21/09/2026
Wir sprechen viel darüber, wie wir unsere Hunde schützen können.
Wie wir Situationen vermeiden, die schwierig werden könnten. Wie wir ihnen Stress ersparen, Konflikte verhindern und ihre Umwelt möglichst kontrollierbar gestalten.
Natürlich ist Schutz wichtig, aber Schutz darf nicht bedeuten, einen Hund klein zu halten.
Unsere Aufgabe ist nicht, unseren Hunden jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen. Unsere Aufgabe ist es, sie so durchs Leben zu begleiten, dass sie lernen, mit Hindernissen umzugehen.
Es bedeutet nicht einfach, möglichst viele Reize, Beschäftigungen oder lustige Aufgaben anzubieten. Es bedeutet, eine Umwelt zu schaffen, in der ein Hund erleben, ausprobieren, scheitern, Lösungen finden und wachsen darf. Mal ist der Untergrund komisch, mal ist ein Weg eng, mal muss etwas überwunden werden und mal kommt man nicht sofort ans Ziel. Der Hund darf Mut, Geduld und eigene Ideen entwickeln..
Jedes sinnvoll bewältigte Problem hinterlässt etwas Wertvolles: Ich kann etwas bewirken, kann Lösungen finden und Unsicherheit aushalten..und wenn ich wirklich nicht weiterkomme, bin ich nicht allein. Ein Hund, dem wir ständig alles abnehmen, bekommt vielleicht ein sehr bequemes Leben. Aber nicht eines, das ihn wachsen lässt. Gerade unsichere Hunde brauchen deshalb nicht eine immer kleinere Welt; sie brauchen eine Welt, die bewältigbar wird.
Enrichment bedeutet deshalb nicht: «Wie beschäftige ich meinen Hund?», sondern vielmehr: «Welche Erfahrungen braucht dieser Hund, um sich entwickeln zu können?»
Wir dürfen ihnen helfen und dürfen ihnen Sicherheit geben. Wir dürfen Grenzen setzen und Verantwortung übernehmen. Aber wir sollten ihnen nicht aus gut gemeinter Fürsorge jede Möglichkeit nehmen, über sich selbst hinauszuwachsen.
Denn am Ende ist genau das unsere Aufgabe: Unsere Hunde gross zu machen – nicht sie klein zu halten.