06/06/2026
Abschied von Pferdeantilope Latifa
Diese Woche mussten wir uns von Pferdeantilope Latifa verabschieden. Latifa wurde am 20. Dezember 2010 im Parco Natura Viva in Italien geboren und lebte seit dem 22. Juni 2012 bei uns im Zoo Dortmund.
Mit ihrem stolzen Alter von fast 16 Jahren war Latifa bereits im besten Seniorenalter. Eine wildlebende Pferdeantilope wird in der Regel nicht älter als etwa 12 bis 15 Jahre. Ab diesem Alter sind die Zähne oft so stark abgenutzt, dass das Tier nicht mehr genug Nahrung aufnehmen kann, dadurch stetig körperlich abbaut und in der Natur irgendwann leichte Beute für Raubtiere wird.
Auch Latifa fraß immer weniger und baute seit Ende des letzten Jahres deutlich ab, was Ihr auf dem Foto und in der aktuellen Story auch gut sehen könnt. Eine tierärztliche Untersuchung zeigte zwar abgenutzte Zähne, das allein erklärte den rapiden körperlichen Abbau jedoch nicht vollständig. Auch das Zufüttern von speziellem Kraftfutter für Huftiere brachte leider keine sichtbare Besserung.
In den letzten Tagen beobachteten die Tierpfleger, dass sich die alte Antilope immer schwerer tat aufzustehen und zu gehen. Gemeinsam und in enger Abstimmung zwischen den Zootierärzten, den zuständigen Tierpflegern sowie unseren Zoologen wurde daher entschieden, sie von ihrem altersbedingten Leid zu erlösen. Da Latifa außer den orthopädischen Gebrechen keine weiteren Krankheiten hatte, haben wir uns dazu entschieden, sie zu verfüttern.
Da uns häufig die Frage erreicht, wie wir bei uns im Zoo über die Euthanasie eines Tieres entscheiden und was danach geschieht, möchten wir Euch diesen sensiblen Prozess offen erklären:
Wenn ein Tier schwer erkrankt ist und trotz medizinischer Maßnahmen sich sein Zustand weiter verschlechtert, steht das Wohl des Tieres immer an erster Stelle - wir erlösen es, um ihm weiteres Leiden zu ersparen. In diesen Fällen wird das Tier anschließend in der Pathologie in Arnsberg untersucht. Die Ergebnisse sind für uns von großer veterinärmedizinischer Bedeutung, um zum Beispiel Rückschlüsse auf unsere Haltung und Ernährungsweisen zu ziehen. Aufgrund der verabreichten Medikamente müssen diese Tiere im Anschluss fachgerecht und behutsam kremiert werden und dürfen nicht als Futter dienen.
Anders verhält es sich, wenn ein Tier altersbedingt und ohne schwere Vorerkrankungen erlöst wird. Wenn der Körper frei von Medikamentenrückständen ist, darf das Tier verfüttert werden. So schmerzhaft der Verlust für uns auch ist, erfüllt das Tier damit bis zuletzt eine wertvolle Aufgabe innerhalb des Zoos.
Genau so verhält es sich auch in Latifas Fall: Um diesen Weg zu gehen, wurde ein Jäger hinzugezogen, der ihr Leben mit einem gezielten Schuss schnell und schmerzfrei beendet hat. Natürlich wird jede dieser Entscheidungen von uns mit größter Sorgfalt getroffen.
Latifa hat bei uns im Zoo insgesamt drei Jungtiere großgezogen, darunter auch 2015 ihre Tochter Luela, welche heute gemeinsam mit Vera in unserer Gruppe lebt.
Vielen Dank an unsere Tierpfleger Marvin Lück und Wiebke Dreesmann für die Infos zu Latifa.
Fotos: Ida Andrae
Text: Ida Andrae & Marcel Stawinoga/ Der Zoolotse