27/06/2026
Was steckt hinter dem Wort Training?
Wenn ein Hund ein unerwünschten Verhalten zeigt, wird oft gesagt, dass dieser unerzogen sei und dringend Training bräuchte. Eine Momentaufnahme reicht aus, dass sich unbeteiligte Menschen ein vollständiges Bild zurecht legen und ein Urteil fällen. Keine Rückfragen, keine Reflexionen, dafür Pauschalisierungen und vorgefertigte Meinungen.
Mich stimmt das sehr traurig, manchmal auch wütend. Denn ein Hund ist nicht immer gleich unerzogen, weil er an der Leine zieht oder Aggressionen zeigt.
❤️ Ein Hund ist ein Individum, ein Lebewesen- wie wir Menschen auch.
❤️ Er hat Bedürfnisse und diese können ganz unterschiedlich sein- wie unsere auch.
❤️ Er hat seine Geschichte, seine Vergangenheit- wie wir auch.
❤️ Er bringt eine Persönlichkeit mit, die einzigartig ist- so wie wir auch.
Und nachdem wir Menschen so sehr für uns einstehen, unsere Bedürfnisse über alles stellen, wir alle unsere Meinung lauthals kundtun und respektiert werden wollen, werden Hunde in Schubladen gepackt. Schublade auf, Hund rein, Schublade zu.
Warum meinen wir Menschen so viel besser und erhabener zu sein? Wir hängen im Hundetraining oft in veralteten Strukturen fest, nutzen aversive Methoden, weil diese der extrem schwierige Hund ja anscheinend braucht. Wie oft sterben Hunde im "Training" oder bleiben traumatisiert zurück? Aber dann ist der Hund ja still, dann hat er sich unterworfen. Applaus, Applaus. 👏
In meinen Augen hat das mit Training nichts zu tun. Manchmal fällt es mir schwer das Wort überhaut über die Lippen zu bringen, weil ich weiß wie viel Leid und wie viel Vorurteile und welche Methoden oftmals dahinter stecken.
"Training" sollte als ein gemeinsames Zusammenleben und ein gemeinsames Verständnis für einander gesehen werden. "Training" ist der Alltag, in welchem sich man aufeinander verlassen kann und die gegenseitigen Bedürfnisse voneinander wahrnimmt. Und natürlich geht das auch mit Grenzen setzen einher. Der Hund muss ja auch lernen, was der Mensch möchte und was nicht. Ebenso darf aber auch mein Hund Grenzen setzen und nein sagen. Gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt. Das würde ich mir sehr wünschen, für viele Hunde da draußen, die diverse "Trainings" durchlaufen.
Und wenn du dich in den Zeilen wiederfindest und Hilfe im Umgang mit deinen Hund benötigst. Ich freue mich, wenn ich die Perspektiven wechseln und den Blick für die Hunde weiten kann.