24/12/2025
Eine Weihnachtsgeschichte … 🎄🎅🏻
Ihr erinnert euch sicher noch alle an meinen Besucher vor drei Jahren? Den mit dem roten Mantel, dem weißen Bart und dem kranken Rentier? 🎅🏻
Dieser Patient kommt nun jedes Jahr hier vorbei – sozusagen zum Rentier TÜV.
Ich habe versprochen, es niemandem zu erzählen denn zur Prominenz zu gehören kann nervig sein, wisst ihr?
Stellt euch mal vor hier würden jedes Jahr tausende Menschen vor der Tür stehen , um ihn zu treffen… ihre umfangreichen Wunschzettel persönlich abzugeben oder die Rentiere mit Keksen voll zu stopfen. Dann würde er hier ewig stehen bleiben müssen und mein Job mit dem Rentier TÜV würde wegen der anschließenden Magen Darm Probleme der Tiere ausufern.
Warum Engelskirchen auf seiner Route liegt? Na- weil hier in Engelskirchen die Briefkästen mit den Wunschzetteln auf ihn warten und natürlich auch ein winziges bissel wegen mir.
Wir trinken dann Glühwein und essen leckeren Mandelstollen – wir reden über die Welt, meine Patienten und seine Wichtel … kurz: eine gewachsene Männerfreundschaft.
Also, wenn ich Mitte Dezember mal morgens etwas später bin – dann liegt es wirklich an seinem Besuch und dass wir bis weit nach Mitternacht unsere Sorgen ausgetauscht haben.🥰
In diesem Jahr haben wir besonders lange geredet… die Rentiere waren schon fest eingeschlafen als er in den frühen Morgenstunden Richtung Süden aufbrach und ich habe beschlossen, euch trotz meiner Verschwiegenheitsklausel im Behandlungsvertrag, davon zu erzählen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nun mittlerweile genauso alt fühle wie er, vielleicht liegt es daran, dass mich in diesem Jahr besonders viele Menschen und Patienten verlassen haben – vielleicht liegt es an der Traurigkeit der Menschen um mich herum – kurz … in diesem Jahr war ich mal dran, mein Herz bei ihm auszuschütten.
Er hat so zustimmend genickt – dass ich Angst hatte, seine rote Bommelmütze würde in alle Einzelteile zerfallen.
Ihm geht es mit dieser Welt mittlerweile genauso wie mir – und die Liste der unartigen Erwachsenen ist so lang, dass sie als Toilettenpapierrolle für ganz Europa reichen würde.
Ja – ich habe ihm mein Herz ausgeschüttet – denn es ist so schwer, dass ich den Ku**er teilen musste.
Es war ein hartes Jahr – die Bürokratie, ständige Kontrollen und Prüfungen, vieles hat nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe und es sind Dinge passiert, die man in meinem Alter einfach nicht mehr so leicht verdauen kann.
Ich habe einen meiner besten Freunde verloren. So viele meiner kleinen und großen Patienten musste ich gehen lassen. Ihr letzter Blick – das letzte
Schwanzwedeln … Augenblicke, die man nie vergisst. Es waren so viele Kerzen in diesem Jahr. Viel zu viele.
„Wie soll man denn da Weihnachten feiern?“ habe ich meinen bärtigen Besucher gefragt. „Jetzt - um Himmels Willen – nicht auch noch einen Weihnachtsbaum! Das verkrafte ich einfach nicht.“
Nachdenklich zwirbelte der alte Mann seinen weißen Bart.
„So wie dir, geht es vielen Menschen“ … sagte er nachdenklich.
Für Familien und Menschen mit Freunden und Kindern ist Weihnachten ein Klasse Fest! Aber für die Meschen, die jemanden verloren haben … Angehörige, geliebte Fellnasen oder Freunde – da kann Weihnachten eine Herausforderung werden. Auch für mich!“ seufzte er traurig. „Diese Wunschzettel kann ich nämlich leider nicht erfüllen.“
„Ja – und nun?“ fragte ich resigniert.
„Nun gehst du raus und holst dir den größten und prächtigsten Weihnachtsbaum, den du finden kannst.“ … sagte er fröhlich. „Und dann schmückst du ihn so schön, wie noch nie. Denn genau DAS wird dir helfen, diese Last zu ertragen und endlich Ruhe und Frieden in dein Herz zu lassen. Weihnachten ist Hoffnung. Weihnachten ist Freude! Stell dir vor, alle deine Freunde und Patienten schauen dir zu – und du tust das für sie. Als Andenken und für sie alle und dich selbst.“
Ich dachte lange darüber nach und stellte fest, dass er recht hatte.
Genau dann, wenn man eigentlich kein Weihnachten will, muss man es in sein Herz lassen. All die Seeligkeitsdingens und Wunder – ich brauche sie in diesem Jahr besonders. Für mich, für meinen Freund und für meine Patienten, denen ich schweren Herzens den Weg auf die Regenbogenbrücke zeigen musste.
Also bin ich losgelaufen und habe mir den größten Baum den ich finden konnte auf die Schultern gepackt – und was soll ich euch sagen … diese Last hat mir geholfen, vieles von dem, was ich als unlösbar empfunden habe, endlich loszulassen.
Ein Seelenworkout eben.
Morgen werde ich ihn schmücken und im Kerzenschein das Wunder der Weihnacht bestaunen.
Ich werde meine Weihnachtsrituale genießen und all die Sorgen einfach rausfegen. Dann gehe ich mit Sophie spazieren und nehme mir Zeit, Freunde aus aller Welt anzurufen – besonders die, die ich jahrelang vernachlässigt habe.
Das Leben ist lebenswert und Weihnachten schenkt Hoffnung und Zuversicht.
Ich danke meinem großartigen Team, welches alle kauzigen Eigenarten, die das Alter so mit sich bringt mit Humor begegnet und mir auch im größten Chaos den Rücken freihält. Ihr seid die Besten … ihr seid großartig und ohne euch wäre die Praxis nur eine Praxis – und nicht der Ort wo ab und zu auch Wunder und Seeligkeitsdingens geschehen.
Ich danke auch allen Patienten, die mir so selbstlos vertrauen und mein Leben durch eine Freundlichkeit bereichern, die nur eine vierbeinige Seele so konstant schenken kann.
Ich freue mich auf das nächste Jahr – denn es wird ein gutes Jahr.
Und wenn der Schlitten im Dezember wieder vor meiner Tür hält, werde ich mit besserer Laune die Plätzchen an die Rentiere verteilen – versprochen!!!
Und so schließe ich meine weihnachtlichen Gedanken erneut mit Vincent Weiß, weil es bei mir gerade so aktuell ist:
„Auf uns, die wir hier beisammen sind und auf alle die von uns gegangen sind.“
Frohe Weihnachten! 🎄🎁
Euer Doc AB.