19/10/2026
𝗪𝗲𝗹𝘁𝗺𝗲𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗧𝗮𝗿𝗻𝘂𝗻𝗴
Sameits Plattschwanzgecko, Uroplatus sameiti
Ursprünglich im Jahr 1990 als Unterart von Uroplatus sikorae beschrieben, gilt dieser Gecko nach neuen molekulargenetischen Untersuchungen seit 2006 als eigenständige Art. Uroplatus sameiti ist wie alle Vertreter seiner Gattung endemisch in Madagaskar. Er kommt ausschließlich auf dieser ostafrikanischen Insel und einigen direkt vorgelagerten Küsteninseln vor. Er ist vor allem im Osten und Südosten Madagaskars verbreitet. Ein bekannter Ursprungsort ist die östlich vorgelagerte Insel Nosy Boraha. Die Art bewohnt primäre und sekundäre tropische Tiefland-Regenwälder sowie Küstenwälder. Im Gegensatz zu seiner Schwesterart Uroplatus sikorae (die eher mittlere, kühlere Höhenlagen bevorzugt), ist Uroplatus sameiti ein Tieflandbewohner. Er lebt strikt baumbewohnend. Den Tag verbringt er meist in einer Höhe von ein bis vier Metern, flach an vertikale Baumstämme gepresst und mit dem Kopf nach unten. In der Nacht wird er aktiv, um im Unterholz und Geäst nach Insekten zu jagen. Das natürliche Habitat von Uroplatus sameiti ist durch ein tropisch-feuchtes Tieflandklima geprägt. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt tagsüberbei 60 % bis 80 % und steigt in der Nacht im dichten Blätterdach auf 90 % bis 100 % an. Die Temperaturen sind ganzjährig moderat warm bis heiß, tagsüber 24 bis 27 °C, nachts 19 bis 21 °C. Kälteeinbrüche gibt es im Tiefland im Gegensatz zu den Bergen nicht. Die Ostküste Madagaskars kennt kaum eine echte Trockenzeit. Es regnet sehr regelmäßig (oft über 200 Tage im Jahr), wobei die Monate Dezember bis März besonders niederschlagsreich sind.
Der Gecko erreicht eine Gesamtlänge von etwa 15 bis 20 cm. Männchen und Männchen zeigen oft eine ausgeprägte Hemipen*stasche an der Schwanzbasis. Die Grundfärbung ist variabel und reicht von Grau- und Brauntönen über Beige bis hin zu Grünnuancen. Der Körper ist von unregelmäßigen Flecken, Linien und Streifen überzogenähnlich den Flechten, Moosen oder der Baumrinde. Männchen haben oft eine kontrastreichere und kontrastierende Musterung (manchmal mit dunklen, bandförmigen Zeichnungen), während Weibchen häufig etwas gleichmäßiger gefärbt sind. Die Tiere können ihre Färbung je nach Stimmung, Temperatur und Lichtverhältnissen in gewissem Maße aufhellen oder abdunkeln. Nachts, wenn sie aktiv sind, wirken sie oft dunkler als am Tag. Das wichtigste Färbungsmerkmal betrifft das Innere des Geckos. Bei Uroplatus sameiti ist die Mundschleimhaut unpigmentiert rosa oder fleischfarben. Dieses Merkmal unterscheidet ihn von der Schwesterart Uroplatus sikorae, deren Mundhöhle tiefschwarz gefärbt ist. Droht der Gecko bei Gefahr mit aufgerissenem Maul, wird dieser Farbunterschied sichtbar.
Die Terrarienhaltung von Uroplatus sameiti gilt als anspruchsvoll und ist eher für erfahrene Halter geeignet. Die Tiere verzeihen Haltungsfehler (insbesondere Überhitzung oder zu trockene Luft) nur sehr schlecht. Eine Haltung in einem genügend großen Terrarium eignet sich ein Paar oder ein Männchen mit zwei Weibchen. Stauluft ist der größte Feind von Blattschwanzgeckos, da sie schnell zu Atemwegserkrankungen führt. Das Terrarium muss über eine großzügige Belüftung verfügen. Ideal sind Vollgaze-Terrarien oder Glasterrarien mit großen Gazeflächen. Als Einrichtung dienen vertikale, schräg und horizontal arrangierte Äste in verschiedenen Stärken. Besonders wichtig sind Äste, die dem Durchmesser des Geckokörpers entsprechen, sowie raue Rinden oder Korkäste. Eine dichte Bepflanzung bietet Sichtschutz und speichert Feuchtigkeit. Gut geeignet sind Ficus benjamina, Monstera, Bromelien, Nestfarne und Efeutute. Der Boden sollte aus einer dicken Schicht aus saugfähigem Substrat z.B. Terrarienerde, Kokoshumus oder Walderde bestehen.Da die Tiere nachtaktiv sind, sind keine starken Spots nötig. Eine Grundbeleuchtung mit leichtem UV-Anteil wird jedoch für den Knochenbau und die Vitamin-D3-Synthese empfohlen. Blattschwanzgeckos trinken fast ausschließlich Wassertropfen von den Blättern und Rinden, eine Wasserschale wird meist ignoriert. Gefüttert wird ausschließlich mit lebenden Insekten (Heimchen, Grillen, Schaben, kleine Heuschrecken). Die Futtertiere müssen regelmäßig mit einem hochwertigen Calcium- und Vitaminpräparat inkl. Vitamin D3 bestäubt werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Da der Export aus Madagaskar streng reglementiert ist, ist der Aufbau stabiler Nachzuchtpopulationen überlebenswichtig für den Erhalt dieser Art. Um die Keimzellenentwicklung anzuregen und die Paarungszeit einzuleiten, wird eine etwa zweimonatige kühlere und trockenere Phase im Winter benötigt. Dabei wird die Beleuchtungsdauer verkürzt, die Fütterung reduziert und die Temperatur leicht gesenkt. Am Ende dieser Ruhephase werden die Tiere paarweise oder als Harem zusammengesetzt. Nach erfolgreicher Paarung trägt das Weibchen die Eier für etwa 30 bis 35 Tage. Die Produktion der kalkhaltigen Eierschalen entzieht dem weiblichen Körper massiv Calcium. Weibchen besitzen dafür sichtbare Calcium-Säckchen am Hals. Neben klassischen Präparaten hat sich die Verfütterung von weichen Gehäuseschnecken als essenziell erwiesen, da diese eine hervorragende, natürliche Calciumquelle bieten. Eine gesunde Eiproduktion umfasst drei bis fünf Gelege pro Saison, bestehend aus jeweils zwei kreisrunden, weißen Eiern. Das Weibchen vergräbt die Eier leicht im feuchten Bodengrund oder versteckt sie sorgfältig unter Laub und Moos. Die Eier sollten vorsichtig in ein Inkubationsgefäß auf leicht feuchtes Substrat (z. B. Vermiculite oder Perlite) überführt werden. Die Temperatur sollte konstant zwischen 22 bis 25 °C liegen. Je nach Temperatur schlüpfen die Jungtiere nach 75 bis 110 Tagen. Die frisch geschlüpften Geckos sind etwa 7 bis 8 cm groß und müssen einzeln aufgezogen werden, um Stress und Beißereien zu verhindern. Die Jungtiere benötigen von Beginn an feine Sprühnebel zur Flüssigkeitsaufnahme und Kleininsekten (z.B. frisch geschlüpfte Heimchen oder Erbsenblattläuse), die mit Vitaminen und Calcium plus D3 bestäubt werden müssen. Uroplatus sameiti ist international nach CITES Anhang II geschützt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion wird Uroplatus sameiti derzeit als nicht gefährdet eingestuft. Diese Einstufung ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die massiven Lebensraumverluste durch Abholzung und Brandrodung in Madagaskar die Wildpopulationen kontinuierlich schrumpfen lassen. In Deutschland unterliegen die Tiere einer gesetzlichen Meldepflicht bei den zuständigen Landesbehörden.
Roland Zobel