15/10/2026
Dieser Text spricht mir aus der Seele.
Bevor aus Frust Gewalt wird.
„Na, was wird das heute wieder?“
Kennt ihr diesen Gedanken auf dem Weg zum Stall? Du hast dein Pferd noch gar nicht geholt und rechnest schon damit, dass es wieder anstrengend wird. Beim Führen, beim Aufsteigen, bei der Übung, die seit Wochen nicht klappt.
Eigentlich freust du dich auf dein Pferd. Zumindest möchtest du das. Aber inzwischen ärgerst du dich so oft, dass von dieser Vorfreude nicht mehr viel übrig bleibt.
Und dann steht es wieder nicht still. Du korrigierst. Noch einmal. Die Hand wird fester, deine Geduld kürzer. Irgendwann möchtest du nicht mehr herausfinden, warum es heute schwierig ist. Du möchtest einfach, dass es endlich funktioniert.
Genau darüber sollten wir reden. Nicht erst darüber, was passiert, wenn jemand die Beherrschung verliert.
Ich möchte wissen, warum aus der gemeinsamen Zeit mit dem Pferd überhaupt so viel Frust geworden ist. Mit einem „Du musst halt ruhiger bleiben“ ist es doch nicht getan. Derjenige weiß meistens selbst, dass er gerade nicht besonders geduldig ist. Nur weiß er deshalb noch lange nicht, wie er aus dieser Situation wieder herauskommt.
Vielleicht fehlt eine verständliche Erklärung für die Aufgabe. Vielleicht erwarten wir etwas, das unser Pferd noch gar nicht leisten kann. Vielleicht schauen wir ständig darauf, wie weit die anderen schon sind, und übersehen dabei, was bei uns längst besser geworden ist.
Oder es trifft uns persönlich. Aus „Mein Pferd bleibt nicht stehen“ wird irgendwann „Nicht einmal das bekomme ich hin“. Und wenn dann noch jemand an der Bande steht, soll es erst recht klappen.
Da lohnt sich ein ehrlicher Blick: Ärgere ich mich gerade über das Verhalten meines Pferdes? Oder darüber, dass ich mich daneben hilflos, unsicher oder beobachtet fühle?
Das macht grobes Verhalten nicht in Ordnung. Aber es gibt uns einen Ansatz, um etwas zu verändern.
Wenn du merkst, dass du nur noch durchsetzen willst, beende die Übung sicher. Hol dir dabei Unterstützung, wenn du sie brauchst. Du musst nicht noch einen gelungenen Versuch erzwingen, damit du aufhören darfst.
Danach würde ich mir nicht das ganze Pferd vornehmen, sondern die konkrete Schwierigkeit. Was passiert da eigentlich? Was habe ich bisher versucht? Was muss überprüft werden, bevor ich weiterübe? Vielleicht braucht es einen anderen Aufbau. Vielleicht müssen erst mögliche Beschwerden geklärt werden. Und vielleicht brauchst du jemanden, der dir wieder einen machbaren Anfang zeigt.
Auch die eigenen Erwartungen dürfen dabei kleiner werden. Ihr müsst morgen nicht nachholen, was in den letzten Wochen nicht geklappt hat.
Wer allerdings immer wieder grob wird oder Angst hat, die Kontrolle zu verlieren, braucht Unterstützung auch beim Umgang mit der eigenen Wut. Das lässt sich nicht allein mit einer anderen Reitübung lösen.
Mir wäre lieber, jemand sagt rechtzeitig: „Ich bin mit meinem Pferd gerade völlig überfordert“, als dass er aus Scham weitermacht, bis etwas passiert. Über diesen Frust muss man sprechen können, ohne ihn zu entschuldigen oder den Menschen sofort abzustempeln.
Dein Pferd kann nicht dafür geradestehen, dass du seit Wochen nicht mehr weiterweißt. Aber du musst damit auch nicht allein bleiben.
Gab es bei euch eine Zeit, in der die Freude am Pferd vor lauter Schwierigkeiten fast verschwunden war? Was hat euch geholfen, wieder gern zum Stall zu fahren?
Wenn ihr meinen Gedanken teilt, könnt ihr auch gern diesen Beitrag teilen.
Grüße
Tommy