27/08/2026
🐾 Medical Training in der Tierarztpraxis – wenn Beruhigungstabletten scheinbar die einzige Lösung sind
Als ausgelernte TPA erlebe ich immer wieder Hunde, für die bereits das Betreten einer Tierarztpraxis mit großem Stress verbunden ist. Wenn Untersuchungen kaum noch möglich sind, erscheinen Beruhigungstabletten häufig als einziges Hilfsmittel, das Abhilfe verspricht.
Medikamentöse Unterstützung kann in bestimmten Situationen wichtig und absolut notwendig sein. Sie sollte jedoch nicht immer die einzige Maßnahme bleiben. Denn während Medikamente den akuten Tierarztbesuch erleichtern können, verändert sich die zugrunde liegende Angst nicht automatisch. Genau hier kann Medical Training ansetzen – idealerweise nicht nur zu Hause, sondern auch gemeinsam mit dem Praxisteam.
Ich finde es schön zu sehen, dass viele Halter – sofern es für die Praxis passt – auch ohne Behandlung vorbeikommen. Sie setzen sich mit ihrem Hund ins Wartezimmer, gehen auf die Waage und verlassen die Praxis wieder, ohne dass etwas Unangenehmes passiert. Das ist bereits ein wertvoller Schritt, damit der Tierarztbesuch nicht ausschließlich negativ verknüpft wird.
Meiner Meinung nach dürfte das Training aber noch einen Schritt weitergehen: einmal entspannt das Sprechzimmer betreten, dort einfach nur sitzen, das freiwillige oder begleitete Aufsteigen auf den Behandlungstisch üben oder den Hund behutsam von einer Tierärztin, einem Tierarzt oder einer TPA Manipulationen gewähren lassen.
Ideal wäre für mich eine Kombination aus regelmäßigem Medical Training zu Hause und einem vorher vereinbarten „Übungstermin“ in der Praxis – ein Check-up ohne Spritzen, Hektik oder unangenehme Behandlung. Ein Termin, bei dem Halter, Hund und Praxisteam in Ruhe üben und gemeinsam positive Erfahrungen sammeln können.
Dabei geht es nicht darum Beruhigungstabletten grundsätzlich zu ersetzen. Es geht darum, sie nicht als einzige Möglichkeit zu betrachten. Durch kleinschrittiges Training und die aktive Einbeziehung des Praxisteams kann der Hund lernen, dass in der Tierarztpraxis nicht automatisch etwas Unangenehmes geschieht.
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