27/08/2026
Leider ist mit dem Thema Positivlisten, das wohl wieder intensiv in der EU diskutiert wird, nicht zu spaßen. Es gibt Parteien/Politiker, die es leider nicht verstehen (wollen).
Konkret: Werden Positivlisten eingeführt und Urzeitkrebse stehen dort nicht drauf, dann ist AQ4Aquaristik von heute auf morgen am Ende... 🤔 Kein Witz!
Jens und Kai A. haben dazu auch einen Podcast aufgenommen: https://youtu.be/h2cQW0wKbNE
𝗚𝗿𝘂ß𝘄𝗼𝗿𝘁 𝗱𝗲𝘀 𝗗𝗚𝗛𝗧-𝗣𝗿𝗮̈𝘀𝗶𝗱𝗲𝗻𝘁𝗲𝗻
Liebe Mitglieder und Freunde der DGHT,
der Kampf gegen Positivlisten in der EU geht in die nächste Runde.
Der spanische König hat der EU-Kommission einen umfangreichen und höchst restriktiven Gesetzestext zur Tierhaltung unterbreitet (zunächst nur für Spanien, doch könnte er für die gesamte EU relevant werden).
In Frankreich wurden jetzt Positivlisten für Ende dieses Jahres angekündigt. In den Niederlanden und in Belgien wurden Positivlisten bereits eingeführt, aber erfolgreich beklagt. In den Niederlanden war jedoch der letzte Revisionsantrag gegen die Rücknahme der Verordnung erfolgreich, d. h., das Pendel schlägt wieder um in Richtung Positivlisten.
In Norwegen war private Reptilienhaltung von 1977 bis 2017 ganz verboten, worauf mehr als 100.000 Terrarianer Ihre Tiere illegal hielten. Dieses Gesetz ist zwar jetzt aufgehoben, wurde aber durch eine Positivliste ersetzt, die nur noch die Haltung von neun Schlangen-, acht Echsen- und drei Schildkrötenarten erlaubt.
Das Beispiel zeigt, wo es auch bei uns enden kann: Nur noch „Allerweltsarten“ wie Bartagamen, Kornnattern und Griechische Landschildkröten dürfen gehalten, gehandelt und gezüchtet werden. Artenschutzinitiativen, die auf Privathalter zählen, wie unser Projekt „Citizen Conservation“, werden plötzlich illegal.
Noch sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine Positivlisten für Reptilien aktiv (in der Schweiz gibt es aber schon eine Positivliste für Säugetiere).
Journalisten nehmen Fälle ausgebrochener Wildtiere gern zum Anlass, Diskussionsrunden zu veranstalten, in denen Tierhaltungsgegner generell gegen Wildtierhaltung polemisieren, während Halterverbände wie die DGHT dort in der Minderheit oder gar nicht vertreten sind (so geschehen in MDR und NDR).
Als Präsident der DGHT habe ich bereits vor einem Jahr bei der Europäischen Kommission unsere Argumente gegen Positivlisten eingereicht. Die juristischen Widersprüche wurden schon 2023 vom Rechtsgutachten des Prof. Dr. Tᴀᴅᴇ M. Sᴘʀᴀɴɢᴇʀ aufgezeigt.
Doch unsere Gegner schlafen nicht. Es braucht eine große demokratische Bewegung aller Tierhalter gegen diese fatalen Pläne. Sprechen Sie mit Ihnen bekannten Politikern und schildern Sie ihnen, welche negativen Auswirkungen Positivlisten auf Tierhaltung (Einheitsbrei statt Artenvielfalt), Tiergesundheit (kein Tierarztbesuch bei illegaler Haltung) und Artenschutz (kein Aufbau von Ex-situ-Populationen bedrohter Arten) haben würden!
Soviel erstmal in der für dieses Grußwort gebotenen Kürze. Ausführlichere Informationen zu diesem unerfreulichen, aber sehr wichtigen Thema gebe ich in der kommenden „elaphe“.
Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen bei unserer Jahrestagung 2026 in wenigen Wochen in Stuttgart.
Ihr
𝓤𝓵𝓻𝓲𝓬𝓱 𝓙𝓸𝓰𝓮𝓻
Foto (c) Bürgerstiftung Braunschweig, Mᴀʀᴇᴋ Kʀᴜsᴢᴇᴡsᴋɪ.