20/05/2026
Anaplasmose beim Hund
Die Anaplasmose wird durch das intrazelluläre Bakterium Anaplasma phagocytophilum verursacht und ist weltweit verbreitet. Als Reservoirwirte dienen u. a. Nagetiere, Wild- und Hauswiederkäuer, Füchse und Wildschweine. Auch Vögel können zur Verbreitung beitragen.
Übertragen wird die Erkrankung durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), der vor allem von April bis September aktiv ist. Die Übertragung auf den Hund erfolgt meist erst nach ca. 36–48 Stunden Saugzeit. Die Inkubationszeit beträgt abhängig vom Immunstatus etwa 4–10 Tage. Nach der Infektion befallen die Erreger vor allem neutrophile (selten eosinophile) Granulozyten und verbreiten sich über Blut- und Lymphwege in verschiedene Organe wie Herz, Nieren, Lunge, Leber und Milz. Dies kann zur Schwächung des Immunsystem beitragen und weitere Erkrankungen begünstigen.
Klinisch verläuft die Infektion häufig subklinisch, dennoch können unspezifische Symptome wie Lethargie, Inappetenz, Fieber, Lahmheiten, blasse Schleimhäute, angespanntes Abdomen, Durchfall, Dyspnoe, Lymphknotenschwellungen oder eine Milzvergrößerung auftreten.
Die Diagnostik erfolgt über Blutbild, bildgebende Verfahren wie Röntgen und Ultraschall sowie den direkten Erregernachweis mittels PCR (z. B. aus Blut, Synovia, Knochenmark oder Liquor). Ergänzend können ein Blut- oder Buffy-Coat-Ausstrich sowie serologische Tests (IFAT/ELISA) Hinweise liefern.
Therapeutisch gilt Doxycyclin als Mittel der Wahl. Je nach klinischer Ausprägung kann die Behandlung zusätzlich durch Infusionstherapie, Transfusionen (bei anämischen Patienten) sowie Antiemetika und Schmerzmittel unterstützt werden. Die Prognose ist in der Regel günstig, sofern die Erkrankung frühzeitig erkannt und gezielt behandelt wird.
Entscheidend ist eine konsequente Zeckenprophylaxe! Regelmäßige Kontrolle des Hundes nach jedem Aufenthalt im Freien und die möglichst frühe Entfernung von Zecken reduzieren das Infektionsrisiko deutlich. Geeignete antiparasitäre Maßnahmen (z. B. Zeckenmittel) sollten konsequent angewendet werden. In Endemiegebieten ist die Untersuchung von Blutspendern mittels PCR sinnvoll sein.