24/10/2017
Der Krieg um die Kohle –
die Chirurgie des Brachycephalensyndroms
Mops und Französische Bulldogge haben etwas gemeinsam: Ihre von „Züchtern“ plattgezüchtete Schnauze verbirgt zum Zeitpunkt des Welpenkaufs bei mehr als 60 Prozent der Jungtiere eine anatomische Fehlentwicklung des Rachenraumes, die langsam aber stetig zu Atemnot führt. Das zu lange Gaumensegel und die „Schlitznase“ sind auch für Laien schnell auszumachen. Die „Geräuschkulisse“ beim Atmen ist ein eindeutiges Indiz für das Brachycephalensyndrom, das Syndrom der kurzköpfigen Rassen. Parallel zu den wachsenden Atmungsstörungen zeigen sich chronische Entzündungen des Rachenraumes bis hin zum Kehlkopfkollaps und zum Kollaps der Luftröhre und der Bronchien und Schäden am Herzmuskel.
Seit mehr als 40 Jahren ist in der Chirurgie das Kürzen des Gaumensegels bekannt. Auch die „Schlitznase“ wird seither unkompliziert chirurgisch geweitet. Alles in allem keine „großartige Nummer“ für einen Chirurgen.
Wenn man anständigerweise den einfachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte zugrunde legt, kommen an Kosten nicht mehr als 500 Euro zusammen. Gut – es kann zu Komplikationen kommen, wobei zum Zeitpunkt des Wiedererwachens des Patienten vorübergehend ein Luftröhrenschnitt, ein Trachealstoma, gesetzt werden muss, das einige Tage später wieder geschlossen werden kann: Auch keine „große Nummer“, wobei sich die Kosten um etwa 200 Euro erhöhen können – wenn man den einfachen Satz der GOT zugrunde legt.
Es ergab sich vor vielen Jahren, dass im Internet auf der Webseite der Kleintierklinik der Uni Leipzig zu lesen war, dass ein derartiger Eingriff 3000 bis 4000 Euro kosten würde – natürlich mit einem verbundenen Klinikaufenthalt. Der Direktor Prof. Oechtering war und ist innerhalb der Tierärzteschaft ein geschätzter und geachteter Kollege.
Ist es gerechtfertigt, dass bei uns in Hamburg nur „round about“ 500 Euro berechnet wurden und werden?
Wir wissen um die gesellschaftliche Spaltung in Deutschland. Diejenigen, die diese Hunde halten, sind nicht oder nur selten in der Lage 3000 bis 4000 Euro zu bezahlen. Und diejenigen, die nicht in der Lage sind, diese Kosten aufzubringen? Was machen die? Sie müssen den elenden Zustand ihres Hundes hinnehmen und verschließen die Augen vor einer furchtbaren Entwicklung der zunehmenden Luftnot.
Vor 12 Jahren traten meine Söhne Rudolf-Philipp und Steven in die Praxis als Tierärzte ein. Steven übernahm sehr schnell die Brachycephalenchirurgie und führt sie perfekt durch. Auch seine Meinung ist, dass man für diesen Eingriff nicht mehr als 500 Euro berechnen sollte. Sicherlich – die genannten Ausnahmen führen gelegentlich zu einer Verteuerung. Aber nicht in die Höhen von tausenden von Euro.
Das Ergebnis ist, dass täglich aus ganz Deutschland Kunden nach Hamburg kommen, um ihren Mops oder ihre Französische Bulldogge bei Steven operieren zu lassen.
Das Nebenergebnis ist, dass Tierärzte, die erkannt haben, dass mit der Brachycephalenchirurgie richtig Kohle zu machen ist (und auf der „Schiene des Kollegen in Leipzig fahren“ ) ständig ihr Mißfallen über die Preisgestaltung in unserer Praxis ausdrücken: Blanker Hass, blödsinnige Unterstellungen der Schlechtleistung werden von Kunden berichtet. Wir haben uns daran gewöhnt und reagieren mit Achselzucken. Die Bemerkungen dieser „Kollegen“ führen dazu, dass Kunden, die normalerweise ihren Tierarzt haben, vermehrt zu uns in die Praxis drängen. Ein nahezu unhaltbarer Zustand, befeuert von Mißgunst, Neid und Gruppenzwang zur Verleumdung.
„Du hinterlässt uns ein schweres Erbe“, sagte Steven, als er wiedermal üble Bemerkungen anderer Tierärzte über uns zur Kenntnis nahm. „Nein, wir sind es dem sozialen Konsens schuldig, faire Preise zu berechnen“, sagte ich. „ Es gibt genügend Tierärzte und Tierärztinnen, die den sozialen Konsens längst aufgekündigt haben und ihr Trachten und Handeln darauf ausrichten, gnadenlos Tierhalter zur Kasse zu bitten. Unsummen werden für alberne Behandlungen berechnet, manche Tierhalter regelrecht hinter´s Licht geführt. Und dann diese widerliche Kartellbildung in manchen Gegenden: Preisabsprachen, die nach dem Kartellgesetz strafbar sind, und den Tierhaltern keine Chance auf eine faire Preisgestaltung lassen.
Deutschland steht zurecht mit an oberster Stelle des Korruptionsindexes.“
Samstag, den 21. Oktober 2017: In einem ganzseitig angelegten Artikel schreibt Dr. Fabian von Manteuffel, Vorstandsmitglied der Tierärztekammer Hamburg, unter anderem, dass „eine Gaumensegel-OP im Durchschnitt mit 2000 Euro zu Buche schlägt“.
Herzlichen Dank für diese dreiste Behauptung. Wir haben beschlossen, den unsozialen, tierschutzwidrigen und selbstbereichernden Bestrebungen innerhalb der Tierärzteschaft die Stirn zu bieten.
Dirk Schrader, Hamburg
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