23/08/2026
„Die darf man nicht so vermenschlichen.“
Es ist einer dieser beliebten Sätze, die erstaunlich schnell fallen, sobald jemand ein Tier nicht mehr als Vertreter einer Art, sondern als Individuum betrachtet.
Sobald ein Schwein einen Namen bekommt, ein Huhn als Persönlichkeit beschrieben wird, jemand über die Angst eines Schafes spricht oder sich ernsthaft fragt, was ein Tier fühlen könnte, ist der Vorwurf der Vermenschlichung oft nicht weit; als wäre es grundsätzlich etwas Schlechtes, einem Tier zu viel Menschlichkeit zuzuschreiben.
Aber was genau soll das eigentlich überhaupt bedeuten?
„Vermenschlichen“ heißt, einem nichtmenschlichen Tier menschliche Eigenschaften zuzuschreiben; wir sprechen hierbei automatisch also von einer Grenze zwischen „Mensch“ und „Tier“, als würden diese beiden Kategorien einander gegenüberstehen. Als wären wir Menschen die eine Seite und Tiere die andere.
Sind wir aber nicht.
Vielleicht wird es den ein oder anderen von euch jetzt schockieren, aber: Auch wir sind Tiere. Säugetiere, um genau zu sein. Wir gehören zur Tierwelt, teilen einen großen Teil unserer biologischen Grundlagen mit anderen Lebewesen und sind evolutionär nicht außerhalb des Tierreiches entstanden, sondern mitten darin. Die Vorstellung, dass „der Mensch“ den „Tieren“ gegenübersteht, ist also keine biologische Tatsache, sondern einfach nur eine Denkweise…(Vielleicht erklärt das auch, warum der Vorwurf der Vermenschlichung für mich jedes mal so verdammt merkwürdig wirkt, denn wenn wir bei einem Tier Freude, Angst, Trauer, Bindung, Neugier oder Schmerz erkennen, erkennen wir nicht zwangsläufig etwas „Menschliches“ in ihm. Wir erkennen etwas, das wir als Tiere selbst kennen.)
Natürlich ist ein Schwein kein Mensch, ein Hund ist kein Mensch- und ein Huhn ist es ebensowenig. Aber daraus folgt eben nicht, dass alles, was wir bei ihnen beobachten, weniger echt, weniger komplex oder weniger bedeutsam ist.
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