03/07/2026
Der in der
Für manche Menschen ist von Anfang an klar: Mein Hund wird niemals Welpen haben oder zeugen. Andere wiederum spielen immer wieder mit dem Gedanken und fragen sich, wie es wohl wäre, den eigenen Hund in der Zucht einzusetzen.
Eines vorab: Eine Hündin muss keinen Wurf haben, um glücklich, vollständig oder besonders gut entwickelt zu sein. Immer wieder hört man Aussagen wie: Eine Hündin sollte einmal Welpen gehabt haben, damit sie sich richtig entwickeln kann. Das ist schlichtweg falsch. Eine Hündin kommt sehr gut damit klar, wenn sie niemals in ihrem Leben Welpen bekommt. Sie entwickelt sich dadurch nicht schlechter und ihr fehlt auch nichts im emotionalen Sinn.
Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ein Hund einfach Hund sein darf und mit Fortpflanzung nichts zu tun hat. Hunde machen sich keine Gedanken darüber, ob sie irgendwann eine Familie gründen sollten. Sie folgen ihren Instinkten, ihren Hormonen und ihrem natürlichen Verhalten.
Bei Rüden ist der Sexualtrieb sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Rüden, die der Damenwelt regelrecht zu Füssen liegen und stark auf läufige Hündinnen reagieren. Andere nehmen das Ganze deutlich gelassener und drehen nicht gleich durch, nur weil eine interessante Hündin vorbeiläuft. Ein hypersexueller Rüde kann im Alltag durchaus sehr anstrengend sein. Wenn ein Rüde wirklich leidet, nicht mehr frisst, ständig jammert, unruhig ist und nur noch hormongesteuert wirkt, kann eine Kastration unter gewissen Umständen sinnvoll sein. Aber auch hier gilt: Dominanzprobleme löst man nicht, indem man einem Rüden einfach die Hoden entfernt. Das sollte inzwischen eigentlich klar sein.
Bei intakten Hündinnen kommt es meist ein- bis zweimal im Jahr zur Läufigkeit. Während der Standhitze möchte sich die Hündin instinktiv fortpflanzen. Das bedeutet aber nicht, dass sie im Kopf den Wunsch hat, Babys zu bekommen. Sie folgt ihrem natürlichen Sexualtrieb — so unromantisch das klingt, so ist es. Nach der Läufigkeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen. Bei manchen Hündinnen ist diese deutlich ausgeprägt, bei anderen merkt man kaum etwas davon. Auch das kann zeitweise mühsam sein, gehört aber zum Zyklus vieler Hündinnen dazu. Sollte eine Hündin sehr darunter leiden, kann auch hier eine Kastration in Betracht gezogen werden.
Doch was ist, wenn der eigene Hund tatsächlich Nachwuchs haben darf?
Wenn eine Hündin Mutter werden soll, dann sollte dies unbedingt unter seriösen Bedingungen geschehen. Entweder man züchtet selbst und geht den ganzen offiziellen Weg über Verein, Zuchtzulassung, Gesundheitsuntersuchungen, Wurfplanung und Verantwortung. Oder man stellt seine Hündin einem erfahrenen Züchter zur Verfügung und lässt die wichtigen Entscheidungen von jemandem treffen, der sich mit Zucht, Geburt und Aufzucht wirklich auskennt.
Wer Welpen aufziehen möchte, sollte sich voll und ganz bewusst sein, was auf ihn zukommt. Ein Wurf bedeutet nicht nur süsse Welpen und schöne Fotos. Es bedeutet Verantwortung, Zeit, Wissen, Schlafmangel, Kosten, Organisation und auch Risiken. Wenn man seine Hündin für einen Wurf zum Züchter gibt, muss man ausserdem bereit sein, mindestens zehn Wochen auf seinen Hund zu verzichten. Auch die Risiken einer Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht sollte man sich ehrlich vor Augen führen. Nicht immer läuft alles problemlos.
Welpen zu bekommen und aufzuziehen ist eine grosse Leistung für eine Hündin. Es ist ein Erlebnis, das sie prägt. In meinen Augen gehen viele Hündinnen gestärkt aus dieser Zeit hervor. Oft zeigt sich das auch im Alltag. Eine Hündin verändert sich durch einen Wurf — und meiner Erfahrung nach überwiegend zum Positiven.
Bei Rüden ist das Ganze deutlich weniger aufwendig. Wenn man sich dazu entscheidet, einen Rüden in der Zucht einzusetzen, sollten selbstverständlich auch bei ihm alle erforderlichen Gesundheits- und Zuchtuntersuchungen gemacht werden. Wenn alles passt, sollte man trotzdem nicht einfach jede Hündin zulassen. Eine Verpaarung sollte gut überlegt sein, und sowohl Hündin als auch Rüde sollten zueinander passen.
In der Regel kommt die Hündin zum Rüden. Da der passende Deckzeitpunkt variieren kann, braucht es etwas Flexibilität. Die meisten Rüden wissen sehr schnell, was zu tun ist, wenn eine Hündin in der Standhitze vor ihnen steht. Der Deckakt selbst kann für Menschen, die ihn noch nie gesehen haben, etwas irritierend wirken. Deshalb ist es sinnvoll, sich vorher zu informieren, wie ein Deckakt bei Hunden abläuft.
Viele Rüden sind nach dem Deckakt entspannt. Wer denkt, dass ein Rüde danach automatisch zum unausstehlichen „Rammler“ wird, irrt sich. Ein einzelner Zuchteinsatz verändert einen Rüden in der Regel nicht negativ. Meist weiss er danach einfach besser, wie eine wirklich deckbereite Hündin riecht. Rüden, die vorher bereits einen übersteigerten Sexualtrieb hatten, bleiben meist ähnlich — manchmal wird es sogar etwas entspannter. Rüden mit normalem Sexualtrieb bleiben in der Regel ebenfalls normal. Ich persönlich habe noch keinen Rüden erlebt, der sich durch einen seriösen Zuchteinsatz negativ verändert hätte.
Für den ist der Zuchteinsatz natürlich deutlich einfacher als für die Hündin. Die Hündin trägt, gebärt und zieht auf. Sie leistet körperlich und mental sehr viel mehr.
Also: Zucht — ja oder nein?
Am Ende muss das jeder für sich selbst entscheiden. Für den Hund ist es nicht tragisch, wenn er niemals Nachwuchs hat. Er wird dadurch nicht unglücklicher und ihm fehlt nichts. Wenn ein Hund jedoch unter guten, seriösen und verantwortungsvollen Bedingungen in der Zucht eingesetzt wird, kann es für beide Geschlechter eine schöne und bereichernde Erfahrung sein.
Ich bin Züchterin. Für mich persönlich gibt es kaum etwas Schöneres, als den Nachwuchs meiner Hunde heranwachsen zu sehen. Aber gerade deshalb ist mir wichtig: Zucht sollte niemals leichtfertig geschehen. Sie braucht Verantwortung, Wissen, Ehrlichkeit und Respekt vor dem Hund.