13/10/2026
Die Uhr tickt...
𝗚𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝘃𝗹𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻 – 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝘀𝗶𝗲 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝘀𝗰𝗵𝗮𝗱𝗲𝗻 𝗮𝗹𝘀 𝗻𝘂̈𝘁𝘇𝗲𝗻
Mit dem Slogan „Lieber proaktiv statt reaktiv“ wollen Tierrechtler die Tierhaltung über sogenannte Positivlisten einschränken. Nur noch Arten, die von Amts wegen darauf stehen, dürfen gehandelt, gehalten und gezüchtet werden. Alles andere ist proaktiv verboten.
Die DGHT hat das schon 2025 in einer Stellungnahme von Axᴇʟ Kᴡᴇᴛ, Bᴇᴀᴛᴇ Pғᴀᴜ und Uʟʀɪᴄʜ Jᴏɢᴇʀ klar bewertet. Fazit: wenig Sinn, viel Schaden. Die Lage ist heute bedrohlicher denn je.
🌍 𝗪𝗼 𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲 𝗟𝗮̈𝗻𝗱𝗲𝗿?
𝗡𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿𝗹𝗮𝗻𝗱𝗲: Positivliste seit 2015, bisher nur Säuger – 30 von 300 Arten. Für Vögel, Reptilien, Amphibien in Vorbereitung. Zweimal erfolgreich beklagt, im Mai 2026 in Revision gekippt. Altbestände dürfen bleiben, aber nicht nachgezüchtet werden.
𝗕𝗲𝗹𝗴𝗶𝗲𝗻: Getrennte Listen für Flandern und Wallonien. 2024 vom wallonischen Staatsrat annulliert – nicht wissenschaftlich, Ziele verfehlt.
𝗡𝗼𝗿𝘄𝗲𝗴𝗲𝗻: Von 1977 bis 2017 war Reptilienhaltung komplett verboten. Ergebnis: über 100.000 Tiere illegal. Heute Positivliste mit 9 Schlangen, 8 Echsen, 2 Landschildkröten und 𝘔𝘢𝘶𝘳𝘦𝘮𝘺𝘴 𝘳𝘦𝘦𝘷𝘦𝘴𝘪𝘪. Amphibien weiter komplett verboten.
Spanien, Italien, Frankreich, Finnland, Slowenien arbeiten an Listen oder haben Teilverbote. Großbritannien, Deutschland und Österreich haben derzeit keine Positivlisten.
⚠️ 𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝘃𝗹𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗳𝘂𝗻𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻
Definitionsprobleme, wissenschaftliche Widersprüche und unklare Auswahlkriterien. Die Kornnatter hieß mal 𝘌𝘭𝘢𝘱𝘩𝘦 𝘨𝘶𝘵𝘵𝘢𝘵𝘢, heute 𝘗𝘢𝘯𝘵𝘩𝘦𝘳𝘰𝘱𝘩𝘪𝘴 𝘨𝘶𝘵𝘵𝘢𝘵𝘶𝘴 – plus nahe Verwandte. Belgien listet alle Unterarten von 𝘌𝘮𝘺𝘴 𝘰𝘳𝘣𝘪𝘤𝘶𝘭𝘢𝘳𝘪𝘴, aber nicht die eigene Art 𝘌. 𝘵𝘳𝘪𝘯𝘢𝘤𝘳𝘪𝘴. Solche Listen sind sofort veraltet, gerade private Halter entdecken oft neue Arten.
Rechtlich sind sie Handelshemmnisse im EU-Binnenmarkt und laut Gutachten Sᴘʀᴀɴɢᴇʀ 2023 nicht mit dem Heimtierübereinkommen des Europarats vereinbar. In Belgien wurden in sechs Jahren gerade mal 92 Tiere beschlagnahmt.
Und sie erreichen ihre Ziele nicht: Wer in die Illegalität gedrängt wird, geht nicht mehr zum Tierarzt. Heimtiere tragen weniger Keime als Wildtiere. Projekte wie Citizen Conservation müssten beendet werden. Und der Handel ist laut IUCN-Statistik für Reptilien und Amphibien kein wesentlicher Aussterbefaktor –CITES regelt das bereits.
💚 Den ausführlichen Beitrag findet ihr in „elaphe“ 4/2026.
📸 Heimtier, Wildtier oder Exot? Eine der zahlreichen Farbmorphen der Bartagame.
Foto: Axᴇʟ Kᴡᴇᴛ.