26/08/2026
Die Rettung … und ihre Nebenwirkungen
Als der Notruf eintraf, waren wir noch guter Hoffnung. Das langhaarige Büsi, welches sich unter einer Palette auf einem Industriegelände eingerichtet hatte, sah irgendwie nicht nach wilder Katze aus. Wir vermuteten, dass es sich um eine vermisste Katze handle, die hoffentlich einen Chip trägt.
Loreen fing das hungrige Tier schnell ein. Der Tiger war stark verfilzt, zudem schien ein Auge trübe. Leider aber war die a**e Katze doch nicht gechippt. Eigentlich nicht überraschend, weil das noch immer den Normalfall darstellt. Und genau damit fangen die immensen Nebenwirkungen fast jeder Rettung an:
Zuerst geht der Patient zum Tierarzt. Natürlich auf unsere Kosten, weil wir Auftraggeber sind, auch wenn die Katze nicht uns gehört. Dann müssen wir uns um eine Unterkunft für den Vierbeiner kümmern, weil fast alle Tiere nicht mehr an den Fundort zurückdürfen. Im aktuellen Fall wäre das eine Chemiefabrik an einer Hauptstrasse gewesen, also ohnehin kein geeigneter Ort für eine Katze.
Dann geht es auf die anstrengende Suche nach einer Unterbringung. Da der Patient weitere medizinische Hilfe benötigt und zudem sehr scheu ist, hat kein Tierheim Interesse an ihm. Die meisten Tierheime platzen ohnehin bereits aus allen Nähten. Und auch sie haben keine Gelddruckmaschine im Keller. Wir telefonieren also stundelang herum, um irgendwo eine Anschlusslösung zu finden, was nicht nur zeitaufwändig, sondern mit allen erhaltenen Absagen auch nervenzehrend ist. Haben wir das Glück einen Platz zu finden, fahren wir oft längere Strecken, weil fast nie eine Lösung um die Ecke verfügbar ist. Immer wieder aber gibt es gar keine Lösung und wir müssen Notunterkünfte schaffen.
Schliesslich helfen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in solchen Fällen nicht. Der Findling muss bei der STMZ ausgeschrieben werden. Das ist perfekt für Halter, die ihre Katze wirklich vermissen. Für ausgesetzte, ungechippte und verwilderte Katzen bedeutet das aber nur unnötigen Zusatzaufwand und -kosten für die Tierschutzorganisationen. Zwei Monate dauert die gesetzliche «Aufbewahrungsfrist», während welcher der Finder nicht frei über das Tier verfügen darf. Wer allerdings für die mit der Aufbewahrung der «Fundsache» zusammenhängenden Kosten aufkommen muss, ist nirgends geregelt. Damit bleiben diese ebenfalls beim Finder, also bei der Tierschutzorganisation hängen.
Solange die Aufbewahrungsfrist läuft, dürften wir ein Tier eigentlich nur medizinisch stabilisieren, nicht jedoch einschneidende Behandlungen oder Eingriffe vornehmen wie zum Beispiel eine Kastration und schon gar nicht dürften wir das Tier platzieren. Das zieht einen weiteren nachteiligen Effekt nach sich, weil Tierheime unkastrierte Katzen ohnehin nicht aufnehmen können. Erst wenn die Frist vorüber ist und sich niemand gemeldet hat, geht das Eigentum an uns über und wir dürfen über das Tier frei verfügen. Und leider meldet sich fast nie jemand.
Es geht aber noch weiter: Während Tierschutzorganisationen überall einspringen, wo der Staat seinen Pflichten (Tierschutz) nicht nachkommt und verantwortungslose Halter, die all diese Probleme verursachen, nicht zur Rechenschaft gezogen werden können wird durch die Politik auch noch bewusst alles verkompliziert. Dies erfolgt absurderweise angeblich zum Schutz der Freiheitsrechte der tierschutzwidrig und verantwortungslos handelnden Verursacher, obwohl das Tierschutzgesetz ja vielmehr deren Tiere schützen sollte! So wird zum Beispiel eine Chippflicht vehement abgelehnt, wie aktuell grad wieder im Kanton Thurgau, und regelmässig stur gegen eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen angekämpft.
Statt zu helfen, lässt man Tierschutzorganisationen einfach im Stich. Der finanzielle und zeitliche Aufwand für uns ist riesig. Die mangelnde Bereitschaft seitens des Staates ist nicht nachvollziehbar und einfach nur ärgerlich. Hauptsache, die eigentlichen Halter müssen nicht einmal die 90 Franken für das Chippen und Registrieren bezahlen.
Was meint ihr dazu?
Um den Langhaarigen kümmern wir uns natürlich weiter und danken euch für jede Unterstützung. Ohne euch geht es nicht, denn dem Staat sind die Katzen egal!
www.netap.ch/spenden