14/06/2026
Bericht aus der Praxis – Kater mit nacktem Bauch – eine unglaubliche Geschichte
Bereits bei der Erstanamnese und der ausführlichen Allgemeinuntersuchung waren wir ganz sicher davon überzeugt, dass es sich weder um Parasiten noch um stressbedingtes Lecken handeln konnte, sondern möglicher Weise um eine Hernie und/oder eine organische Ursache – aber beginnen wir einmal ganz von vorn.
Der überaus entspannte und ganz liebe Gizmo, so heißt unsere Patienten-Samtpfote, stammt ursprünglich aus einer Gartenanlage in der Nähe von Magdeburg.
Ein ½ Jahr nachdem der Kater bei den tierlieben Besitzern ein Zuhause gefunden hatte, begann das exzessive Lecken des Bauches. Mit Gizmo lebt noch eine weitere Katze im Haushalt. Plötzlich hatte alle Flöhe. Kann vorkommen, müssen eliminiert werden.
Das Lecken aber hörte nicht auf und es war ja schon vor dem Flohbefall da.
Der Kater hatte auch schon von Anfang an ein merkwürdiges Fressverhalten. Er frisst grundsätzlich in Etappen. Da muss man doch auch hellhörig werden, oder?
Weit gefehlt. Er bekam von den innerhalb der letzten 2,5 Jahren besuchten Praxen immer wieder Spot-Ons, Kortisonbehandlungen und der/die letzte/r meinte, die Besitzerin sollte sich einen Feliway- Stecker besorgen zur Entspannung.
In der gesamten Zeit, in der die Besitzerin von einem zum anderen ging, kam niemand einmal auf die Idee, weiterführende Diagnostik zu machen. Es ist wirklich wahr.
Inzwischen hatte der entspannteste stresslose Kater seinen gesamten Bauch und teilweise seinen Schwanz kahl geleckt. (siehe Foto)
Die Besitzerin kam nun zu uns. Und das möchten wir vornweg stellen, wir sind weder Hellseher, noch besonders schlau oder verfügen über übersinnliche Fähigkeiten.
Nein – wir machen aber eine sehr ausführliche, vollumfängliche Anamnese, hören den Besitzern genau zu, untersuchen den Patienten gründlich und haben dann grundsätzlich schon einen Plan bzw. eine Verdachtsdiagnose.
In diesem Fall waren wir sicher, dass das Lecken eine organische Ursache und/oder eine Hernie haben muss. Aber wir können ja nicht in den Patienten hineinsehen. Also veranlassten wir eine weiterführende Diagnostik – in diesem Fall als erstes einen fachtierärztlichen Ultraschall.
Ultraschall ist auch ein Thema, welches wohl einen eigenen Artikel füllen könnte. An dieser Stelle nur so viel, Ultraschall bieten ganz viele Praxen an, nur können es ganz wenige. Im Grunde für uns nur eine Praxis - dafür ganz herzlichen Dank an dieser Stelle.
Der Ultraschall hat stattgefunden. Eine Hernie ist es noch nicht, nur ein minimaler Spalt. Das ist schön. Darüber hinaus hat er eine milde chron. Gallenblasenerkrankung (vermutlich deshalb das Fressverhalten), aber sein Hauptproblem sind seine Harnblasenveränderungen. Diese haben ihm solche Schmerzen verursacht, dass er sich deshalb permanent seinen Bauch geleckt hat, um die Schmerzen zu mildern.
Das konnte keiner feststellen? Das hätte jeder feststellen können, wenn man sich umfassend mit seinen Patienten beschäftigt und die Besitzer ernst nimmt.
Nun werden wir noch eine Laboruntersuchung in einem unserer Labor in Auftrag geben, diese dann auswerten und eine entsprechende Behandlung der Harnblase durchführen, damit es Gizmo hoffentlich bald besser geht, sein Fell wieder wächst und er sich wieder rundum wohlfühlen kann. Das wünschen wir ihm auf jeden Fall. Aber die alternative Medizin hat durchaus ganz viele Möglichkeiten, Organe zu behandeln.
Wir haben auch einmal das Internet befragt, was beim Lecken eines nackten Bauches einer Katze so angezeigt wird. In der Tat wird als ersten auf Parasiten hingewiesen, dann psychische Erkrankungen, Stress und ganz weit unten steht irgendwann einmal etwas, dass organische Erkrankungen ebenfalls abgeklärt werden müssten. Ganz zum Schluss … was an den Anfang gehört ...
In diesem Sinne bedanken wir uns für das Vertrauen und wünschen allen einen guten Start in die neue Woche!
Herzlichst Ihr Team der
Tierheilpraxis Susanne Traubach