07/07/2026
Dürfen wir Tiere nutzen?
Diese Frage stellt sich uns, wenn Tiere Menschen im pädagogischen, therapeutischen, sozialen oder Arbeitsbereich unterstützen sollen.
Wir haben dazu im Team unterschiedliche Ansichten.
Leni sieht den Einsatz von Tieren grundsätzlich kritisch. Nima ist etwas offener, doch ihre Ansprüche sind sehr hoch, wenn es um den Schutz des Tierwohls geht.
Diese beiden Beispiele aus einem Fachartikel fanden wir besonders bezeichnend:
1. Schulbegleithunde sind teilweise einem Lärm ausgesetzt, bei dem Menschen aus Arbeitsschutzgründen längst Gehörschutz tragen müssten. Trotzdem wird ihr Einsatz oft einfach als positiv dargestellt.
2. In einem anderen Beispiel wurde von einem Pferd berichtet, das stark verschwitzt zu einer Veranstaltung ankam, weil es beim Transport dorthin Angst gehabt hatte. Genau diese Situation wurde später als Türöffner für die Arbeit mit einem Klienten beschrieben, die – laut, Ingrid Stephan, der Gründerin des Instituts für soziales Lernen mit Tieren – ohne das Tier so schnell nie möglich gewesen wäre. Hier wird für uns deutlich, wie das Erleben des Tieres in den Hintergrund rückt, wenn für den Menschen etwas Positives daraus entsteht.
Und genau das ist für uns der Knackpunkt.
Sobald Tiere Menschen helfen sollen, wird oft vor allem auf den Menschen geschaut. Das Tier beruhigt, verbindet, tröstet, motiviert. All das mag stimmen, aber wie geht es dem Tier dabei?
– Macht es freiwillig mit oder funktioniert es einfach?
– Hat es Rückzugsmöglichkeiten, die es von sich aus aufsuchen kann?
– Werden Stresssignale erkannt oder als „Ruhe“ missverstanden?
Viele Tiere machen zwar mit, aber Mitmachen ist nicht automatisch Zustimmung. Die wenigsten haben wirklich eine Wahl.
Und wenn wir ehrlich sind, ist auch Haustierhaltung nicht frei von Egoismus, denn auch wir profitieren von dem, was Tiere in uns auslösen. Gerade deshalb darf das Tier nie bloß Mittel zum Zweck werden.
Für uns ist nicht die entscheidende Frage, ob Tiere Menschen helfen können. Die Frage ist, ob wir wirklich bereit sind, das Wohl des Tieres höher zu gewichten als unseren Wunsch, mit ihm etwas Gutes zu bewirken.
Es liegt noch ein ziemliches Stückchen Weg vor uns, um unser Verhältnis zu Tieren wirklich zu hinterfragen und zu lernen, was es bedeutet, sie als gleichwertige Wesen zu respektieren.
Wie siehst du das?
Quelle: Vetimpulse, Artikel zur tiergestützten Intervention und Tierschutztagung in Oesede.