21/09/2026
Dieser Artikel hat bei uns einen Nerv getroffen, deshalb möchten wir Beas Gedanken zu Abschiedsritualen in der Tierklinik gerne mit dir teilen.
"Trauer ist persönlich.
Manche Menschen möchten sprechen, andere schweigen. Manche möchten ihr Tier halten, andere neben ihm sitzen. Einige wünschen sich ein Symbol, andere nur Zeit. Aber es sollte überhaupt ein Angebot vorhanden sein."
Welche Erfahrungen hast du schon damit gemacht?
Wenn der letzte Weg kaum Raum für Abschied lässt
💜Der Tod kommt immer zu früh
Der Tod eines geliebten Lebewesens kommt nie passend und immer zu früh. Auch wenn unser Tier sehr alt geworden ist, würden wir gerne noch viele Tage, Wochen oder Monate mit ihm verbringen. Der Verstand sagt uns irgendwann, dass der Zeitpunkt gekommen ist, unser Tier gehen zu lassen. Das Herz weiss gleichzeitig, wie gross der Schmerz und die Trauer sein werden. Es möchte diesen Moment hinauszögern und noch etwas Zeit gewinnen.
Die letzten Stunden mit einem geliebten Tier verlaufen immer anders. Vielleicht hat man die Möglichkeit, seinen Hund bis zum Schluss zu Hause zu begleiten, sei es durch einen natürlichen Sterbeprozess oder durch eine Euthanasie. Vielleicht konnte man diesen letzten gemeinsamen Weg planen und alles hat so stattgefunden, wie man es sich für sein Tier gewünscht hat. Vielleicht hatte man einen Plan, aber das Leben schrieb einen anderen. Was bleibt, ist die grosse Trauer über den Verlust eines geliebten Familienmitgliedes.
💜Pandas letzter Weg
Wie ihr wisst, ist Panda vor zwei Wochen sehr überraschend gestorben. Respektive wurde sie in der Tierklinik euthanasiert. Ich bin emotional noch immer sehr durcheinander. Was mich immer wieder einholt, ist das Szenario im Sterbezimmer und der Weg dorthin. Wir mussten durch zwei Räume und an Hunden vorbeigehen, die dort stationär untergebracht waren. Irgendwo jaulte die ganze Zeit ein Hund. Das Sterbezimmer hatte zwar ein Fenster, dieses konnte aber nicht geöffnet werden. Der Raum fühlte sich bedrückend und lieblos an.
Ich war innerlich wie erstarrt. Sicher auch deshalb, weil alles so schnell ging und ich mich auf diese schwierige Situation überhaupt nicht vorbereiten konnte. Ich hatte nichts für Panda dabei. Kein Abschiedsgeschenk für meine geliebte Hündin, keine Kerze, keinen kleinen Gegenstand und kein Zeichen unserer Verbundenheit. Es gab kein Ritual und keinen geschützten Rahmen, der mir dabei geholfen hätte, bewusst von ihr Abschied zu nehmen.
💜Was ich Panda noch sagen wollte
Ich hätte gerne noch länger bei ihr gelegen, sie berührt und mit ihr geredet. Ich hätte ihr noch so vieles sagen wollen. Dass sie die beste aller Hündinnen war. Dass sie mir so sehr fehlen wird. Dass sie mir in unseren acht gemeinsamen Jahren unendlich viel geschenkt hat. Dass sie immer ihren Platz in meinem Herzen behalten wird. Dass sie die beste aller Schwestern für Wendy war. Dass sie keine Angst haben muss. Dass sie abgeholt und auf ihrem Weg begleitet wird.
All das möchte ich meinem Tier sagen dürfen, wenn es bald sterben muss. Dafür braucht es Zeit, Ruhe und einen Raum, in dem man sich sicher und aufgehoben fühlt. In unserem Fall gab es diesen Raum für mich nicht. Langsam kommt nun die Trauer. Langsam kann ich um Panda weinen. In der Klinik war ich wie in einer Schockstarre und konnte weder erfassen noch aussprechen, was gerade geschah.
💜Ein Angebot für den persönlichen Abschied
Seitdem denke ich darüber nach, was Menschen und ihre Tiere in einer solchen Situation unterstützen könnte. Es braucht dafür keine grossen Gesten und auch kein vorgegebenes Ritual, das für alle gleich ablaufen muss. Trauer ist persönlich. Manche Menschen möchten sprechen, andere schweigen. Manche möchten ihr Tier halten, andere neben ihm sitzen. Einige wünschen sich ein Symbol, andere nur Zeit. Aber es sollte überhaupt ein Angebot vorhanden sein.
Ich stelle mir einen ruhigen und freundlich gestalteten Abschiedsraum vor, in den die Familie möglichst direkt begleitet wird. Dort könnte eine kleine Abschiedsbox stehen. Die Menschen dürfen selbst entscheiden, ob sie daraus etwas verwenden möchten.
💜Eine Kerze für dieses eine Tier
In der Abschiedsbox könnte sich eine warm leuchtende LED-Kerze befinden, die für das Tier angezündet wird und während des Abschieds brennt. Nach dem Tod entscheiden die Bezugspersonen selbst, wann sie diese löschen möchten. So endet das Leben des Tieres nicht einfach mit der medizinischen Feststellung seines Todes.
💜Worte finden, wenn die eigenen fehlen
In dieser Box könnten auch kleine Karten liegen. Keine fertigen Trostsprüche, sondern behutsame Fragen, die dabei helfen, Worte zu finden, wenn man selbst gerade keine findet: Was möchtest du deinem Tier noch sagen? Wofür möchtest du ihm danken? Was hat es in dein Leben gebracht? Welche gemeinsame Erinnerung soll dich begleiten? Was möchtest du ihm für seinen Weg mitgeben?
Die Worte könnten laut ausgesprochen, still gelesen oder auf der Rückseite aufgeschrieben werden. Der Zettel könnte später mitgenommen oder, sofern dies möglich und erlaubt ist, dem Tier mitgegeben werden.
💜Zwei Steine als Zeichen der Verbundenheit
Auch kleine Steine fände ich schön. Vielleicht zwei zusammengehörende Steine, von denen einer beim Tier bleibt und der andere mit nach Hause genommen wird. Als schlichtes Zeichen für die Verbindung, die durch den Tod nicht einfach verschwindet.
Man könnte den Stein während der Euthanasie in der Hand halten und ihm später zu Hause einen besonderen Platz geben oder ihn an einem geliebten gemeinsamen Spazierort ablegen. Wenn das Tier kremiert wird, müsste natürlich vorher geklärt werden, welche Gegenstände mitgegeben werden dürfen.
In einer solchen Abschiedsbox könnten ausserdem ein weiches Tuch, ein kleines Band, Material für einen Pfotenabdruck und ein Säckchen für eine Fellsträhne liegen. Das Band könnte dem Tier umgelegt oder später als Erinnerung mitgenommen werden. Auch hier sollte vorher behutsam gefragt werden. Nicht alle Menschen möchten einen Pfotenabdruck oder eine Fellsträhne. Es geht nicht darum, etwas zu müssen. Es geht darum, wählen zu dürfen.
💜Zeit für Berührung und letzte Worte
Vor der letzten Injektion sollte ganz bewusst ein Moment entstehen, in dem noch nichts getan wird. Die Tierärztin oder der Tierarzt könnte sagen:
„Wir nehmen uns jetzt noch einen Moment Zeit. Sie dürfen Ihrem Tier sagen, was Sie ihm noch mitgeben möchten. Geben Sie mir ein Zeichen, wenn Sie bereit sind.“
Dieser eine Satz könnte so viel verändern. Sofern keine akute medizinische Notlage besteht, sollte nicht allein das Personal bestimmen, wann es weitergeht. Die Bezugsperson sollte ein Zeichen geben dürfen. Während dieser Zeit kann das Tier gehalten, gestreichelt, gefüttert oder zugedeckt werden. Die eigene Decke, ein Lieblingsspielzeug, vertraute Musik oder etwas besonders Feines könnten ebenfalls dazugehören.
💜Auch nach dem Tod braucht es Zeit
Nach dem Tod sollte nicht sofort Unruhe entstehen. Es sollten noch keine Dinge weggeräumt und keine organisatorischen Fragen besprochen werden. Die Familie braucht Zeit, um zu begreifen, was gerade geschehen ist.
Die tierärztliche Person könnte ruhig erklären, dass das Tier nun gestorben ist, und anschliessend sagen:
„Sie dürfen noch bei ihm bleiben. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Wenn Sie bereit sind, können Sie klingeln.“
Eine kleine Klingel im Raum würde ermöglichen, dass die Menschen selbst entscheiden, wann sie den Raum verlassen möchten. Niemand müsste auf den Gang hinausgehen und nach einer Person suchen. Niemand müsste sich fragen, ob man nun zu lange bleibt.
💜Eine Erinnerung mit nach Hause nehmen
Beim Verlassen könnte die Familie einen kleinen Umschlag erhalten. Darin könnten sich der Pfotenabdruck, die Fellsträhne, der ausgewählte Stein oder das Band sowie eine schlichte Karte mit dem Namen des Tieres befinden. Auch Informationen über Trauer nach dem Tod eines Tieres, die Kremation und die nächsten organisatorischen Schritte wären dort gut aufgehoben. So müssten diese Dinge nicht unmittelbar neben dem verstorbenen Tier besprochen werden.
Vielleicht könnte die Praxis oder Klinik einige Tage später eine handgeschriebene Karte schicken. Keinen unpersönlichen Standardsatz über den „Verlust eines Haustieres“, sondern einige Worte, in denen wenigstens der Name des Tieres vorkommt. Worte, die vermitteln: Dieses Tier war nicht irgendein Patient. Es hatte einen Namen, ein Leben, eine Geschichte und Menschen, für die es die Welt bedeutete.
💜Mehr als eine medizinische Handlung
Eine Euthanasie ist eine medizinische Handlung. Für die Menschen und ihr Tier ist sie aber gleichzeitig der letzte gemeinsame Moment einer oft jahrelangen, tiefen Beziehung. Dieser Moment ist so einschneiden, brennt sich ein als letzte Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Dieser Moment braucht mehr als einen zweckmässigen Raum und einen korrekten medizinischen Ablauf. Er braucht Ruhe, Mitgefühl, Zeit und die Möglichkeit, auf eine persönliche Weise Abschied zu nehmen.
💜 In diesem Sinne:
«Kleine Rituale geben dem Abschied in der Tierklinik einen würdevollen Rahmen.»