31/08/2026
Bei einem Pferd mit akuter Hufrehe ist es wichtig, unnötige Bewegung zu vermeiden. Auch bei einem chronischen Hufreheverlauf gilt. Wenn das Pferd erneut einen akuten Reheschub entwickelt, sollte es möglichst wenig bewegt werden. Entscheidend ist nicht allein, ob die Hufrehe chronisch ist, sondern ob aktuell eine schmerzhafte, akute Entzündung und eine erneute Schädigung des Hufbeinträgerapparates vorliegen. Entscheidend ist, dass es frei entscheiden kann, ob es steht, liegt oder sich bewegt. Ein Pferd sollte niemals zum Hinlegen gezwungen werden. Eine weiche, tiefe Einstreu kann ihm jedoch helfen, sich zu entlasten.
Was passiert bei Hufrehe im Huf?
Im Inneren der Hornkapsel liegt das Hufbein. Es ist nicht einfach in den Huf „hineingestellt“, sondern wird durch den sogenannten Hufbeinträger an der Vorderwand aufgehängt. Dieser besteht aus vielen ineinandergreifenden empfindlichen Blättchen der Lederhaut und hornbildenden Blättchen der Hufwand.
Diese Verbindung funktioniert ähnlich wie ein Klettverschluss oder wie zwei ineinandergreifende Kämme. Sie verteilt die Last und hält das Hufbein in seiner korrekten Position innerhalb der Hornkapsel.
Bei einer Hufrehe wird diese Verbindung durch Entzündungs- und Durchblutungsstörungen geschädigt. Die empfindlichen Strukturen schwellen an und können ihre Haltefunktion teilweise oder vollständig verlieren. ( Der Hufbeinträger ist buchstäblich gerissen/ zerrissen).Der Hufbeinträger ist dann nicht mehr stabil genug, um das Gewicht des Pferdes sicher zu tragen.
Warum kann Bewegung dann schaden?
Bei jedem Schritt wirken erhebliche Kräfte auf den Huf. Normalerweise werden diese Kräfte vom intakten Hufbeinträger aufgenommen. Ist dieser jedoch geschädigt, kann die Bewegung die verletzten Lamellen zusätzlich belasten.
Besonders problematisch ist die Spannung der tiefen Beugesehne. Sie zieht am unteren Rand des Hufbeins nach hinten. Wenn der Hufbeinträger seine Haltefunktion verliert, kann das Hufbein dadurch rotieren ,die Spitze des Hufbeins sinkt beziehungsweise kippt nach unten, oder sinken, das Hufbein bewegt sich innerhalb der Hornkapsel nach unten.
Vereinfacht gesagt: Das Hufbein hängt normalerweise sicher an einer stabilen Aufhängung. Wenn diese Aufhängung ausreißt, kann jeder weitere Schritt an den bereits geschädigten Verbindungen „ziehen“ und weiter reisen.Das ist vergleichbar mit einem schweren Gegenstand, der an einer beschädigten Wandhalterung hängt. Durch wiederholtes Rütteln wird die Halterung nicht geschont, sondern weiter zerstört.
Was geschieht in der Hornkapsel?
Die Hornkapsel bleibt zunächst äußerlich weitgehend unverändert. Innen kann sich jedoch die Position des Hufbeins verändern. Ich wünschte, die Hufkapsel wäre durchsichtig, damit Pferdebesitzer sehen könnten, was sich im Inneren eines an Hufrehe erkrankten Hufes abspielt. Der Hufbeinträger kann so schwer geschädigt sein, dass sich die Situation bildlich mit einer massiven Gewebeverletzung vergleichen lässt. Von außen ist davon oft nur wenig zu erkennen.
Würde man diese Vorgänge sichtbar sehen können, würden viele Pferdebesitzer vermutlich freiwillig auf jede unnötige Bewegung verzichten. Das gilt sowohl bei akuten erts Schüben und bei einem chronisch vorgeschädigten Huf, der sich erneut in einem akuten Reheschub befindet, braucht das Pferd vor allem Ruhe und konsequente Entlastung. Erzwungenes Laufen kann den bereits geschädigten Hufbeinträger zusätzlich belasten und eine weitere Rotation oder ein Absinken des Hufbeins begünstigen.
Das Pferd sollte deshalb nicht zum Bewegen gezwungen werden.Dadurch entstehen mehrere Probleme.
Die Hufwand und das Hufbein passen nicht mehr korrekt zueinander.
An der Vorderwand können sich die Lamellen weiter lösen.
Die Hufbeinspitze kann näher an die Sohlenfläche gelangen.
Im schlimmsten Fall drückt die Hufbeinspitze nach unten in Richtung Sohle.( Hufbeindurchbruch)
Die Blutzirkulation und die empfindlichen Gewebe im Huf können zusätzlich beeinträchtigt werden.
Später wächst die Hornwand häufig mit einer typischen verbreiterten oder unregelmäßigen Linie nach.
Ein anschauliches Beispiel ist ein Schuh mit herausgerissener Innensohle.( Mensch/ Schuhe).Von außen sieht der Schuh zunächst noch normal aus. Im Inneren sitzt die tragende Struktur jedoch nicht mehr dort, wo sie sein sollte. Wenn man mit diesem Schuh weiterläuft, wird die beschädigte Verbindung bei jedem Schritt stärker belastet.
Warum stehen viele Rehepferde trotzdem?
Das Stehen kann für das Pferd sehr schmerzhaft sein. Manche Pferde entlasten deshalb abwechselnd die Vorderbeine, stellen die Vorderbeine nach vorne oder verlagern das Gewicht nach hinten. ( Sägebockstellung)Andere legen sich hin, weil dadurch die schmerzenden Hufe zeitweise entlastet werden.
Liegen kann deshalb eine Entlastungsstrategie sein. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes Rehepferd möglichst lange liegen sollte. Zu langes Liegen kann unter anderem Kreislaufprobleme, Druckstellen und Muskelschäden verursachen. Deshalb sollte das Pferd selbst wählen können, solange der Tierarzt nichts anderes anordnet.
Was ist im akuten Schub sinnvoll?
Bei Verdacht auf Hufrehe handelt es sich um einen tierärztlichen Notfall. Üblicherweise sind, abhängig von der Untersuchung, folgende Maßnahmen wichtig:
sofort den Tierarzt verständigen,
Bewegung auf ein absolutes Minimum beschränken,
das Pferd nicht zum Laufen, Wenden oder Verladen zwingen,
eine tief eingestreute, weiche Fläche anbieten,
die Hufe nach tierärztlicher Anweisung kühlen,
Schmerzmittel und weitere Behandlung nur nach tierärztlicher Vorgabe,
Röntgenbilder anfertigen lassen, um Rotation oder Absinken des Hufbeins zu beurteilen,
Fütterung und mögliche Auslöser umgehend tierärztlich prüfen lassen.
Zusätzlich sollte ein qualifizierter Hufexperte hinzugezogen werden. Er oder sie kann den Huf fachgerecht beurteilen und gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt geeignete Maßnahmen zur Entlastung und Stabilisierung des Hufes festlegen. Die Diagnose und medizinische Behandlung der Hufrehe gehören jedoch in tierärztliche Hände.
Hier sind noch einige Bilder von Hufrehefällen aus den vergangenen Tagen.