03/09/2026
✅Hohe Hand zäumt, tiefe Hand bäumt.✅
Was sehen wir dagegen häufig:
⛔️Reiter, die durch tief stehende, rückwärts wirkende Hände versuchen, ihre Pferde beizuzäumen, manchmal mit den Händen bis auf den Oberschenkeln und Reiter, die ihre Hand hochnehmen, wenn das Pferd sich überzäumt, um den Kopf wieder raufzubefördern. Bitte nicht!⛔️
Was bedeutet nun dieser alte Reitlehrerspruch, der sich immer wieder bewahrheitet und den jeder erfahrene Reiter so unterschreiben kann?
„Hohe Hand zäumt“ bedeutet, dass die hohe Hand die Beizäumung, das Nachgeben im Genick fördert.
➡️Die kurzzeitig hoch getragene Hand führt dazu, dass das Gebiss mehr auf die Maulwinkel und weniger auf Zunge und Laden einwirkt. Dies löst bei vielen Pferden eine Kautätigkeit und damit ein Weicherwerden im Genick aus.
✅Dies kann man nutzen, muss aber dann auch umgehend wieder den Weg nach unten(und vorn) freigeben, denn eine hohe Hand macht auch den Hals kurz und belastet den Rücken!
Umgekehrt bedeutet:
„Tiefe Hand bäumt“, dass sich das Pferd „aufbäumt“, wenn die Hand tiefer getragen wird. Aufbäumt im Sinne von: Es hebt Kopf und Hals, wenn diese zu tief getragen werden. Dazu darf die Hand gesenkt werden aber darf dort nicht einwirken!
➡️Bei tief stehender Hand reitet der Reiter mit Kreuz und Schenkel etwas deutlicher nach „oben“, holt die Hinterhand heran und reitet Übergänge. Also weniger nach vorn als nach „oben“. Stellt Euch ein bergauf vor dabei. Die Hand bleibt dabei ruhig und tief stehen.
⚠️Das Aktive Aufrichten mit der nach oben wirkenden Hand (aufrichtender Arrêt) ist dagegen eine nur im Notfall anzuwendende Maßnahme, die durch Stören im Maul und manuelles Anheben des Kopfes die Aufrichtung künstlich herbeiführt und das Vertrauen in die Hand langfristig stört. (Fraglich ist, ob es solche „Notfälle“ wirklich gibt und eine solche Einwirkung somit gelegentlich vertretbar ist. In einer Prüfung kann sie MAL ein letzter Ausweg sein, bevor das Pferd zu sehr abkippt.)
✅Wesentlich sinnvoller ist es, die Aufrichtung über das Schließen des Pferdes in Übergängen mit tief gestellter Hand zu erarbeiten. So nimmt das Pferd hinten mehr Last auf und kommt in die relative Aufrichtung.
Generell sollte die Hand so getragen werden, dass Unterarm, Handrücken und Zügel von der Seite gesehen eine Linie bilden, die weder nach unten, noch nach oben unterbrochen wird. Alles andere sind spezielle Einwirkungen.
Diese nutzen zu wollen bedeutet, eine sehr gute Körperbeherrschung und -Wahrnehmung zu haben und dabei nicht zurückzuwirken.
Insgesamt will genau überlegt sein, was man wann und wie anwendet. Denkendes, gefühlvolles Reiten ist
im Sinne der Pferde 🐴
Dagmar Ciolek