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30/06/2026
Der Stalker mit dem HundeblickEs war August, als Jamie zu uns kam.Border Collie-Australian-Shepherd-Mix, damals siebe Ja...
31/05/2026

Der Stalker mit dem Hundeblick

Es war August, als Jamie zu uns kam.

Border Collie-Australian-Shepherd-Mix, damals siebe Jahre alt – und zum wiederholten Mal ohne Zuhause. Auf dem Papier klang seine Geschichte nicht gut: Überforderung, aggressives Verhalten gegenüber seinen Haltern. Ein Hund, der scheinbar nicht funktionierte.

Ich kannte das. Täglich arbeite ich im Tierheim mit solchen Hunden, was ich auch leite.

Aber bei Jamie war da noch etwas anderes.

Schon im Tierheim ließ er mich nicht aus den Augen.

Wenn ich da war, war sein Blick auf mich gerichtet. Nicht aufdringlich, nicht fordernd – einfach nur: da. Als hätte er beschlossen, dass ich seine Konstante bin. Lange bevor ich das selbst wusste.

Hunde haben eine Art, Entscheidungen zu treffen, bevor wir Menschen überhaupt anfangen nachzudenken. Jamie hatte mich längst ausgewählt, während ich noch so tat, als wäre ich professionell und unparteiisch.

Drei Wochen habe ich das ignoriert. Drei Wochen, in denen ich mir eingeredet habe, professionell zu bleiben. Dann habe ich ihn einfach eingepackt und mit nach Hause genommen.

Er war mein Hund. Vom ersten Augenblick an ❤️

In seinem Pass steckte ein handgeschriebener Zettel. Jamie ist nicht abrufbar. Nicht leinenführig. Und noch ein paar Dinge mehr.

Ich habe den Zettel gelesen, einmal tief durchgeatmet – und angefangen.

8 Wochen Rückruftraining, gesichert mit der Schleppleine, in allen möglichen Situationen. Positive Verstärker wie Clicker und Markerwort. Kein Druck, keine Strafe – nur Vertrauen, das man sich Schritt für Schritt verdient.

Jamie kommt seitdem immer. 💪

Aber bevor wir dahin kamen, musste erst etwas anderes passieren.

Sein Nervensystem musste begreifen, dass die Welt nicht mehr brennt.

Das dauert. Bei Hunden mit ungewisser Vergangenheit lässt sich das nicht beschleunigen, nicht erzwingen und schon gar nicht wegtrainieren. Ihn in eine Box zu stecken und zur Ruhe zu zwingen – das kam für mich nicht infrage. Er wusste ja noch nicht, was jetzt mit ihm passiert. Wer soll zur Ruhe kommen, wenn er nicht weiß, ob er morgen noch da ist?

Also haben wir gewartet. Gemeinsam.

Nach etwa vier Monaten ist er das erste Mal wirklich runtergefahren. Nicht schlagartig – eher wie eine Spannung, die sich langsam aus den Muskeln löst. Mit jedem Tag wurde er ruhiger. Mit jedem Tag wurde er mehr er selbst.

Heute sieht das so aus:

Ich setze mich an den Computer – Jamie legt sich daneben. Ich setze mich auf die Couch und greife zum Buch – Jamie rollt sich ein. Am Abend, wenn der Tag zur Ruhe kommt, kommt auch er zur Ruhe. Nicht weil er muss. Sondern weil er gelernt hat, dass es sicher ist.

Das klingt unspektakulär. Für einen Hund, der nie wirklich ankommen durfte, ist es das Gegenteil davon.

Ja, tagsüber ist er ein Stalker. Er folgt mir in jeden Raum, beobachtet mich mit diesem Blick, der sagt: Ich lass dich nicht aus den Augen. Nervt mich das?

Manchmal. 🫣

Aber ich verstehe es. Wenn du oft genug verloren hast, hältst du fest, was du hast.

Anfangs war das Training nicht einfach. Wenn Jamie frustriert war – und das war er schnell – zeigte er Zähne. Drohte. Nicht aus Bösartigkeit, sondern weil er nie gelernt hatte, mit Misserfolg umzugehen. Weil niemand das Training je an ihn angepasst hatte.

Heute, neun Monate später, sind wir ein Team. Eines, das ich so nicht geplant hatte – aber auf das ich ziemlich stolz bin.

Seine größte Baustelle? Kinder.

Panische Angst. Die Art von Angst, bei der ein Hund sich am liebsten einfach in Luft auflösen würde. Anfangs konnte er das Haus nicht verlassen, wenn er Kinder nur hörte – und wir wohnen in unmittelbarer Nähe zu einer Grundschule und einem Kindergarten. Die Ironie des Schicksals.

Mit Management, Geduld und letztendlich mit positiven Training in Jamies Tempo, haben wir auch das in den Griff bekommen. Die Angst ist nicht weg. Aber Jamie schaut jetzt in solchen Momenten zu mir – und vertraut darauf, dass ich die Situation im Griff habe.

Das ist kein kleines Ding. Das ist alles.

Was diese Entwicklung möglich gemacht hat, war nicht Magie und kein Zufall.

Es war das richtige Setting. Ausreichend Bewegung und tägliche mentale Auslastung. Border Collies und Australian Shepherd gehören zu den sogenannten Gebrauchshunden. Wir Menschen haben sie über Generationen für spezielle Aufgaben selektiert. Wer einen solchen Hund hält, trägt Verantwortung dafür, diesen Bedarf zu erfüllen.

Täglich. Nicht wenn es passt.

Vor wenigen Monaten haben wir unseren Milow verloren 🌈. Den Sohn unserer Emma. Fast 12 Jahre alt, ein Border-Aussie-Mix wie Jamie – und in jungen Jahren genauso wenig “einfach”. Acht Monate haben wir gegen den Krebs gekämpft. Im Februar war der Kampf verloren.

Einfache Hunde waren noch nie mein Ding.

Gut, dass Jamie das auch nicht ist. 🐾

24/05/2026

Mittagsportion von der Schleckmatte.

Frischer Waldduft, glückliche Hunde – und dann das.Heute Morgen waren meine Hunde und ich auf einer wunderschönen, entsp...
23/05/2026

Frischer Waldduft, glückliche Hunde – und dann das.

Heute Morgen waren meine Hunde und ich auf einer wunderschönen, entspannten Morgenrunde im Wald. Kurz vor dem Ende begegneten wir einem anderen Hundehalter mit zwei Hunden an der Leine – einem größeren Mischling und einem Chihuahua. Da meine Hunde im Freilauf waren, habe ich sie natürlich sofort angeleint.

Der große Mischling stand seelenruhig am Bach und war voll damit beschäftigt, das Wasser zu inspizieren. Der Chihuahua hingegen hatte uns fest im Visier – und jede Menge Leine. Als wir näher kamen, fing er an zu pöbeln. Daraufhin wurde er von seinem Halter unsanft zu sich gezogen und prompt angeschnauzt. 🫣

Ich habe meine Hunde ruhig bei Fuß gehen lassen und bin mit größtmöglichem Abstand vorbeigegangen – nicht weil meine Hunde sonst auch angefangen hätten zu pöbeln, sondern um den Kleinen zu entlasten. Der Chihuahua pöbelte weiter. Herrchen übrigens auch.

Jetzt mal ehrlich: Ja, es gibt Hundeführer, die solche Situationen auch ohne Leckerlis im Griff haben. Aber das funktioniert nur, wenn man präsent ist, seinen Hund gut lesen kann und aktiv mit ihm kommuniziert. Und das wiederum geht nur, wenn man solche Situationen gezielt trainiert – nach dem Prinzip der positiven Verstärkung.

Bei meinen Hunden sind das Kekse. 🍪

Warum? Weil ich meinem Hund erklären muss, was er stattdessen tun soll. Ich will nicht einfach nur ein Symptom unterdrücken – ich will die Emotion hinter dem Verhalten verändern. Ich will, dass mein Hund anderen Hunden entspannt begegnen kann.

Dafür brauche ich etwas Gutes, das ich in stressigen Momenten hinzufügen kann: ein Alternativverhalten, das ich vorher gemeinsam mit meinem Hund aufgebaut habe. Das passiert nicht über Nacht – aber positives Training schafft Vertrauen und Bindung. Und genau das ist es, was ich haben möchte.

Das habe ich übrigens nicht erfunden. Das ist wissenschaftlich belegt.

Es macht mich traurig und wütend 😢😡, wenn ich sehe, wie manche mit ihren Hunden umgehen. Statt Lösungen zu suchen, wird Gewalt angewendet. Denn ja – auch ein heftiger Leinenruck ist Gewalt. Und wer laut wird, ist in meinen Augen schlicht hilflos.

Niemand kann mir überzeugend erklären, wie man das hinbekommt, ohne den Hund dabei in irgendeiner Form zu bedrohen. Das ist keine Kommunikation. Das ist Druck.

Und Druck schafft kein Vertrauen – Kekse schon. 🐾

22/05/2026

Freilauf für fast Alle 🐶

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