlich festgestellten Hunden

Der Fall um die drei als gefährlich festgestellten Staffordshire-Mischlinge, die letzte Woche einen Jugendlichen schwer verletzten, sorgt aktuell für viel Gesprächsstoff - und für einige unbequeme Fragen.

Als Tierschutzverein interessiert uns dabei vor allem:

Warum hat das zuständige Veterinäramt hier versagt?

Warum wurde der Verbleib der Hunde nicht überprüft?

Wie konnten die Tiere an ihrem ehemaligen Wohnort (!) einen Menschen angreifen und schwer verletzen, obwohl sie laut Angaben der Halterin bereits vor Jahren außerhalb Niedersachsens beziehungsweise außerhalb Deutschlands untergebracht worden waren?

Nach unseren Informationen begann die Entwicklung bereits deutlich früher:

Die Hundehalterin hatte einen eigenen Wurf mit Staffordshire-Terrier-Mischlingen.
Drei Geschwister wurden behalten.
Bereits in jungen Jahren zeigten die Hunde deutlich auffälliges Verhalten.
Und genau hier hätte aus unserer Sicht angesetzt werden müssen.

Prävention statt Reaktion!

Denn: Verhalten ist nicht einfach „da“.
Problematisches Verhalten entsteht nicht einfach plötzlich, es entwickelt sich, über Monate.
Bereits die Haltungsbedingungen und bekannte Vorgeschichte hätten aus unserer Sicht Anlass für eine engmaschige verhaltensfachliche Begleitung geben müssen - Stichwort Koalitionsverhalten unter Geschwistertieren.
Frühzeitige Beratung, Managementmaßnahmen und Training hätten die Chancen definitiv erhöht, eine solche Entwicklung rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Über die Entstehung solcher Verhaltensprobleme und die Bedeutung von Prävention möchten wir in einem gesonderten Post noch ausführlicher berichten.

Denn der aktuelle Fall zeigt beispielhaft, was passieren kann, wenn auffälliges Verhalten zwar registriert, die eigentliche Ursache jedoch nicht ausreichend betrachtet - und behördliche Ressourcen fehlerhaft priorisiert werden.

Bekannt ist, dass die drei Geschwister schon im Jahr 2021 für Beißvorfälle sorgten, auch gegenüber fremden Menschen.
Sogar die Staatsanwaltschaft ermittelte damals.
Geschehen ist nichts.
Keine präventiven Maßnahmen.
Zum Beispiel in Form einer sachkundigen Verhaltensanalyse und Gefährlichkeitsprognose, aufgrund der komplexen sozialen Dynamik unter Geschwistertieren.

Die zuständige Behörde - das Veterinäramt Nienburg/Weser - stellte lediglich Anfang 2022 - also nach mehreren Vorfällen - alle drei Hunde als gefährlich fest.

Was das konkret bedeutet hat unser Bloggerhund Franz schon einmal sehr lang und ausführlich ausgearbeitet. In:
„Auf die Spritze fertig los! Die Wahrheit über das niedersächsische Hundegesetz!“

Laut Behörde wurden die Tiere trotz der Vorfälle und der Gefährlichkeitsfeststellung aber nicht entzogen, da die „Gesetzeslage dies nicht vorsehe“.
Aus unserer Sicht greift diese Erklärung jedoch definitiv zu kurz.

Das Niedersächsische Hundegesetz stellt sehr hohe Anforderungen an die Haltung gefährlich festgestellter Hunde. Neben der Zuverlässigkeit des Halters spielen auch die persönliche Eignung sowie die konkreten Haltungsbedingungen eine wichtige Rolle.

Gerade bei mehreren gemeinsam gehaltenen, bereits auffällig gewordenen Hunden stellt sich deshalb die Frage, ob die vorhandenen Maßnahmen ausreichend waren, um weitere Vorfälle zu verhindern.

Erst nachdem zwei der drei Hunde, den für die Haltererlaubnis benötigten Wesenstest nicht bestanden hatten, wurde die weitere Haltung dieser Tiere behördlich untersagt.

Und das nicht grundlos:
Der Wesenstest dokumentiert, dass der Hund zum Zeitpunkt der Prüfung in der konkreten Situation ein (behördlich) relevantes Gefährdungspotential gezeigt hat.
Das bedeutet: der Hund ist nicht sicher von seinem Halter zu führen.

Wichtig: Ein Wesenstest beschreibt aber keinesfalls die gesamte Persönlichkeit des Hundes und bedeutet nicht, dass der Hund „immer gefährlich“ ist. Hundeverhalten ist niemals statisch, sondern immer abhängig von Situation, Umwelt und den beteiligten Menschen.

Genau deshalb fordern wir als Tierschützer seit Jahren, dass das NHundG weiter entwickelt werden muss. Die moderne Verhaltensbiologie zeigt, dass Hunde eben keine bloßen „Reiz-Reaktions-Maschinen“ sind, sondern hochsoziale Tiere, deren Verhalten immer im Kontext betrachtet werden muss.
Das heißt: eine Aggression mit Beschädigungsabsicht könnte auch in der individuellen Mensch-Hund-Beziehung begründet sein.

Der nicht bestandene Wesenstest hat in Niedersachsen enorme Folgen für die betreffenden Hunde und Halter:
eine Haltungserlaubnis darf von der zuständigen Behörde nicht erteilt werden.
Das bedeutet: ein striktes Haltungsverbot für den Besitzer.
Normalerweise wird in solchen Fällen eine sofortige Sicherstellung angeordnet.
Es greift die Gefahrenabwehr.

Laut Aussage der Halterin hat sie die Hunde aber selber untergebracht. Das ist menschlich gesehen verständlich und nachvollziehbar - den eigenen Hunden das Tierheim ersparen zu wollen.
Und auch juristisch ist es tatsächlich möglich, aber nur unter extrem strengen Bedingungen:

Die Behörde muss die Vermittlung beziehungsweise den Verbleib der Hunde absolut und lückenlos überprüfen.
Und: bei einem gefährlich festgestellten Hund der den Wesenstest nicht bestanden hat, ist eine private Weitergabe nicht frei zulässig.
Der Verbleib des Hundes unterliegt strenger behördlicher Kontrolle und Genehmigung.
Die zuständige Behörde ist also verpflichtet, den Verbleib der Tiere nachzuvollziehen und vor allem zu prüfen, ob eine geeignete und sachkundige Unterbringung erfolgt ist.

Auch eine Unterbringung in anderen Bundesländern ist nur nach entsprechender behördlicher Abstimmungen und Nachweise möglich.
Damit soll verhindert werden, dass solche Hunde „verschwinden“ und ohne Kontrolle in ungeeignete Hände gelangen.

Laut Berichten habe die Halterin 2023 (!) gegenüber der Behörde angegeben, beide Tiere abgegeben zu haben.
Gerade bei gefährlich eingestuften Hunden mit nicht bestandenen Wesenstest wirft das jedoch die Fragen auf, wie der weitere Verbleib überprüft wurde und ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die neue Unterbringung vorlagen.
Nach Angaben des Landkreises erfolgten weder Nachkontrollen, noch eine Überprüfung der neuen Halter!
Mit der Mitteilung über die Abgabe der Hunde war das Verfahren beendet.
Akte zu und fertig.

Und genau das führt uns zu einem viel größeren Problem:
denn selbst nach der Gefährlichkeitsfeststellung und dem aktuellen Vorfall wurde der dritte Hund bei der Halterin belassen (laut Landkreis werde der Widerruf der bestehenden Haltererlaubnis „vorbereitet“).

Warum der gefährliche Hund nicht sofort behördlich untergebracht wurde?
Weil geeignete Einrichtungen fehlen.

Gleich drei gefährlich festgestellte Hunde unterzubringen, ist für eine Behörde eine große Herausforderung.
Bundesweit fehlen geeignete Unterbringungsmöglichkeiten.

Und genau das wirft aktuell ziemlich unangenehme Fragen für eben diese Behörde auf, besonders was die Verhältnismäßigkeit angeht:

Wie werden behördliche Ressourcen im Tierschutz eigentlich priorisiert?
Werden sie dort eingesetzt, wo sie den größten Beitrag zum Schutz von Mensch und Tier leisten?

Und wer trägt die Verantwortung, wenn gefährlich eingestufte Hunde mangels geeigneter Plätze nicht sachkundig untergebracht werden können?

Seit Jahren weisen wir auf die Probleme im Umgang mit verhaltensauffälligen und schwierig unterzubringenden Hunden hin, zeigen auf welch große Konsequenzen fehlende Unterbringungen für die Allgemeinheit, andere Tiere und für den betreffenden Hund selbst bedeuten.

Gleichzeitig erleben wir, mit welchem personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwand gegen Tierschutzeinrichtungen vorgegangen werden kann.

Und deshalb wirft der aktuelle Fall so große Fragen auf:
nach welchen Maßstäben werden Risiken bewertet?
Wie kann es sein, dass bei bekannten Vorfällen über Jahre keine wirksame Lösung gefunden wurde,
während gleichzeitig erhebliche Ressourcen für Verfahren gegen genau die Personen, die das System doch eigentlich so dringend braucht, eingesetzt werden?

Die aktuellen Vorkommnisse zeigen deshalb nicht nur behördliches Fehlverhalten. Er macht ein großes strukturelles Problem in Deutschland sichtbar:
Gefährliche Hunde entstehen nicht erst am Tag eines (Beiß)Vorfalls.
Sie (nur) zu verwahren löst die Probleme nicht.
Es schafft neue.

Denn ihre Geschichte beginnt viel früher.

Monate oder Jahre früher.

Und da müssen wir anfangen.

Prävention, Fachwissen, Intensivtraining, Schulung von Hundehaltern und Behördenmitarbeiter, geeignete Unterbringungsmöglichkeiten, fachliche Resozialisierung und eine sinnvolle Priorisierung der vorhandenen Ressourcen sind keine Nebensächlichkeiten.

Sie sind aktiver Schutz von Mensch und Tier.

Und das fordern wir.

Die Harke - Nienburger Zeitung
Mindener Tageblatt
Landwirtschaftsministerium Niedersachsen





Bild: Konfliktverhalten unter Geschwistertieren

Augustin - heute wirst du schon 2. Happy Birthday, kleiner Wolf ❤️ Zwei Jahre - was hast DU uns in dieser Zeit gelehrt u...
10/06/2026

Augustin - heute wirst du schon 2.
Happy Birthday, kleiner Wolf ❤️

Zwei Jahre - was hast DU uns in dieser Zeit gelehrt und beigebracht.
Nicht hundert Bücher können das leisten.
Auch nicht die vielen tausend Hunde konnten uns das lehren, was du uns lehren kannst.

Du bist einfach außergewöhnlich. Besonders.
Damit meinen wir deine größte Stärke - die soziale Kompetenz.
Du zeigst uns vor allem die Seite, die die meisten Menschen beim Wolf übersehen.
Das soziale Familientier. Das stets bemüht ist, sich um seine Familie zu sorgen.

Und genau das hast du uns in den letzten 2 Jahren beigebracht:
wie wichtig - auch für uns Menschen - soziale Beziehungen sind.
Was soziale Kompetenz bedeutet.

Da macht dir keiner was vor.
Du bist einfach bemerkenswert sozialkompetent.
Deine besondere Fähigkeiten auf soziale und emotionale Spannung zu reagieren, beeindruckt nicht nur uns - auch deine Artgenossen.

Du regulierst die Gestressten.
Versuchst traumatisierte Hunde zu heilen.
Bist den Unerfahrenen eine Stütze.
Adoptierst Welpen in Not.
Fürsorgst, lernst, und spielst geduldig mit den Jüngsten.
Der Nanny-Job ist deine absolute Berufung.
Du stoppst Eskalationen, und zeigst dass Stärke nicht bedeutet, jeden Konflikt zu gewinnen.
Rettest Welpen aus dem Pool und beschützt diese vor allem Fremden.
Unterstützt Kinder ihre Angst vor dem Wolf und Hund zu überwinden.
Hilfst deinen Menschen aufzustehen, wenn doch mal die Kraft fehlt.
Und du sorgst dich um deine Ponys - siehst sie als Teil deiner Familie und spielst täglich mit ihnen.

Und noch etwas kannst du:
Du kannst zeigen wie der Wolf wirklich ist.
Du kannst Menschen begeistern.
Millionen Menschen, lieber Augustin!
Und ihnen erzählen wie der Wolf und der Hund spricht. Zum Beispiel, dass Knurren Teil eurer Kommunikation ist.
Und so kannst du uns alle zu viel besseren Hundemenschen und auch Tierschützern machen.

Ja, du bist besonders, und auch wieder nicht, denn all das ist doch das wahre Wesen des Wolfes.
Nicht die reißende Bestie, sondern hochsoziale, fürsorgliche und emotional intelligente Tiere.

Unser Leben hast du auf eine Weise bereichert, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Dabei stand dein Leben hier von Anfang an unter ganz anderen Erwartungen:

Du solltest unverträglich mit intakten Rüden werden.
Du solltest die kleinen Dackel fressen.
Du solltest (erwachsen) gefährlich werden.
Du solltest keine Hundegruppen aushalten.
Du solltest kein Sozialverhalten wie Hunde zeigen.
Du solltest ausbrechen.
Du solltest Zäune überwinden.
und Du solltest das Haus und die Hofeinrichtungen zerstören.

Nichts von all dem ist eingetreten.
Stattdessen hast du uns etwas viel Wichtigeres gezeigt:
wie stark Haltungsbedingungen Entwicklungen und Verhalten beeinflussen (können).
Dass die übliche Gehegehaltung von Hybriden und Wolfhunden nicht - nicht annähernd - euren wahren Charakter gedeihen und entfalten lässt.
Aus ganz ähnlichen Gründen entstand vor vielen Jahrzehnten die sogenannte „Dominanztheorie“, die für so viel Leid bei unseren Hunden sorgte.
Und genau so entstehen auch die Mythen und Verzerrungen über Wölfe und Wolfhunde, die als soziale Tiere unbedingt soziale Beziehungen - und nicht Gitterstäbe - brauchen.

Lieber Augustin, wir danken dir, dass du so bist wie du bist - und vor allem: bei uns bist.
Du hast uns gezeigt, was echte Bindung ist
❤️❤️❤️

Deinen Wurfgeschwistern wünschen wir natürlich auch einen wunderschönen 2. Geburtstag - Happy Birthday!!

09/06/2026

Die Sache mit der Rangordnung …
Oder
Wenn Jule Augustins Versteck entdeckt …

in den letzten Tagen haben wir wieder so wunderbare Videos für euch aufnehmen können - wie dieses hier.

Es zeigt uns nämlich etwas Wichtiges, und zwar, dass die Frage nicht „Gibt es eine Rangordnung?“ heißen sollte - sondern
„Wozu gibt es die - beziehungsweise soziale Beziehungen?“.

Und genau hier seht ihr die Antwort!

Rangbeziehungen verhindern Konflikte!
Stellt euch vor, jeder Hund würde ständig versuchen, sich gegen jeden anderen durchzusetzen. Das wäre Chaos! Und sehr gefährlich!

Soziale Hierarchien dienen deshalb nicht dazu „Macht auszuüben“ oder andere zu unterdrücken, sondern um Eskalationen möglichst zu vermeiden - und um anzuleiten!

Doch was sehen wir hier ?
Wir sehen im Video, dass nicht jeder Hund den gleichen Anspruch auf Ressourcen hat. Was wir aber besonders schön sehen, dass diese Beziehungsdynamiken flexibel sind.
Das heißt, dass sie immer kontext- und situationsabhängig sind und es vor allem um gegenseitigen Respekt geht.
Gut zeigt euch das hier unser Augustin. Durch seine soziale Reife hat sich seine Rangbeziehung zu den verschiedenen Hunden deutlich verändert - das hat nichts mit „Dominanz“ zu tun. Sondern mit individuellen Stärken, Schwächen, und sozialer Kompetenz.
Er zeigt Faxe gegenüber deutlich deeskalierende Demut - Ich will keinen Konflikt - Mikkel gegenüber stellt er aber klar, dass er mittlerweile höhere Ansprüche hat.
Franz ist nach wie vor der Hund mit dem höchsten sozialen Einfluss in der Gruppe.
Er kann also die Ressource kontrollieren.
Doch die spannendste Frage ist vielleicht die: will er damit für Ordnung sorgen oder nur den Knochen fressen?

Was wir hier unbedingt noch erwähnen möchten, ist Folgendes: dass die anderen Hunde gelernt haben, abzuwarten, Frust auszuhalten, und Konflikte nicht eskalieren zu lassen … das bedeutet soziale Kompetenz!

Wie Augustins soziale Reife in der Gruppe ankommt, und warum das gerade mit Matti etwas stärker ist, zeigen wir euch noch in anderen Clips.

Ach so, über Food Caching haben wir hier schon mal was gepostet:

Deutschland, deine Hunde … und was passiert jetzt mit Fine? Vermittlungsversuch - Viele Menschen haben unseren Beitrag z...
08/06/2026

Deutschland, deine Hunde … und was passiert jetzt mit Fine?

Vermittlungsversuch -

Viele Menschen haben unseren Beitrag zu Fine gelesen, geteilt und kommentiert.
Und genau das war ja auch unser Anliegen:
dass gerettete Hunde in Deutschland nicht einfach „verschwinden“.

Auf eure Fragen und persönliche Nachrichten möchten wir natürlich gerne noch weiter eingehen. Und der Post wird auch noch einige Folgepost bekommen wie zum Beispiel:

Was bedeutet Auslandstierschutz für Deutschland?

Und was haben die Auslandshunde unseren deutschen Hunden „voraus“?

Am Wichtigsten ist jetzt aber erstmal Fine.

Denn Fine soll unbedingt ihre Chance bekommen!

Es kann nicht sein, dass Deutschland an Hunden wie Fine scheitert, aber der reaktionsstarke XL AmBully oder territorialmotivierte Cane Corso im wahrsten Sinne zur „Massenware“ wird -

Ja, Fine ist traumatisiert. Ja Fine ist depriviert.
Aber dennoch ist Fine nicht unvermittelbar!

Sie hat lediglich - im Shelter UND nach ihrer Rettung - wichtige Überlebensstrategien entwickeln müssen.

Und genau darüber wollen wir heute sprechen. Über diese Strategien.
Genauer gesagt über die Menschen, die Fine nicht weitere Überlebensstrategien, sondern LEBENS-Strategien aufzeigen können.
Wie hier bei uns. Hier zeigt sich Fine nämlich von einer ganz anderen Seite.

Das Problem ist:
Hundeverhalten ist nicht einfach „da“.
Es ist immer abhängig vom Kontext.

Ein unverträglicher Hund ist nicht immer unverträglich. Verhalten wird ständig angepasst, an Artgenossen, an die Umgebung und Umwelt, aber vor allem … an uns!

Ja an uns: Hunde zeigen in unterschiedlichen sozialen Rahmen (Menschen!) unterschiedliches Verhalten. Punkt.

Warum das so ist, führt uns zu einem viel größeren Thema als depriviertes Aufwachsen. Da geht es in die Richtung Domestikation, Bindung, soziales Referenzieren, wie Hunde lernen und Beziehungssysteme …
Das verschieben wir aber noch ein bisschen …

Für Fine hier müssen wir erstmal nur wissen, dass ihr Verhalten abhängig vom Menschen, und daher vor allem auch nicht „löschbar“ ist. Wir können Fine nicht einfach „zurücksetzen“, „neu programmieren“, und sie nochmal vermitteln. Aber was wir können, ist die genau passenden Menschen für sie zu suchen …

Vielleicht DICH?
EUCH?

Menschen, die verstehen, dass Fine sich im Shelter selbst helfen und schützen musste.
Die verstehen, dass Fine aufgrund ihrer Entwicklung grundsätzlich vieles als bedrohlich einstuft.
Die verstehen, dass sie Ängste hat.
Und dass es Trigger gibt, die diese auslösen.
Die aber vor allem verstehen, dass Fines beginnendes Vertrauen in Menschen in Deutschland - nach der Rettung - schwer erschüttert wurde.
Weil sie ganz für sich allein einstehen musste. Weil ihre Symptome mit noch mehr „Hilfsmitteln“ und Isolation bekämpft wurden.

Aber was für Menschen braucht die kleine Fine jetzt?

Als Hund mit Deprivationsschaden braucht Fine als allerwichtigsten Punkt eins:
die absolute Sicherheit durch ihre Menschen.
Das heißt: kein R+ Training!
(Warum R+Training besonders für Hunde wie Fine so ungünstig ist, erklären wir gerne nochmal gesondert!).
Sondern einen klar strukturierten Alltag, mit ganz viel Übernahme durch den Menschen.
Dann kann Fine auch ganz wunderbar fremde Menschen aushalten (sie ist ja nicht verantwortlich!).
Da ihr Gehirn in den sensiblen Entwicklungsphasen zu wenig Reize verarbeitet hat, braucht sie zusätzlich leider ein möglichst reizarmes Umfeld. Ein Haus auf dem Land, ein eigener Garten, das wäre wichtig. Sie muss dann auch nicht unbedingt täglich spazieren gehen. Sie ist zwar optisch etwas „terrierähnlich“, aber ein eher ruhiger Hund.

Aufgrund ihrer Entwicklungsdefizite hat Fine ein bisschen Probleme mit ihrer Impulskontrolle. Das ist ganz typisch für Hunde mit Deprivationssyndrom.
Daher kennt und trägt sie den Maulkorb, zum Beispiel wenn Besuch kommt.
ABER, der Maulkorb ist für Fine nur „zu ertragen“, wenn sie sich wirklich sicher bei und mit ihren Menschen fühlt!

Was für Fine noch wichtig ist:
unser Ansatz „Hunde stark machen“!

Durch die Entwicklungsdefizite ist Fines Belohnungssystem nachhaltig gestört, was zu einem fortwährenden Mangel an Serotonin und Dopamin führt.

Neben einer natürlichen Unterstützung in Form von nahrungsergänzenden Mitteln (Tryptophan) können wir Fine aber auch durch gezielte Übungen „mental stark machen“ (Bindungsverhalten und Erfolge um die Hormon-Bildung zu fördern).
Fine sucht beispielsweise sehr gerne ihr Spielzeug, kann sogar einzelne Spielzeuge unterscheiden, und ist wirklich eine riesige Kuschlerin (wichtig für Bindungs- und Glückshormone!).

Aufgrund ihrer Vergangenheit und ihrem hochsensiblen Charakter ist Fine kein Hund für eine Familie mit Kindern oder viel Trubel.
Wir können uns eine Einzelperson oder auch ein Paar gut vorstellen, das einen eher ruhigeren Alltag hat. Gemeinsame Zeiten im Garten, schöne Ausflüge in der ruhigen Natur (nicht Stadtpark!), und anschließend viel Kuscheln, das wäre für Fine genau das Richtige!

Gegen Artgenossen hat Fine übrigens nichts - vorausgesetzt sie muss sich nicht mehr selbst schützen - sie ist sozialverträglich, kann gut hündisch, und lebt sowohl mit Hündinnen als auch Rüden zusammen.
Aber: sie kann auch mal etwas impulsiv reagieren, wenn sie zum Beispiel getriggert wird. Dabei geht es aber immer nur um eines: Distanz schaffen und sich schützen - also defensiv!
Fine braucht dementsprechend passende, das heißt sozialkompetente, Hunde an ihrer Seite.

Ansonsten kennt Fine wirklich schon ganz viel. Sie bleibt wunderbar alleine, fährt gut im Auto mit, ist sehr sauber und sehr unauffällig im Haus. Auch die Grundkommandos sind ihr bekannt, und sie läuft prima an der Leine.
Mit ihren etwa 7kg und ca. 36cm ist sie ein kleiner Hund. Sie ist erst 4 Jahre alt.

Und wirklich:
Fine ist unheimlich sanft und sensibel, möchte unbedingt gefallen, ist ansprechbar, total offen für unser Feedback, sehr fein für jegliche Korrektur, und gehört absolut hundertprozentig nicht zu den Hunden, die aufgrund von „Verhaltensstörungen“ auf dem Tierarzttisch enden dürfen!!

Sorry, aber das macht uns einfach wütend!
Es wird importiert und importiert, aber wenn Hund nicht „funktioniert“, dann weg damit?

Nicht mit uns.
Nicht mit Fine!

Dieser Umgang mit ehemals geretteten Hunden zeigt uns deutlich, dass in Deutschland erhebliches Verständnis und die Kompetenz für Hunde mit angst- und traumabedingten Problemverhalten fehlt.

Aber DAS ist nicht retten. Das ist das Gegenteil.

Und so lange dies so ist, können wir den Auslandstierschutz nicht gutheißen.

Wer kann und möchte Fine helfen?

Und was passiert mit all den Hunden die keine Chance mehr auf Vermittlung haben?

Wann ist Einschläfern erlaubt?
(Wann) Gilt Aggressionsverhalten als „vernünftiger“ Grund für eine Euthanasie?
Und wenn nicht, WIE geht es überhaupt all den verwahrten Hunden?

Darüber müssen wir sprechen! Demnächst!

Und bitte helft uns, damit Fine gesehen wird ❤️



04/06/2026

Während viele Menschen Tieren Emotionen und Gefühle teilweise sogar ganz „absprechen“, macht sich unser Wolfmischling ernsthaft Sorgen um seine „tierische Familie“, seine Ponys.
Grund sind die neuen Ekzem-Decken und Fliegenhauben.

Und genau hier geraten wir im Alltag an Grenzen, wenn sich stark wolfstypische Eigenschaften wie Neophobie und ein eigenständiges Problemlöseverhalten und sozial relevantes Bindungsverhalten mischen.

Aber hier sehen wir dann auch, warum wir aus dem Wolf den Hund gemacht haben.
Augustin bemerkt wirklich jegliche Veränderung und reagiert dementsprechend extrem.
Um ihn an neue Decken zu gewöhnen, brauchen wir also ein paar Tricks. Sonst kann es gut sein, dass die neuen (und teuren) Decken ganz schnell vom Pony gepflückt und in seine Einzelteile zerlegt und untersucht werden.

Was uns Augustin noch zeigt: wie stark selektiv gezüchtete Rassemerkmale unsere Hunde verändert haben.
Dabei wäre es für unsere Hunde und uns im Alltag sehr hilfreich, wenn diese wieder „etwas wölfischer“ werden würden.
Damit meinen wir ganz konkret Regulationsverhalten und eine soziale Zurückhaltung. Das Gute: wir müssen nicht „zurückgehen“, sondern zukünftig in Zucht und Erziehung einfach mehr Fokus auf diese Verhaltensweisen legen.
Und verstehen, dass wir Genetik eben nicht wegdiskutieren können!

Wenn ihr wissen wollt, was Augustin mit den absolut „gefährlichen“ Pferdedecken macht, wir haben schon mal ein Video gepostet und dort auch einiges über Neophobie beim Hund und Wolf geschrieben: der neophobe Hund!
Und hier
Da erfahrt ihr auch, warum unsere Hunde, Matti zum Beispiel, natürlich auch die neuen Decken bemerken, aber damit deutlich anders umgehen (können!).

Warum Menschen Hunde missverstehen, wenn sie auf einzelne Signale achten Wollen wir mal wieder etwas Hundesprache lernen...
01/06/2026

Warum Menschen Hunde missverstehen,

wenn sie auf einzelne Signale achten

Wollen wir mal wieder etwas Hundesprache lernen?

Das Problem, die meisten denken dabei eher an eine Art Fremdsprache und lernen die „Hundesprache“ wie früher Englisch oder Französisch in Form von Vokabeln.

Zum Beispiel so:
Züngeln - Stress
Wegschauen - Beschwichtigen
Gähnen - Übersprung
Auf den Rücken legen - „Unterwerfen“
(diese Aufzählung ist falsch!)

Doch Hunde-Kommunikation funktioniert nicht so - nicht mit Vokabeln - sie ist dynamisch und immer kontextabhängig.

Schaut mal, ein einzelnes Signal wie Züngeln hat ohne Kontext kaum eine feste Bedeutung.
Die Bedeutung bekommen die Gesten und Signale erst durch die Situation, das Timing, die Dynamik, die Körpersprache insgesamt, die individuelle Beziehung der Kommunizierenden, und das Verhalten vor und nach der Kommunikation.

Wenn wir jetzt mal unsere Sprache anschauen, und uns ein einzelnes Signal heraussuchen, wie das „Augen-Verdrehen“ , versteht ihr bestimmt etwas besser was mit Kontext gemeint ist:
wir würden doch nie auf den Gedanken kommen, dieser Geste eine einzelne isolierte Bedeutung zuzuschreiben.
Also was bedeutet es denn, wenn wir die Augen verdrehen?

Genau, es kommt drauf an!

Es könnte genervt heißen.
Aber auch Humor.
Oder Ironie.
Es könnte auch Verlegenheit ausdrücken.
Oder sogar Überforderung.

Was es wirklich - diesmal/jetzt(!) - bedeutet, sehen wir erst durch den Kontext.

Also niemand würde daher sagen: Augen-Verdrehen in unserer Sprache bedeutet immer X.

Aber, bei Hunden, da macht ihr es alle!

Und wenn wir uns jetzt klar machen, dass Hunde eben nicht linear kommunizieren, also nicht nur isoliert auf EINEN Reiz reagieren, sondern natürlich auch gleichzeitig mit mehreren Individuen sprechen - und zwar intra- und interspezifisch - dann wird auch deutlich, warum es so wichtig ist, nicht nur auf ein Signal zu schauen.
Dazu haben wir euch ganz tolle aktuelle Fotos von Augustin zum Hundesprache-Üben rausgesucht.

Vor allem zeigt Augustin über diese Fotos, wie er gleichzeitig mit uns, aber auch mit seinen Artgenossen kommuniziert. So kommen solche wunderbaren Fotos zustande wie das von einem Mischausdruck aus offensivem Drohen (an Artgenosse) und passiver Demut (soziale Rücksprache beziehungsweise Rückversicherung an uns!).
Augustin kommuniziert/verarbeitet hier also gleichzeitig zwei Beziehungen, jaaa er spricht!
DAS ist Kommunikation! Und zwar hochkomplexe.

Ihr seht, Sprache ist kein starres Signalsystem, sondern ein lebendiger sozialer Dialog.
Genau wie bei uns Menschen auch!

Also, Hunde können natürlich gleichzeitig
drohen, regulieren, absichern, deeskalieren, sich rückversichern, beschwichtigen.
Und daher passieren auch unglaublich schwere Fehler, wenn ihr nur eure „Vokabeln“ lernt.
Dann seht ihr das Drohen vielleicht gar nicht mehr, weil ihr nur Signale beziehungsweise Gesten der Demut isoliert ausmacht.
Wie fatal!

Denn dann passiert zum Beispiel das:
auf seine passive Demut wurde nicht entsprechend reagiert, so dass Augustin mit Übergängen ins Defensiv-Drohen „antworten“ muss.

DAS ist der Grund warum es so wichtig ist, Hunde richtig zu verstehen - um eben angemessen und richtig antworten und reagieren zu können.

Augustin ist für das Hundesprache-Lernen natürlich ein absolutes „Lehrbuchmodell“ - nicht nur weil der Wolf klarer, unverfälschter und ursprünglicher kommuniziert - sondern vor allem, weil sein Ausdrucksverhalten dadurch so deutlich sichtbar ist, so dass wir regelrecht „gezwungen“ sind, den ganzen Hund anzuschauen, statt auf einzelne Signale zu achten.

Wer das macht, also zB nur auf ein Züngeln schaut, übersieht den gerichteten fixierenden Blick …
Wer nur auf die Ohren guckt, weiß nicht ob sie zum Drohen oder zur sozialen Rücksprache angelegt sind …

Aber, warum haben wir Menschen überhaupt damit angefangen, Hundekommunikation über eine Art Vokabeln auswendig zu lernen?

Alles begann mit den sogenannten Calming Signals, die für unsere Hunde beinahe ein Fluch und Segen zugleich wurden.
Einerseits war es natürlich ganz richtig und wichtig, dass wir Menschen endlich lernen, auf die feinen Signale unserer Hunde zu achten!

Doch andererseits … wurden diese Signale einfach zu absolut!
Aus: „… KANN ein beschwichtigendes Signal sein“

wurde: … „das IST ein beschwichtigendes Signal!“

Und genau so entstand dann leider dieses „Hunde-Wörter-Buch“ in unseren Köpfen.
Aber so funktioniert Kommunikation eben nicht!

Stellt euch einfach vor, die Signale und Gesten (des Hundes) sind NUR die Buchstaben, und der Kontext ist die Sprache.
Damit entstehen Wörter UND Bedeutungen.
Doch wenn ihr nur Buchstaben auswendig lernt, werdet ihr nie den richtigen Satz verstehen.

Und hier auf den Fotos könnt ihr genau das mal etwas üben. Schaut auf den gesamten Hund, nicht auf ein einzelnes Signal, denn ein Züngeln kann sowohl Teil vom Beschwichtigungsverhalten sein, ein Calming Signal (Unterschied haben wir hier schon erklärt) oder eine Art Verstärker* (Betoner) …
nur was es heißt, verrät dir eben nicht das Züngeln selbst …

*Achtung: „Verstärker-Signale“ erklären wir gerne nochmal ausführlicher.
Also bestimmte Gesten und Signale, die weniger eine eigene Botschaft darstellen, sondern die bereits vorhandene Kommunikation unterstreichen, verstärken, verändern, oder präzisieren … sie heißen bei uns „Verstärker-Signale“ und sind extrem wichtig für die Kommunikation!

Und wie übt ihr am besten beziehungsweise WIE lernst du die Hundesprache richtig?

Versucht es mal so:
statt nach einzelnen Bedeutungen zu suchen,
fragt stattdessen welche Funktion (!) ein Signal innerhalb des gesamten Ausdrucks hat!

Ihr werdet sehen, das Problem ist nämlich, dass ihr glaubt, ein einzelnes Signal zu verstehen, und deshalb aufhört, den Rest des Hundes anzuschauen.

Und genau da hört dann das Raten auf und die echte Verhaltensbeobachtung beginnt ….

Mit Augustin ❤️



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Hahnenberg 9
Landesbergen
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