10/09/2026
Rund um die sogenannte „rein positive Hundeerziehung“ werden die Gräben inzwischen immer tiefer. Dabei lohnt es sich, weniger in Lagern und mehr in Lerntheorie und sozialer Kommunikation zu denken.
Denn Lernen wird klassisch unter anderem über vier Konsequenz-Quadranten beschrieben:
➕ Positive Verstärkung: Etwas Angenehmes kommt hinzu → Verhalten wird wahrscheinlicher.
➖ Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes endet/verschwindet → Verhalten wird wahrscheinlicher.
➕ Positive Strafe: Etwas Unangenehmes kommt hinzu → Verhalten wird unwahrscheinlicher.
➖ Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird entzogen → Verhalten wird unwahrscheinlicher.
„Positiv“ bedeutet dabei nicht gut und „negativ“ nicht schlecht. Es bedeutet schlicht hinzufügen oder wegnehmen. Und „Strafe“ heißt in der Lerntheorie zunächst nur, dass eine Konsequenz dazu führt, dass ein Verhalten künftig seltener gezeigt wird.
Wenn ich von Grenzen oder sozialem Feedback spreche, rede ich deshalb nicht von Schlagen, Einschüchterung oder davon, einem Hund Schmerzen zuzufügen.
Ich rede davon, dass ein soziales Gegenüber eine Antwort bekommt.
Ein Ja.
Ein Nein.
Ein Das möchte ich.
Ein Das möchte ich nicht.
Ein Mach weiter.
Und eben auch ein Hör damit auf.
Hunde selbst kommunizieren schließlich ebenfalls nicht ausschließlich über Bestätigung erwünschten Verhaltens. Sie setzen Grenzen, brechen Interaktionen ab, schaffen Distanz, reagieren aufeinander und geben sich gegenseitig unmittelbares soziales Feedback.
Und genau deshalb halte ich es nicht automatisch für fairer, unerwünschtes Verhalten einfach zu ignorieren und den Hund mit der Information allein zu lassen.
Fairness bedeutet für mich nicht, niemals Nein zu sagen.
Fairness bedeutet, für den Hund verständlich zu sein.
Ein Hund darf erfahren, was richtig ist.
Aber er darf genauso erfahren, was nicht erwünscht ist – klar, angemessen, nachvollziehbar und ohne Gewalt.