Hundeschule-Reichenau

Hundeschule-Reichenau Mein Ziel ist es, das Gefühl für Bedürfnisse und klare Grenzen beim Hund zu vermitteln, die für eine entspannte Beziehung zum Menschen wichtig sind.

In unserer heutigen Zeit erfüllt ein Hund eher die Rolle eines Sozialpartners zum Mensch, als seine ursprüngliche Rolle, für die er gezüchtet wurde. So können sich immer mehr schwerwiegende Probleme in der Beziehung zum Hund entwickeln. Stark unterschiedliche Interessen bergen ein hohes Konfliktpotential. Der Hund braucht Grenzen, an denen er sich orientieren kann, und Raum für die Erfüllung seine

r Bedürfnisse als Hund. Mein Ziel ist es, meinen Kunden das Gefühl für Bedürfnisse und klare Grenzen beim Hund zu vermitteln, die Hunde für eine entspannte Beziehung zu ihrem Menschen brauchen. Ich bin zertifizierte Hundetrainerin nach der Tierärztekammer Schleswig-Holstein in Absprache mit dem Innenministerium.

16/10/2024

WERFEN - HOLEN - BRINGEN
Sinnvoll oder No-Go?

Viele Menschen denken bei Spiel mit Hunden oft als erstes ans Bällchen- oder ähnliches Wurfspiel. Aber diese Werfen-Holen-Bringen-Spiele bringen so einige Nachteile mit sich.
Zum einen werden beim monotonen Wurfspiel die Hetzelemente aus dem Jagdverhalten herausgegriffen und immer und immer wieder eingeübt. Hunde sind Sichtjäger und alle bewegten Objekte lösen bei ihnen ganz automatisch und reflexartig ein Jagdverhalten, in diesem Fall das Verfolgen, aus. Bei der Jagd wird im Raubtier stets eine starke Körperreaktion ausgelöst. Soll die Jagd erfolgreich sein, müssen alle Sinne geschärft und der Körper in höchste Leistungsbereitschaft gesetzt werden. Um diesen Zustand zu erreichen, wird der Körper von Stresshormonen (erst Adrenalin und dann Cortisol) überflutet. Diese Hormone brauchen eine ganze Zeit bis wieder sie abgebaut werden (Adrenalin einige Stunden, Cortisol sogar Tage bis hin zu Wochen). Werden sie nicht abgebaut, dann häufen sie sich immer weiter im Körper an. Besonders für Hunde mit Erregungsproblemen Gift, aber sicher für alle Hunde zumindest in höherem Maße nicht gut.
Bei jedem geworfenen Gegenstand kommt es auch zur Ausschüttung von Dopamin, das Belohnungshormon, welches süchtig machen kann. Nur über diesen Mechanismus konnte das Jagen beim Wolf, das ja in 4 von 5 Fällen nicht zum direkten Ergebnis, sprich Beute, geführt hat, als Verhaltensstrategie beibehalten werden – der Wolf ( bzw. Hund) macht es auch, wenn kein Erfolg, sprich Beute, winkt, weil er allein beim Hetzen eine Belohnungshormonausschüttung erhält. So mancher Hund mutiert dadurch regelrecht zum Ju**ie - wenn sein Mensch das Wurfobjekt einsteckt, interessiert nichts anderes mehr, auch nicht der Besitzer, der ist dann nur noch „Dealer“ des „Suchtstoffes“. Besonders in der Pubertät sind Hunde ( wie auch Menschen) besonders anfällig für die Entwicklung von Süchten. In diesem Alter ist der Bewegungsdrang beim Hund meist besonders hoch und viele unwissende Besitzer erliegen der Versuchung, diesen Bewegungshunger mit Wurfspielen zu befriedigen.
Beim Wurfspiel findet der Spaß für den Hund zudem immer weit entfernt vom Menschen statt. Ziemlich anonym, das hat nichts mehr zu tun mit bindungsfördernder Beschäftigung.
Zudem wird ein Hund mit jagdlicher Tendenz so geradezu zum Jäger erzogen; wenn man Pech hat, generalisiert der Hund dieses Hinterherhetzen hinter bewegten Objekten zudem auf alle möglichen Dinge, von Wild über die Nachbarskatze bis hin zu Radlern, Joggern, Autos. Hierfür sind besonders wieder Hütehunde empfänglich. Dann wird es richtig gefährlich.
Dann haben wir noch die körperliche Belastung durch das Wurfspiel, vor allem die ständigen abrupten Stopps vor dem Objekt. Besonders bei Hunden im Wachstum belastet das Bänder, Gelenke und Sehnen in einer unnatürlichen Weise, auch schwere Hunde sind hierfür nicht gemacht; im schlimmsten Fall kann es zu Schäden kommen, die sich erst Jahre später bemerkbar machen.
Werfen muss aber nicht völlig aus dem Alltag verschwinden. Wenn durch Erziehung eine erste Impulskontrolle etabliert ist, darf, in abwechslungsreiche Spielsequenzen verpackt, auch Werfen und Bringen zwischendrin mal vorkommen, aber eben nicht als Hauptbeschäftigung. Mit kontrolliertem Werfen (Hund muss vor dem Bringen Kommandos befolgen, warten, sich beherrschen und zurücknehmen), kann man Impulskontrolle auch sehr gut trainieren. Man muss nur wissen, wie man es richtig macht. Die klassische Dummyarbeit zeigt dies.
Sehr schön und abwechslungsreich einsetzbar ist auch die Arbeit mit dem Futterbeutel, der wenig geworfen, mehr versteckt und vom Hund dann gesucht und gebracht wird. Hierüber kann man das Apportieren auch sehr gut aufbauen.
Echtes Objektspiel, das gekennzeichnet ist durch einen ständigen Wechsel von Verhaltensweisen, die im hundlichen Alltag ebenfalls vorkommen, ist für die meisten Hunde sehr empfehlenswert. Beißen, Zerren, Suchen, Hinterherrennen, Verfolgtwerden, mit der Beute Davonlaufen, Balgen, Rangeln, ein ständiger Rollenwechsel, auch zärtlicher Körperkontakt.
Ein Spiel also, wie es auch unter Hunden beobachtet werden kann und welches Hunde oft auch mal allein spielen. Selbstverständlich kann auch ohne Objekt, nur unter Einsatz des eigenen Körpers gespielt werden und es ist durchaus hilfreich, das immer wieder mal zu tun, erfahrungsgemäß tun sich hiermit viele Menschen ziemlich schwer.

© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb
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30/06/2021

„Ich kriege das auch ohne Maulkorb hin!“

Ein Satz, der bereits am Anfang das große Ego eines Menschen demonstriert und einer, der leider sehr häufig zu hören ist.

Diese Aussage muss beleuchtet werden:

Wir haben also einen Hund der mehr als einmal die Motivation bewiesen hat Menschen oder Hunde anzugreifen.
Angreifende Hunde zeigen Aggressionsverhalten.
Aggression ist zwar nicht automatisch als gefährlich einzustufen, wird es aber, wenn Menschen oder Tiere in Gefahr sind.

Wir sprechen somit von einem situativ gefährlichen Hund.
Dieser Hund ist ohne eine Absicherung (mittels Maulkorb) eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Sich gegen diese Absicherung auszusprechen ist ein „billigend in Kauf nehmen“. - Eine Haltung die dem „und wenn schon“ gleichkommt.

Der Hundehalter mutet der Umwelt mit so einer Einstellung leichtfertig eine erhöhte Gefährdung durch den eigenen Hund zu! Man nimmt billigend in Kauf das Kinder, Erwachsene oder Tiere (schwer) verletzt oder gar getötet werden, damit das eigene Ego, ein falscher Tierschutzgedanke oder was auch immer bestätigt wird?

Übrigens das Mimik-Spiel ist mir bei einem Hund mit durchsetzender Angriffsbereitschaft egal. Die Ausrede das diese Mimik mit Maulkorb nicht mehr erkennbar sei auch. Denn, ob er „lächelt“ oder grimmig guckt, wird seinem Opfer später auch nicht weiterhelfen. Der Hundehalter des Aggressoren wird die Mimik bei seinem nach vorne ziehenden Hund gar nicht wahrnehmen können - höchstens die (eigenen) dicken Eier.

Nur zur Info: Der eigene ungesicherte (beißende) Hund schwebt ebenfalls in großer Gefahr in naher Zukunft Sanktionen zu erleben, in einem Tierheim zu landen oder letztlich auf Anweisung einer Behörde abgenommen oder sogar getötet zu werden.

Irgendwie ist das auch Umweltschutz - Wie immer zum Leid unserer Tiere...

Gerd Schuster

23/06/2021

Wenn die Verträglichkeit ins Wasser gefallen ist ...

Wir suchen Menschen, die mit ihrem Hund in Bezug auf andere Hunde ein Problem im Freilauf empfinden und sich damit in einer Raufergruppe auseinandersetzen wollen. Drei Tage. Viel Praxis. Kostenlos. Was du dafür brauchst: Einen Raufer, der an einen gut sitzenden Maulkorb gewöhnt ist, Offenheit und Zeit.

Entweder zum unserem Modul in Bad Oldesloe (Nähe Hamburg) vom 02. bis 04.07.2021 oder zum Modul in Warmensteinach (Nähe Bayreuth) vom 09. bis 11.07.2021.

Für weitere Infos und Bewerbung melde dich gern im dogument Büro unter [email protected]

Die Plätze sind sehr begehrt und meist schnell ausgebucht. Deshalb gilt: Wer zuerst kommt, rauft zuerst.

Dieser Beitrag darf gern geteilt werden 🙏🏼

15/06/2021

Hunde werden zunehmend aggressiver – oder unsere Smartphones?

Gefühlt werden unsere Hunde aggressiver. Selbst Kolleginnen und Kollegen berichten von zunehmenden Beißvorfällen gegenüber Menschen. Doch ist dem so, werden unsere Hunde aggressiver?

Das Aggression als Regulativ zu sehen ist wissen wir aus Bücher und Beobachtungen, sie ist somit als normales Verhalten einzuordnen. Selbst wenn das so manch Menschen nicht passt. Der Satz „kein Hund wird aggressiv geboren“ müsste unter diesem Aspekt neu beleuchtet werden.

Meine Sicht der Dinge ist da etwas anders. Denn zu meinem Teil empfinde ich nicht das unsere Hunde zunehmend aggressiver werden, sondern sie werden gefährlicher, unangepasster, impulsiver!

Wir Menschen hingegen leben im digitalen Zeitalter gefangen und entfremden uns zunehmend der Natur. Wir brauchen Apps, um Tiere oder Pflanzen zu bestimmen. Wissen, was viele unserer Eltern und Großeltern noch mündlich und persönlich überliefert bekommen haben.

Wenn was nicht klar ist, wird gegoogelt oder die Freizeit mit dem Smartphone verbracht. Es gibt Untersuchungen, die zum Ergebnis gekommen sind, dass wir Neuzeitmenschen im Schnitt 1 – 5 Stunden pro Tag am Handy sitzen. Nehmen wir nur die eine Stunde und rechnen wir sie auf ein Jahr hoch wären das 365 Stunden im Jahr. In Tagen umgerechnet ergibt das ca. 15 Tage durchgehend -Tag und Nacht!!! Bei der höchsten Anzahl bei 76 Tagen – also mehr als zwei Monate -durchgehend!!!
Dabei leidet nicht nur unser Körper, sondern auch die Sozialen- und die Handlungsfähigkeiten.

Meine Tochter sagte mal „Papa ich finde keinen richtigen Mann“ – meine Antwort „Weil du mit gesengtem Kopf, von der Medienflut gefangen an ihm vorbeigelaufen bist!“ Unsere Wahrnehmung schwindet genau wie unser Gefühl für Situationen.

Wir Menschen verdummen, obwohl wir digital angeblich alles erlernen können… - meine Meinung!

Hinzu kommt das medial verbreitete Märchen der rein positiven Welt bei der Erziehung. Wird so etwas geschrieben, dann lässt sich die Naturentfremdung sehr leicht erkennen. Selbst beim Schreiben darüber muss man aufpassen, denn sofort wird Handlungsfähigkeit und Unterbrechung mit Gewalt verbunden. Der gesunde Zwischenweg ist vielen abhandengekommen. Und der Mensch hat keine Zeit mehr...

Mal wieder in die Natur gehen, beobachten und von ihr lernen und nicht vom Computer, Tablet oder Handy. Wie macht denn das „Mama Hund“ mit ihren Welpen eigentlich? Sorgt sie sich nur oder gönnt sie sich mal Auszeiten? Ist sie nur zart oder eher top angepasst für die Situation gewappnet?

Summiert betrachtet sind genau das Gründe, die Hunde gefährlich, unangepasst und verzweifelt machen! Auch sie leiden unter unserer Smartphone-Sucht. Das hochsensible und soziale Lebewesen Hund konfrontiert (oder nicht) mit unserer Schädigung durch die ach so moderne Zeit.

Gerd Schuster

12/04/2021

Gerettet oder entführt?
-Von Maren Grote-

Es gibt wirklich großartige Hunde aus dem Auslandstierschutz.
Bulgarien, Rumänien, oder Griechenland, aber auch aus Thailand, Spanien und und und..
Sie sind zutraulich, aufgeschlossen und passen sich in unser Leben hier ein. Sie sind glücklich hier und ihre Besitzer glücklich mit ihnen.
Um diese Hunde geht es hier in diesem Artikel nicht.

Es geht hier um die vergessenen, die erzwungenen und die entführten.
Denn auch wenn das manch einer nicht wahr haben möchte, die gibt es genauso, wie die angepassten, glücklichen!

In dieser Zeit möchte jeder einen Hund. Täglich habe ich als Trainerin neue Anfragen von Menschen, die sich jetzt in der Coronazeit einen Welpen geholt haben.
Ungefähr die Hälfte dieser Anfragen bezieht sich auf importierte Straßenhunde.
Sie kommen alle mit den selben Problemen: Angst, Aggression gegenüber Menschen und fremden Hunden, ausgeprägte, territoriale Aggression, kurz gesagt: Beißen!
Was aber viel gravierender ist, als diese Verhaltensweisen ist eine nicht vorhandene Kooperation mit dem Menschen.
Egal mit wie vielen Wochen diese Tiere nach Deutschland gebracht wurden, sie sind bereits genetisch darauf ausgelegt alleine klar zu kommen und ohne den Menschen zu existieren.
Sie träumen nicht von Sofas und Liebe, sie öffnen Fenster, stehlen Essen aus verschlossenen Schubladen und beißen Kinder, die zu laut trampeln, wenn sie in Ruhe schlafen möchten.
Sie balancieren auf der Fensterbank, schlafen auf dem Küchentisch und ka**en in den Flur.
Was dort über viele Jahre auf der Straße entstanden ist, ist ein neuer Schlag Hunde.
Sie sind freiheitsliebend, wild und durchsetzungsstark.
Nicht zu vergleichen mit den angepassten Zuchthunden unseres Landes.
Sie scheren sich nicht um menschliche Regeln, weiche Bettchen und freundliche Worte.

Ohne den Willen sich aggressiv durch zu setzen sind sie auf der Straße verloren. Ohne die Fähigkeit zu schauspielern, zu betteln, zu täuschen und für sich zu sorgen geht man dort schnell unter.
Wer diese Fähigkeiten nicht besitzt, der wird sich nicht vermehren.

Wer denkt, er wüsste was durchsetzungsstark und dickköpfig bedeuten würde, weil er eine Bulddoge, oder einen Dackel hatte, der wird von einem echten Straßenhund ausgelacht.
Wer glaubt er könnte mit Liebe allein einen zutiefst misstrauischen und bis ins Mark eigenständig denkenden Hund zu tiefem Vertrauen bringen, oder gar ein nahezu verwildertes Tier mit Leberwurst zu einer echten Kooperation füttern, die über den puren Zweckerhalt hinaus geht, der wird viel Leberwurst in´s Land gehen lassen, bis er versteht, dass er im Ernstfall trotzdem stehen gelassen (oder einfach gebissen) wird, sobald etwas wichtiger ist.
Wer ernsthaft denkt, sein Bordercollie aus der deutschen Schönheitszucht sei der intelligenteste, der hat noch nie einen verzottelten Straßenköter eine Verletzung simulieren gesehen, um an Mitleid zu kommen. Der hat noch nie in einer Kamera staunend beobachtet, wie das putzige 14Kilo Importtierchen von der Müllkippe eine ganze Küche in einer halben Stunde in Schutt und Asche legt, um die Schränke nach Essbarem zu durchsuchen.
Die Art wie verwildert, schlau und eigenständig echte Straßenhunde sein können übersteigt bei weitem dass, was wir von Rassehunden und Mischlingen kennen, die seit Generationen mit dem Menschen eng zusammen leben.

Einige dieser Hunde sind einfach Wildtiere.
Sie werden nicht erzogen, sie werden gezähmt.
Man muss sie wie ein Tier im Zoo ganz langsam und über unsoziale Reize wie Futter erstmal in die Nähe bekommen. Ihnen über lange Zeit eine Idee davon geben, dass man mit Menschen wirklich kommunizieren kann. Dass man kooperativ mit ihnen zusammen arbeiten kann. Füreinander und nicht nur für Futter.
Erziehung, Anpassung an Regeln, oder gar bewundernswerter Gehorsam ist nicht zu erwarten.
Wenn überhaupt, dann höchstens diesem einen, bestimmten Menschen gegenüber, der sich jahrelang dafür eingesetzt hat.
Nochmal: Es muss nicht so kommen, es gibt auch Hunde von der Straße, die genügend Offenheit und Kooperationswillen mitbringen.
Und es gibt die, die es nicht tun und die werden niemals den Ansprüchen an den „normalen“ Familienhund, der überall entspannt dabei ist entsprechen können.
Welchen man erwischt ist für viele Laien absolut nicht sichtbar.
Auch für Profis nicht, es zeigt sich eben erst im Verlauf.
Dabei ist es egal wie alt der Hund ist, auch ein fünf Wochen alter Hund kann so ein Fall sein und trotz perfekter Aufwuchsbedingungen lebenslang extrem auffälliges Verhalten zeigen, bissig sein, oder immer Angst vor fremden Menschen haben, egal wie gut man ihn sozialisiert.
Genetik und angeborene Verhaltensweisen sind nicht vollständig wegliebbar und auch nicht weg zu füttern, oder zu trainieren.
Am Ende bleibt ein oft ein gezähmtes Wildtier und ein einziger Mensch, der mit diesem Tier wirklich gut klar kommt.

Und genau dieser Irrglaube, dass jeder Hund „lieb“ (was auch immer das heißen mag) geboren wird, dass ein Hund von der Straße immer gerettet wurde und das aus jedem Hund ein ganz „normaler“ Haushund zu machen ist, sorgt für viele dieser Tiere hier im Tierheim.
Statt Freiheit und Selbstbestimmung dämmern sie in Zwingern dahin. Gerettet…
Weil kein Hund blanko auf die Welt kommt und nur der Mensch ihn formt.

Bei weitem nicht jedes Leben auf der Straße ist schlimm für Hunde.
Sie werden nicht alle gequält und geschlagen. Sie legen vielleicht weniger Wert auf regelmäßige Wurmkuren, als eher darauf eine Familie gründen zu können.
Sie lieben es gar frei zu sein. Unkastriert. Sich zu prügeln und zu bellen, wann sie wollen.
Zu kommen und zu gehen wann und mit wem sie wollen.
Viele von ihnen werden gefüttert, besorgen sich Futter, oder leben zufrieden an Müllkippen und Stränden.
Sie leben nicht immer lange, aber wild und frei und zu behaupten wir wüssten, ob sie glücklicher an einer Flexileine, eingesperrt in einem Haus wohnen würden, ohne ihre Familie und Freunde, ist vermessen.

Einige dieser Hunde sind wie hier die Füchse im Wald.
Niemand würde auf die Idee kommen Fuchswelpen aus einem Bau zu ziehen, um sie in ein Wohnzimmer zu setzen.
Wie viele Hundemütter kamen schon zu ihrem leeren Welpennest von der Futtersuche zurück, weil ihre Welpen „gerettet“ wurden?
Meistens in Löchern, ausgetrockneten Flussbetten und Unterführungen…Höhlen eben.
Orte, an denen Hundemütter ihre Welpen parken, um etwas zu fressen zu besorgen.
Was haben sie wohl gedacht, als sie ihre Welpen nicht mehr vorfanden?
Ob sie sich über die Rettung gefreut haben?

Wie viele Hunde mit einem Schlitz im Ohr, oder einem halben Ohr gibt es in Deutschland? In einigen Ländern eine Markierung dafür, dass dieser Hund jemandem gehört. Dass man ihn bitte nicht abschießen soll, dass er ein Zuhause hat und einfach nur grade mal wieder alleine spazieren geht, einer läufigen Hündin nachstellt, oder sein Revier abläuft.
Wie viele Bauern fragen sich abends wo wohl ihr Hund bleibt, während der schon in der Transportbox nach Deutschland sitzt?
Und wer weiß, vielleicht werden diese Hunde auch geliebt, geschätzt, vermisst.
Nicht nur unsere Art der Hundehaltung ist die einzig Wahre und auf Freundschaft basierende.
Würde uns nicht auch jemand als Tierquäler bezeichnen, wenn er unsere Hunde beim Hundefrisör sieht, in Geschirr, Deckchen und bimmelnde Hundemarken eingepackt, oder ständig angeleint?

Natürlich sollen wir Hunde aus dem Tierschutz und auch aus dem Auslandstierschutz zu uns nehmen. Natürlich darf jeder solche Hunde her holen und ihnen eine Chance geben.
Angebracht wäre aber viel mehr Skepsis und Überprüfung woher die Hunde wirklich stammen.
Ob sie überhaupt hier leben können.
Und da passiert momentan einfach viel zu wenig.

Von „schlechten Erfahrungen“ und „Trauma“ wird gesprochen, wenn Hunde über Tage in ihrer Heimat gejagt, gefangen, festgehalten, narkotisiert, kastriert, in eine Kiste gestopft und über Stunden und Tage her gebracht wurden. Nur um dann in einer völlig fremden Welt anzukommen. Einsam, gezwungen und dann noch mit dem Anspruch beladen jetzt bitte dankbar zu sein.
Ob das Trauma nun wirklich durch das Leben auf der Straße, oder eher durch das gewaltsame entführen ausgelöst wurde sei in Frage gestellt.

Wer sich einen Hund von der Straße holen will sollte also genau überlegen, ob dieser Hund das wohl auch wirklich will. Ob es sich lohnt ein wildes Tier zu fangen, um ihm dann in jahrelanger Kleinarbeit nah zu bringen, dass eventuell auch mal ganz schön bei Menschen sein kann.
Auch hier gibt es massenhaft Hunde, die in Tierheimen und auf Pflegestellen auf neue Besitzer warten und die wirklich warten.
Die ein eigenes Interesse haben nahe am Mensch zu leben und mit ihm zusammen eine Beziehung aufzubauen, ohne überzeugt werden zu müssen.
Diese Hunde freuen sich über ein neues Zuhause.
Würden sich ihnen und ihren Besonderheiten und Erziehungsmängeln jemand mit genauso viel Liebe annehmen, wie manch einem entführten Hund, der eigentlich viel glücklicher auf seiner Müllkippe wäre, dann wäre allen Beteiligten sehr geholfen.

Dieser Text darf gerne geteilt werde. Alle Rechte verbleiben bei der Autorin Maren Grote.

Bitte diskutiert sachlich, Pöbelein werden gelöscht ;-) Danke!

16/03/2021

Wenn’s im Training einfach nicht klappen will…
Die häufigsten Gründe für Misserfolg bei Hundeausbildung und Erziehung

1.) Die Belohnung ist für den Hund gar keine.
Hunde sind Opportunisten. Sie kooperieren nicht aus Dankbarkeit, sondern, weil sie sich einen Nutzen davon versprechen. Deshalb arbeiten wir bei der operanten Konditionierung über Belohnung für ein erwünschtes Verhalten (oder Bestrafung für ein unerwünschtes).
Was eine Belohnung ist, hängt aber von der Vorstellung des Hundes ab, nicht von unserer. Und zudem von seinen Haltungsbedingungen. Belohnen kann man nur mit knappen Ressourcen. Ein Hund, dem Futter ganztägig zur Verfügung steht oder der vollgefressen zum Training erscheint, lässt sich nur schwer mit einem Leckerchen zu einer ihm eher gleichgültigen Aufgabe motivieren. Ein Hund, der ganztags mit Liebe und Streicheleinheiten überschüttet wird, schenkt einem belohnenden Kraulen nur wenig Aufmerksamkeit. Ein Hund, der nie gelernt hat, mit Menschen zu spielen, wird auf ein Zerrspiel zur Belohnung kaum anspringen.

2.) Der Hund hat gelernt, dass es bessere Alternativen gibt als das Befolgen des Kommandos.
Hunde sind nicht blöd. Sie wägen durchaus ab, was ihnen in der Einzelsituation wichtiger ist. Die Jagd nach dem Hasen am Horizont beispielsweise ist vielen Hunden wichtiger als das Stück Schinkenwurst, das es üblicherweise beim Befolgen des Rückrufs gibt. Besonders dann, wenn sie schon öfter die Erfahrung machen konnten, dass sie die Wahl haben, dass ihr Mensch machtlos oder eben inkonsequent ist, wenn sie eigene Entscheidungen treffen.
Es empfiehlt sich deshalb, nach dem grundsätzlichen Erlernen eines Kommandos dieses abzusichern, also dem Hund keine Chance zu geben, Fehler zu machen und durch anhaltendes Training zu verstehen zu geben, dass Nichtbefolgen des Kommandos auch keine Alternative ist. Im Falle des Hasens bzw. Rückrufs geht das gut mit einer Schleppleine, die lange, bis über die Pubertät hinaus, eingesetzt werden sollte, mindestens wenn die Ablenkung des Hundes durch Außenreize ziemlich hoch ist oder plötzlich ziemlich hoch werden kann.

3.) Der Mensch ist häufig inkonsequent.
Besonders beim Erlernen der Leinenführigkeit ein Problem. Mal kommt der Hund mit seinem Leineziehen vorwärts (und belohnt sich somit selbst fürs Ziehen), mal besteht der Mensch auf lockerer Leine und Aufmerksamkeit. Das ist für Hunde nicht nachvollziehbar und ein Konzept im Kopf von „Leine = gemeinsam“ kann sich so nicht herausbilden. Hier kann es weiterhelfen, einen „Freizeitmodus“ (am Geschirr => Hund darf auch mal etwas ziehen) und einen „Arbeitsmodus“ (am Halsband => hundertprozentige Konsequenz von Seiten des Hundehalters) zu etablieren und den Arbeitsmodus zeitlich und von der Ablenkung her immer mehr auszudehnen.
Anderes Beispiel: Der Mensch hat ein Sitz verlangt vor dem Hinstellen des Napfes und der Hund löst das Kommando ohne Freigabe auf oder setzt sich erst gar nicht. Nun muss eben mit aller Konsequenz darauf geachtet werden, dass der Hund das Kommando doch noch wie gewünscht ausführt. Hat man keine Zeit oder keinen Nerv in der jeweiligen Situation für eine unter Umständen längere Diskussion mit dem Hund, dann verlangt man eben einfach mal kein „Sitz“.

4.) Das Timing stimmt nicht.
Belohnung und selbstverständlich auch Bestrafung wirken beim Hund nur dann als solche, wenn sie innerhalb von 2 Sekunden nach der Handlung erfolgen, ideal ist ein Zeitraum unter einer Sekunde. Alles, was später erfolgt, ist im Falle der Belohnung schlicht nutzlos, bei Bestrafung kann man sich vorstellen, welche Auswirkungen eine negative Einwirkung, bei der der Hunde keinen Sinn und Grund erkennen kann, auf Vertrauen und Bindung haben wird. Die Mär vom „schlechten Gewissen“, wenn der Besitzer nach Hause kommt und eventuelle Zerstörungen etc. durch den Hund auffindet, hält sich leider immer noch, dabei hat der Hund meist nur gelernt, dass Ärger droht, wenn bestimmte Sachverhalte beim Zurückkehren des Besitzers zusammen kommen ( Körpersprache des Besitzers etc.) Für präzise, wirksame, zeitnahe Belohnung ist ein Markersignal, z.B. Clicker oder auch gut aufgebautes Lobwort extrem hilfreich – dies kündigt zeitnah die „echte Belohnung“ an und verschafft dem Hund damit innerhalb der magischen zwei Sekunden die nötige Dopaminausschüttung ( = Belohnungshormon ) für erwünschtes Verhalten.

5.) Zu wenige Wiederholungen.
Neue Verhaltensweisen lernt unser Hund dadurch, dass sie vielfach wiederholt werden, und zwar über viele Tage verteilt und mit ausreichenden Pausen und in nur kurzen Lerneinheiten. Pausen zwischen den Lerneinheiten von mindestens 10 Minuten sind elementar, gerade in den Pausen wird abgespeichert, ins Langzeitgedächtnis verschoben etc.
Wie viele Wiederholungen es sein müssen, ist sehr umstritten. Von nur ganz wenigen bis zu Tausenden hört man so allerlei, die Wahrheit dürfte sein, dass dies völlig individuell ist und auch stark vom Trainingsinhalt abhängt.
Auf jeden Fall muss der Hund das Verhalten erst einmal kennen lernen, danach mit einem Signalwort verknüpfen, dann an unterschiedlichen Orten lernen und unter unterschiedlichsten Umständen festigen. Und letztlich eben auch immer wieder auffrischen. Damit sind wir dann auch schon bei 6.)

6.) Fehlende Generalisierung.
Neugelerntes muss in allen möglichen Umgebungen und Kontexten wiederholt werden, um Bedeutung zu erlangen, generalisiert zu werden. In neuer Umgebung sollte man gern wieder einen Trainingsschritt zurückgehen, denn Hunde lernen kontextbezogen, können das Kommando unter Umständen also hier noch gar nicht verstehen. Der Hund ist nicht „stur“, wenn er auf Kommando „Fuß“ in der Stadtmitte nicht, wie vom Hundeplatz gewohnt, perfekt am Bein geht, sondern weiß schlicht nicht, was wir von ihm wollen, weil er die komplette bisherige Trainingssituation, die örtlichen Umstände, ja sogar die anwesenden anderen Personen, Hunde und Gerüche als Signal für das Verhalten mit verknüpft hat. Erst beharrliches Üben in immer wieder unterschiedlichen Situationen hilft ihm, bedeutende von unbedeutenden Begleitumständen zu unterscheiden, zu „diskriminieren“.

7.) Motivation: zu wenig, zu hoch, konkurrierende…
Das hängt natürlich eng mit dem Belohnungsthema im ersten Punkt zusammen – die Belohnung muss so gewählt werden, dass sie den Hund tatsächlich zur Mitarbeit motiviert. Zu beachten ist aber auch, dass sogenannte konkurrierende Motivationen dem Lernen abträglich sind. Hat der Hund also gerade ein starkes, unerfülltes Grundbedürfnis (z.B. sich lösen zu müssen, bewegen zu wollen oder Durst zu haben), werden wir mit der von uns beispielsweise als Motivation beabsichtigen Futterbelohnung wenig ausrichten. Gewisse Grundbedürfnisse sollten also VOR dem Training gestillt sein.
Aber auch zu hohe Motivation macht den Hund unter Umständen weniger lernfähig. Wenn die Erregung durch die lockende Belohnung ZU stark ist, können Hunde nicht mehr denken. Extrem verfressenen Hunden tut es deshalb im Training unter Umständen gut, nur mit schnödem Trockenfutter belohnt zu werden, einem sehr beuteaffinen Hund kann ein Zerrspiel als Belohnung zu viel an Motivation sein und sollte durch Futter oder soziale Zuwendung ersetzt werden. Auch den Hund vor dem Training regelrecht hungern zu lassen, kann zum einen zu Konzentrationsschwäche, zum anderen zu Übermotivation führen.

8.) Nicht genügend Ruhe / Schlaf.
Für das Erinnerungsvermögen und die Gedächtniskonsolidierung ist eine ausreichende Menge Schlaf äußerst wichtig. Schlafmangel führt dazu, dass Lerninhalte schlechter gespeichert und abgerufen werden können. Besonders die Tief- und Traumschlafphasen scheinen wichtig für die Gedächtniskonsolidierung zu sein. „Hibbelhunde“ und „Kletten“, die ihre Menschen ständig in der Wohnung verfolgen, müssen also unter Umständen auch mal zur Ruhe „gezwungen“ werden. Es kann auch Sinn machen, am Abend vor dem nächtlichen Tiefschlaf das Gelernte nochmals kurz zu wiederholen.

9.) Zu hohe Ablenkung.
Was für den einzelnen Hund Ablenkung ist, ist nun auch wieder ganz individuell. Ein passionierter Mäusejäger lernt auf der von Mauselöchern übersäten Wiese wohl kaum was. Der pubertierende Jungrüde ist im Gruppentraining evtl. von der Anwesenheit der anderen Hunde völlig überfordert. Der geräuschempfindliche Hund aus dem Tierschutz kann sich auf einem Hundeplatz in Autobahnnähe wohl kaum konzentrieren. Zur Generalisierung von bereits sicher Gelerntem dürfen solche Orte natürlich gerne bewusst aufgesucht werden, aber für die Anfänge eines zu lernenden Verhaltens sollte der Trainingsort möglichst ablenkungsfrei sein.

10.) Schlechte Beziehung zwischen Hund und Mensch.
Vertrauen und Bindung auf der einen Seite, aber auch die Balance zu Autorität und Status auf der anderen Seite sind beeinflussende Faktoren für Aufmerksamkeit und Motivation. Ein Hund, der seinen Halter nicht ernst nimmt oder ihm nicht vertraut, wird ihm auch nicht adäquat „zuhören“ und damit schlechter lernen. Wie diese Balance herzustellen ist, füllt definitiv mindestens einen weiteren umfangreichen Artikel 😉.

© Angelika Prinz; Rundumhund-Ostalb

05/03/2021

Wann darf ein Hund beißen?
-Von Maren Grote-
Achtung, es könnte emotional werden.
Ich wage es trotzdem...
Ich stelle die Frage gerne mal, wenn ich Kunden habe, die wegen ihres bissigen Hundes zum Hundetraining kommen.
Alleine der Begriff „bissiger Hund“ ist eine reine Einstellungssache.
Was ist ein bissiger Hund?
Ja, da könnte man jetzt denken, das sei einfach, ist es aber nicht.
Denn unter einem bissigen Hund verstehen die Meisten einen völlig geistesgestörten Köter, der auf jeden Fall groß ist und völlig ohne Grund, Vorwarnung oder Kommunikationsregeln in alles reinbeißt was schemenhaft nach Mensch aussieht und dabei nur einen Gedanken im Kopf hat: Töten!
Das wäre tatasächlich einfach, denn dann wären sich alle einig, dass das so nicht geht.
Diese geistesgestörten Attentäter sind aber nunmal sehr selten. Wirklich extrem selten.
Normalerweise haben Hunde gute und nachvollziehbare Gründe.
Gut aus ihrer Sicht, nachvollziehbar aus der Sicht derer, die sich mit dem Verhalten des Hundes und seiner Körpersprache beschäftigt haben.
Also zum Beispiel wenn man sie einfach so anfasst.
Das ist für einen Femden Menschen einem erwachsenen Hund gegenüber durchaus übergriffig.
Die meisten Hunde sind nett genug zu wissen und zu akzeptieren, dass wir Menschen anscheinend eine völlig distanzlose Spezies sind die zwanghaf alles berühren muss was Fell hat.
Wir Menschen denken dann es sei normal, dass sich jeder Hund von jedem Fremden anfassen und bedrängen ließe.
Ist es ja eigentlich auch, wie gesagt, weil die meisten Hunde so nett sind unsere Verrücktheit zu akzeptieren.
Schwierig wird es, wenn dann mal einer dabei ist der das nicht mag.
Und der dann knurrt, in die Luft schnappt, sogar in die Hand schnappt und ein paar blaue Abdrücke auf der Haut, oder blutige Löcher hinterlässt.
Darf ein Hund das?
Ist es nun am Menschen seinen Hund zu zwingen diese Kontaktaufnahme zu ertragen, so lange der Besitzer mahnend daneben steht oder zu versuchen es ihm schmackhaft zu machen?
Möglich wäre mindestens ein von beidem.
Oder würde es nun nicht auch reichen fremde Menschen zu bitten, den Hund nicht an zu fassen und ihn gegebenenfalls mit einem Maulkorb ab zu sichern?
Und ist dieser Hund dann ein bissiger Hund?
Da könnte man dann nahtlos die Frage anfügen, wann die Grenze von „Schnappen“, „Kneifen“, oder „Beißen“ überschritten ist.
Mein Lieblingszitat eines Kunden zu diesem Thema ist: Andere Hunde beißen, mein Hund schnappt!
Schon der Begriff „Beißen“ scheint mit spritzendem Blut, berstenden Knochen und Bergen von Leichen gleichgestzt zu werden und wird deswegen auch grundlegend vermieden.
Zu Recht fühlt sich da der ein oder andere Gebissene nicht ernst genommen, wenn beim Anblick der vier blutenden Löcher in seiner Hand von „Er hat ein bischen nach Dir geschnappselt“ gesprochen wird.
Darüber kann man sicher streiten.
Worüber man meiner Meinung nach nicht streiten kann ist die absolute Verweigerung jeder Aggression im Hundeleben.
Aggression an sich ist erstmal normal.
Ich hatte mal einen Kunden, dessen Hund lief angeleint neben seinem Herrchen spazieren, als ein unangeleinter, kleiner Hund auf sie zu gelaufen kam.
Beide Hunde waren intakte Rüden, es zeichnete sich ab, dass beide den Anderen als Konkurrenten wahr nahmen und es wurde beidseitig imponiert und geknurrt.
Der Besitzer des angeleinten Hundes bat also den kleinen Rüden zurück zu rufen.....
jeder kennt die Situation und weiß was danach passierte.
Am Ende hatte der kleine Hund außer einem Knacks im Ego keinerlei Verletzungen, trotzem kam es zur Anzeige und der Hund meines Kunden musste nun im Veterinäramt bei einer Amtstierärztin vorstellig werden.
Diese befragte den Besitzer zur Situation und wollte danach die Gefährlichkeit des Hundes überprüfen.
Dafür ging sie auf den Hund zu, drängte ihn in die Ecke des Büros, stellte sich über seinen Rücken und griff in sein Fell seitlich des Halses, um seinen Kopf nach oben zu richten, so dass er ihr in die Augen schaute.
Der Hund schluckte, der Besitzer auch.
Die Veteränermedizinerin bestätigte danach, der Hund sei „nicht dominant“, das hätte sie überprüft und klärte den Besitzer auf, dass ein Hund sich diese Prozedur ohne Knurren und Gegenwehr gefallen lassen müsste.
Da stellt sich mir und dem völlig verstörten Kunden die Frage, ab wann ein Hund sich denn wehren dürfe und wie viel Fachwissen Voraussetzung für so eine Form der Überprüfung sein müsste.
Für alle die sich sorgen, der Hund ist unbeschadet aus dieser Situation heraus gegangen, er hat auch dieses Verhalten unter menschlicher Verücktheit verbucht und konnte danach fröhlich weiter leben.
Was aber blieb war die Einsicht, dass hier anscheinend jemand der als Sachverständiger prüfen darf welche Ausprägung der Aggression noch vertretbar und normal ist beschlossen hat, dass ein Lebewesen names Hund einfach alles mit sich machen lassen muss und nicht mal für seine eigene Unversehrtheit sorgen darf.
Dagen stehen Hundebesitzer, die fast alle auf die Frage wann ihr Hund beißen dürfte sagen: „Wenn ich angegriffen werde“.
Wir sehen es also als normal an, wenn der Hund beißt um uns zu beschütze, aber sich selbst dürfte er nicht schützen?
Einen Einbrecher darf er beißen ohne ein bissiger Hund zu sein, den Postboten, der ständig einbricht aber nicht?
Ist ein Hund also dann ein bissiger Hund, wenn er aus unserer Sicht grundlos beißt?
Wenn er beißt und wir verstehen warum er das tat ist er kein bissiger Hund?
Das würde die Sache vereinfachen, dann gäbe es kaum bissige Hunde und trotzdem eine Menge Menschen, die von einem Hund gebissen werden.
Was würde die Situation nun verbessern und zwar für alle?
Meiner Meinung nach ist das einfach:
Fachlich Korrekte Einschätzung und Behandlung des Themas ohne überzogene Gefühlsreaktionen.
Und das meine ich in beide Richtungen.
Sachlich und aufgeklärt kann man sehr wohl sehen, was wie zu vermeiden ist und was nicht.
Außerdem wäre es ziemlich hilfreich, wenn aufgehört werden würde Menschen ein zu reden, dass ihr Hund so ein Verhalten niemals zeigen dürfe, dass es ausschließlich durch ihre eigene Inkompetenz zu Stande kommen könne, oder schlimmer noch, dass sie ein Tierquäler sein müssen um einen bissigen Hund zu bekommen.
Das sorgt dafür, dass Hundebesitzer sich schuldig fühlen und Angst haben sich Hilfe zu holen.
Das macht, das ängstliche Besitzer denken, sie müssten das Verhalten ihres Hundes vertuschen und schön reden. Es ist eben nicht immer das andere Ende der Leine Grund für alles, was uns nicht passt.
Manchmal ist es eben auch einfach nur Genetik, Persönlichkeit, oder Lernerfahrung.
Auch der Irrglaube Hunde hätten keine Ambitionen ganz egoistisch ihre Interessen durchsetzen, und würden ausschließlich reaktiv und aus Angst Aggression zeigen ist völliger Unfug und degradiert den Hund zu einem hilflosen Opfer. Angst kann eine Grund sein, um zu zu beißen, muss es aber nicht. Es gibt auch noch viele andere Gründe, aus denen heraus Hunde Menschen beißen, die absolut nichts mit Angst zu tun haben. Auch das ist normal und das leugnen dieser Tatsache ist vielleicht gut gemeint, aber nicht gut.
Offen über das Offensichtliche zu sprechen ist gut. Lösungen finden und Tatsachen zu akzeptieren ebenfalls.
Was richtig etwas ändern würde wäre echte Hilfe, geschulte Trainer und Prüfer und einfühlsamer Umgang mit beiden Lebewesen: Menschen und Hunden.

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