01/09/2026
Letztens stolperten wir in den Social Media wieder mal über einen Beitrag, der "ganz schön viel Meinung für sehr wenig Ahnung" beinhaltet. Thema dabei war: Antidepressiva für Hunde.
Darin wurde der medikamentöse Einsatz bei Hunden bemängelt. Die Verfasserin selbst, ein bisschen zu selbstsicher in ihrem Plädoyer, erklärte, warum diese Tabletten nichts bringen bei Aggressionsverhalten. Dabei war stark herauszuhören, dass sie keine Ahnung von Neurochemie, Neurobiologie und Endokrinologie hat.
Um das Ganze mal kurzum zu erklären. Quasi Neurobiologie for Beginners.
Ein Organismus im Dauerstress (viele Komponenten können dazu führen) zeigt sich symptomatisch mit: vermehrtem Angstverhalten, viel Körperspannung, vermehrten Fight- und/oder Flight-Reaktionen.
Kann sich der Organismus selten bis nie in die Homöostase (sein inneres Gleichgewicht) bringen, verändert sich die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse nachhaltig.
Ist ein gewisses chronisches Stadium erreicht, gilt eines: das System mittels medikamentöser Intervention wieder in die richtige Richtung schubsen, oder den Organismus so sehr entlasten, dass sich das Nervensystem überhaupt erst wieder komplett beruhigen kann.
Variante A spricht hierbei vom Einsatz der Antidepressiva – oder auch SSRI genannt (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer).
Die funktionieren erstaunlich einfach:
Die Transporter der Nervenzelle, die den Neurotransmitter Serotonin nach der Signalübertragung wieder aufnehmen, werden blockiert. Dadurch verbleibt das KÖRPEREIGENE Serotonin länger im synaptischen Spalt (dem Raum zwischen den Nervenzellen im Gehirn). Die längere Verweildauer im Gehirn moduliert die emotionale Reaktivität und sorgt dafür, dass der Hund ausgeglichener ist.
Was wiederum eine Basis schafft für nachhaltiges Training. Denn ja, die Tablette alleine bringt nicht viel. Viele Trainer quaseln von Führung, Bindung, Konsequenz. Und Menschen machen sich Vorwürfe dass es trotz aller Selbstoptimierung nicht klappt. Durch das Schlechtreden der SSRIs nimmt man etlichen Teams ein Tool weg, welches wirklich helfen kann.
2026 sollte man einsehen das psychische Erkrankungen real sind- auch bei Hunden.